Mit der Band kam Farbe ist Spiel - und der Regen: Zum Auftritt von "Moop Mama" wurde es nass. Fotos: Tanja Mori Monteiro und Rake Hora
Mit der Band kam Farbe ist Spiel - und der Regen: Zum Auftritt von "Moop Mama" wurde es nass. Fotos: Tanja Mori Monteiro und Rake Hora | Foto: Hora

Verhaltener "Fest"-Start

Mit Moop Mama kam der Regen

„Murphys Gesetz. Das ist Murphys Gesetz.“ Roland schüttelt den Kopf und kramt umständlich die Regenjacke aus seinem Rucksack. „’Moop Mama’ spielen. Da hab’ ich sie vorsorglich mal eingepackt“, sagt er und lächelt gequält. Für ihn wie für viele andere Festival-Besucher gleicht der erste „Fest“-Abend am gestrigen Freitag einem Déjà-vu. Genau ein Jahr ist es her, da stand die Münchener Brass Band schon einmal hier auf der Hauptbühne und genau wie damals kam mit den ersten Noten auch der Regen. Kein englischer Nieselregen war’s, auch kein sommerlicher Schauer – nein in Kübeln goss es plötzlich vom Himmel. So stark, dass die Macher von „Das Fest“ sich genötigt sahen, die Notbremse zu ziehen und das Konzert kurzerhand abzubrechen.

Dieses Schicksal bleibt Martin Wacker und seinem Organisationsteam gestern zum Glück erspart. Trotzdem ist der Mann sichtlich geknickt, als er um 20.30 Uhr zu einem schnellen Informationsgespräch ins Pressezelt kommt. „Das ist ein trauriger Tag“, sagt er mit Blick auf die, die seit Monaten, Wochen und vor allem in den letzten Tagen am Gelingen des großen Karlsruher Sommer-Open-Airs gearbeitet hatten. „Die Mitarbeiter sind an ihre Grenzen gegangen“, lobt Wacker. Dass ihre Mühen kein lau-entspannter Sommerabend belohnt, sei sehr, sehr bitter. Schlimmer noch als das schlechte Wetter aber sind die Nachrichten von den tödlichen Schüssen in München, die sich ab 20 Uhr wie ein Lauffeuer unter den „Fest“-Gängern verbreiten. „Moop Mama“, die aus München stammen, werden beim Verlassen der Bühne von ihrem Tourmanager informiert. „Sie waren sehr betroffen“, sagt Wacker.

Auch Rae Garvey, der mit seinem Konzert Punkt 21 Uhr beginnt, nimmt Bezug zu den Ereignissen. Seine Worte nehmen die Menschen vor der Bühne mit. Bis zum Schluss seines Auftritts tanzen sie ausgelassen im sich langsam aber sicher festsetzenden Dauerregen.

Schade. Denn so schlecht hatte der erste richtige „Fest“-Tag am Nachmittag gar nicht begonnen. Wirklich blau war der Himmel zwar nicht, aber das gleichförmig wabernde Grau rang sorgloseren Naturen wie Joachim Löbe immerhin noch ein wenig Zweckoptimismus ab: „Besser als zu heiß“, gab er gegen 17 Uhr zu Protokoll.

Katharina, Caroline und Stephanie aus Bühl hatten sich sogar modisch den Zeichen der Zeit gestellt und extra ein zu ihren bunten Gummistiefeln passendes Outfit gewählt. „Wir kommen uns gerade ein bisschen komisch vor“, räumten sie am frühen Abend, angesichts der warmen aber trockenen Luft in der Klotze noch ein. Keine zwei Stunden später stapften sie dafür trockenen Fußes über die immer matschiger werdende Wiese am See.

„Regen ist nicht das schlimmste“, das weiß auch Volker Schäfer. Seit Beginn des „Fests“ im Jahr 1985 hat der Karlsruher noch kein einziges Mal auf dem Hügel gefehlt. Regen hat er erlebt, Matschorgien und den Abbruch im vergangenen Jahr. Seine allerschlimmste „Fest“-Erinnerung allerdings bleibt das Jahr 2009, als nach dem Auftritt von Peter Fox wegen Überfüllung die ganze Veranstaltung in Frage gestellt wurde. Wie Schäfer hielten gestern 38 000 Fans ihrem „Fest“ die Treue. 28 000 Besucher zählten die Veranstalter bis zum späten Abend im Bereich der Hauptbühne, rund 10 000 kamen, um sich ohne Karte die vielen anderen Veranstaltungen auf der Feld-, der DJ- oder der Kulturbühne anzuschauen. Kein Vergleich zu anderen Jahren. „Wir hatten schon doppelt so viele Besucher“, so Wacker. Doch manchmal muss sich eben sogar einer wie er „Murphys Gesetz“ beugen.