Auf großer Fahrt: Mit einem alten Traktor fuhr Alois Seifermann aus Oberachern bis nach Italien.
Auf großer Fahrt: Mit einem alten Traktor fuhr Alois Seifermann aus Oberachern bis nach Italien. | Foto: Michaela Gabriel

Schlepperfahrt über die Alpen

Mit Tempo 30 von Oberachern nach „Bella Italia“

Von Michaela Gabriel

Mit dem Traktor nach Venetien und zurück – das hat Alois Seifermann aus Oberachern in diesem Sommer zweimal geschafft. Auto könne er nicht mehr fahren, sagt der fast 80-Jährige: „Der Schlepper läuft nur 30, das ist schnell genug für mich.“

„Daheim ist es ihm doch langweilig“

„Er soll nur fortfahren, so lang er kann“, meint seine Frau Elisabeth: „Daheim ist es ihm doch langweilig.“ Aufhalten lässt sich der ehemalige Fernfahrer sowieso nicht. Für kurze und lange Spitztouren hat er sich eigens einen Traktor gekauft. Der 1963 gebaute Fordson Dexta Ackerschlepper hat seit 1973 eine einfache Fahrerkabine. Eine Treibstoffanzeige gibt es ebenso wenig wie einen Soziussitz. Alles, was Alois Seifermann braucht, nimmt er in dem kleinen Wohnanhänger mit, den er hinter den Traktor spannt: ein Bett, ein Kühlschrank, eine Kochplatte und Quellwasser aus Lauf.

Drei bis fünf Tage unterwegs

Mehr als 800 Kilometer sind es bis nach Venetien in Oberitalien. Mit dem Auto über Landstraßen wäre man rund 14 Stunden unterwegs. Alois Seifermann hat bei seinen Reisen im Mai und August für eine Strecke drei bis fünf Tage gebraucht. Die Stationen seiner Route hat er sich von Hand auf einen Zettel geschrieben und im Führerhaus befestigt.
„Biberach, Memmingen, Garmisch, Achenpass, Zillertal, Gerlospass, Kaprun, Großglockner“ heißt es da. Zurück führte die Reise über Passo San Boldo, Passo San Pellegrino, Moena, Bozen, Meran, Ofenpass, Flüelapass, Davos und Bregenz. Zweimal die gleiche Route fahren, das wollte er nicht. „In Oderzo habe ich Freunde besucht und bin Rad gefahren. Schön war’s“, erzählt er. Die Freunde hätten ihn mit einem guten Wein herzlich empfangen und ihm ein Foto von seinem Gespann auf den Hof ihres Anwesens mit Widmung mitgegeben.

Dieses Erinnerungsfoto brachte Alois Seifermann von einem Besuch in Oderzo mit nach Hause.
Dieses Erinnerungsfoto brachte Alois Seifermann von einem Besuch in Oderzo mit nach Hause. | Foto: Michaela Gabriel

Aus Versehen auf die Autobahn gefahren

Er habe überwiegend kleine Straßen genutzt und sei immer mal wieder rechts rangefahren, um die Autos überholen zu lassen, berichtet der Rentner. Unterwegs habe ihn einmal die Polizei angehalten – „nur interessehalber“. In Bozen sei er mit seinem blauen Traktor aus Versehen auf die Autobahn geraten. Da habe ihn die Polizei mit Blaulicht wieder runter gelotst. Die Polizisten hätten dann freundlich seine Papiere kontrolliert und ihm den richtigen Weg gezeigt.
Pech habe er gehabt, als an einem Anstieg plötzlich der Wasserschlauch des Schleppermotors geplatzt sei. „Da bin ich dann umgekehrt.“ Die Bremsen seien zwar heiß gelaufen, aber er habe den Schaden selbst reparieren können. Schließlich sei er gelernter Schlosser und habe früher in der eigenen Werkstatt Motoren gebaut und Motorräder hergerichtet.

Ein Glückskind

Alois Seifermann ist davon überzeugt, dass er schon Zeit seines Lebens ein Glückskind ist. „Sonst würde ich schon lange nicht mehr leben“, sagt er. Auf seinen zwei Fahrten nach Venetien diesen Sommer habe er immer Plätze gefunden, auf denen er nachts stehen bleiben konnte. Und er habe einen siebten Sinn dafür, wo er gut und günstig essen gehen könne. Als ihm kürzlich bei einer Fahrt zum Schluchsee mangels Anzeigeinstrument der Diesel ausging und auch der Reservekanister nichts mehr hergab, habe er wieder Glück gehabt: „Ich habe mich der Kanne an die Straße gestellt und es hat mich jemand mit zur nächsten Tankstelle genommen und wieder zurückgebracht.“ Die nächsten Touren mit Schlepper und Anhänger hat er schon geplant.