Ein eingespieltes Team: Pilotin Bettina Schleidt aus Sasbachwalden (rechts) und Co-Pilotin Gisela Freund.
Ein eingespieltes Team: Pilotin Bettina Schleidt aus Sasbachwalden (rechts) und Co-Pilotin Gisela Freund. | Foto: BNN

Pilotin aus Sasbachwalden

Mit viel Gefühl am Steuerknüppel

Von Roland Spether
Präzises Fliegen mit einem am Seil befestigten Eimer durch eine Slalomstrecke – das ist eine Aufgabe, die Bettina Schleidt aus Sasbachwalden mit ihrem Hubschrauber beim European Helicopter Cup 2016 bewältigen muss. Der Wettbewerb, der den Stellenwert einer Europameisterschaft im Helikopter-Präzessionsfliegen hat, startet  auf dem Regio Airport in Mengen. Mit dabei ist die Pilotin Bettina Schleidt und deren Co-Pilotin Gisela Freund, mit der die Sasbachwaldenerin 2008 Vize-Junioren-Weltmeisterin bei der WM in Eisenach wurde. Seit mehr als zehn Jahren sind beide ein perfektes Team bei Helikopter-Präzisionsflugmeisterschaften und starten nun als eines von vier Damen-Teams bei dem European Helicopter Cup.

Professorin mit großer Leidenschaft

Bettina Schleidt ist hauptberuflich Professorin für Psychologie an der SRH Hochschule in Heidelberg. Sie stammt ursprünglich aus dem Rhein-Main-Gebiet und ist seit 2012 offiziell wohnhaft in Sasbachwalden. Seit mehr als 20 Jahren war sie regelmäßig in Sasbachwalden, die Brandmatt wurde zu ihrer zweiten Heimat. Zu ihrer großen Leidenschaft gehört das Fliegen, 2004 absolvierte sie den Privatpilotenschein, seit 2007 ist sie Berufshubschrauberpilotin im Rundflug-Unternehmen „Schwarzwald Helikopter“. Der Heimatflughafen ihres Robinson-Helikopters, mit dem sie jeweils am Wochenende abhebt, ist der Baden Airpark.

An dem European Helicopter-Cup starten  21 Teams aus Deutschland, Belgien, der Schweiz, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Polen und Russland, darunter sind auch Berufspiloten und vier Frauenteams. Auf die Hubschrauberpiloten warten vier hubschraubertypische Disziplinen: Navigation, Präzision, Hover, Parallel Fender Rigging und Slalom.

Die Aufgaben an die Teams orientieren sich an Rettungseinsätzen, wenn beispielsweise Menschen aus Booten, aus Schluchten oder im Gebirge aus einer Felswand gerettet werden müssen. Die Übungen sind auch Bestandteil der Ausbildung von Piloten und gehören mit zur „Königsdisziplin“ des Hubschrauberfliegens, das auch ohne komplizierte Wettbewerbsaufgaben schwierig genug ist.

 

Im Hauptberuf Professorin, am Wochenende im "Heli" unterwegs: Bettina Schleidt
Im Hauptberuf Professorin, am Wochenende im „Heli“ unterwegs: Bettina Schleidt | Foto: BNN

Schwierige Aufgaben

Die Details der jeweiligen Disziplinen bei dem Flugwettbewerb am Wochenende sind diffizil; sie erfordern von Pilot und Co-Pilot eine optimale Kommunikation und Koordination, viel Flugerfahrung und sehr viel Fingerspitzengefühl. Bei der Navigationsaufgabe – ohne GPS – muss ein festgelegtes Gebiet in einer bestimmten Zeit abgesucht werden, ferner muss eine Last exakt abgeworfen und die „Arrival-Line“ sekundengenau angeflogen werden. Diese Aufgabe orientiert sich etwa daran, wenn ein Gebiet Stück für Stück nach Menschen etwa nach einem Flugzeugabsturz abgesucht und Hilfsgüter abgeworfen werden.

Schwierige Aufgaben bewältigen die Teilnehmer des European Helicopter Cups
Schwierige Aufgaben bewältigen die Teilnehmer des European Helicopter Cups | Foto: BNN

Beim präzisen „Hover“ (Schweben) geht es um das Abfliegen eines festgelegten Kurses entgegen der Windrichtung in konstant niedriger Höhe. Zwei am Hubschrauber hängende Seile definieren die Flughöhe, das lange Seil muss den Boden berühren, das kurze darf dies nicht. Die dritte Übung heißt „Fender Rigging“, bei dem eine mehrere Kilogramm schwere Boje als Außenlast in einem Fass versenkt und durch drei Tore geführt wird. Die Boje, die vom Co-Piloten gehalten wird, darf den Boden und die Außenseite des Fasses nicht berühren. Bei der vierten Disziplin, dem Slalom, muss ein Metalleimer mit Wasser beladen und ohne Verlust durch zwei Meter hohe Tore transportiert werden. Am Ende muss der Eimer auf einem Tisch abgesetzt werden.