Leer stehendes Geschäftshaus
Eines der vielen Geschäftsgbäude, die derzeit leer stehen. Insider vermuten, dass die von den Eigentümern geforderten Mondpreise für die Pacht viele abschrecken. | Foto: Thilo Kampf

Bretten fördert neue Händler

„Mondpreise“ für leer stehende Läden

Bonjour tristesse. Während einerseits diskutiert wird, wo in Bretten neue Gebäude für Handel und Dienstleistung entstehen könnten, gibt es andererseits einen nicht geringen Leerstand in der Brettener Innenstadt. Die Gründe, warum gerade in der Flaniermeile, die man gerne aufwerten würde, so viele Rollläden unten sind, nennen Immobilienmakler nur hinter vorgehaltener Hand: „Die Besitzer der Häuser, meist alte Brettener Familien, verlangen Mondpreise dafür“, erklärt ein Experte, der seinen Namen nicht veröffentlich sehen will, gegenüber den BNN.

Mondpreise für Verkauf oder Verpachtung

Das sei schon immer so gewesen, ergänzt ein anderer Makler. Und offenbar könnten sich viele auch den Leerstand leisten, denn es gebe Gebäude, die jahre-, wenn nicht jahrzehntelang leer stünden. „Da sagen sich die Eigentümer ,entweder, ich krieg das, was ich will, oder ich lasse es bleiben’“. Mit dem Argument, dass Eigentum auch verpflichte, könne man denen nicht kommen. Gleichzeitig gebe es „eine gewisse Zurückhaltung“, wenn Eigentümer Geld für Modernisierung ihrer Räumlichkeiten in die Hand nehmen sollten, weiß der altgediente Immobilienmakler.

Baufälliges Gebäude in der Brettener Innenstadt
Als „Brettens größten Schandfleck“ sehen viele Bürger dieses leer stehende Gebäude in der Melanchthonstraße. | Foto: Thilo Kampf

Die zweite Kategorie der leer stehenden Gebäude sind solche, die in einem maroden Bauzustand sind – oder solche, bei denen es viele Eigentümer gebe, die sich über den Pacht- oder den Verkaufspreis nicht einig sind. Auch hier seien mitunter sogenannte Mondpreise im Gespräch.

Wolff: „Wir brauchen einen Frequenzbringer“

Für OB Martin Wolff und die Mitarbeiter des Amtes für Wirtschaftsförderung ist denn auch das derzeitige Leerständemanagement keine leichte Aufgabe. „Wir versuchen, mit den Eigentümern der Räume zu sprechen, aber manche haben nun mal Preisvorstellungen, die nicht marktgerecht für Bretten sind“, erläutert der OB. Es sei grundsätzlich auch deshalb schwer, neuen Einzelhandel nach Bretten zu holen, weil sich viele Geschäftsleute zuvor nach der Frequenz erkundigten. „Wir brauchen möglichst rasch einen Frequenzbringer – und zwar auf der Sporgasse“, ist für Wolff denn auch die logische Konsequenz.

Viel Überzeugungsarbeit notwendig

Etwas besser sehe es in der Gastronomie aus, wobei der ein oder andere Verpächter in langen Gesprächen überzeugt werden musste, mit seiner Pachtforderung nach unten zu gehen. Wolff: „Es muss sich ja für den Betreiber einer Gaststätte auch noch rechnen.“ Das gelte natürlich für den Handel ebenso.
Nachdem der Gemeinderat jüngst beschlossen hat, dass neue Einzelhändler für ein Jahr finanzielle Unterstützung erhalten (die BNN berichteten), könnte sich die Lage allmählich entspannen. Manche Eigentümer müssten sich nun auch mal ihrer Verantwortung für die  Stadt bewusst werden, fordert OB Wolff.