Schnaken
Den Larvenbesatz der Stechmücken überprüfen Kabs-Mitarbeiter in den Auenwäldern bei Wintersdorf. | Foto: Collet

Mückenplage in Rastatt

Nach Hochwasser kommen die Schnaken

Autan, Anti-Brumm, Zitronenöl oder Lavendel: Die mehr oder weniger wirksamen (Haus-)Mittel gegen Mückenstiche entfalten in diesem Sommer nur sehr eingeschränkt ihre Wirkung. Mit 500 bis 1 000 Larven pro Liter Wasser ist der Larvenbesatz in dieser Saison deutlich höher als in den vergangenen Jahren, wie Kabs-Distriktleiter Michael Kinzig im BNN-Gespräch erklärt. Die Belästigung durch die blutsaugenden Insekten ist deshalb in diesem Jahr vor allem bei Abendspaziergängen am Rhein, in den Riedgemeinden oder rheinnahen Dörfern schier unerträglich – manche Feier fand in diesem Jahr bereits ein vorzeitiges Ende, weil die Stechmücken die Partygäste schier aufgefressen haben.

Mehr Schnakenlarven als früher

Nach Beobachtung des Experten der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) ist die Ausgangslage 2016 anders als sonst: Seit März gibt es am Rhein extreme Hochwasserstände mit bis zu acht Metern. Die Wirkweise des mückenspezifischen Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) wurde dadurch stark verdünnt. Bereits seit Wochen sind die Flächen in den Auenwäldern geflutet und das Wasser hat auch hinter die Dämme im Hinterland gedrückt. Die Larven, die die Kabs bei der letzten Aktion nicht erwischt hat, sind zwischenzeitlich dem Wild hinterher gezogen und suchen nun in unmittelbarer Nähe der menschlichen Siedlungen nach Nahrungsquellen. Während sich die männliche Stechmücke von Pflanzensäften ernährt, brauchen die Weibchen nach der Befruchtung Blut für die Eiproduktion – ob das Blut menschlichen oder tierischen Ursprungs ist, ist ihnen ziemlich egal.

Früher plagte Malaria die Bewohner am Oberrhein

Michael Kinzig, der seit 20 Jahren in Sachen Schnaken unterwegs ist, erinnert zum Vergleich an frühere Zeiten, um auf die trotz allem sichtbaren Erfolge der umweltschonenden Bekämpfungsmethode hinzuweisen: „Früher sind die Menschen von den Feldern geflüchtet“, verweist er auf die Massenplage entlang des Rheins, bevor vor 40 Jahren die Kabs gegründet wurde. Zum Vergleich führt er die Gebiete an, in denen heutzutage der Wirkstoff Bti nicht verteilt werden darf. In die CO2-Lichtfallen fliegen jede Nacht 6 000 bis 10 000 Mücken. Das Ausbringen des Wirkstoffs habe also Erfolg.

Nächste Hochwasserwelle kommt

Gegenwärtig verschaffen sich die Kabs-Mitarbeiter bei abendlichen Anflugkontrollen am eigenen Körper einen Eindruck von der Mückenplage. Zwischen Au am Rhein und Plittersdorf werden gezielt Anflugstellen aufgesucht. In diesen Bereichen werden derzeit auch die Druckwassergebiete überwacht. In Plittersdorf, Wintersdorf, Bühl und Sinzheim werden außerdem Sickergruben auf den Besatz von Hausmücken untersucht. Ab Donnerstag oder Freitag erwarten die Schnakenbekämpfer wieder eine neue Hochwasserwelle und werden deshalb ab nächster Woche erneut den Besatz überprüfen – sollte er erhöht sein, wird zu Fuß oder per Hubschrauber noch einmal Granulat verteilt. In den nächsten vier bis sechs Wochen wird die Stechaktivität nach Einschätzung von Kinzig aber langsam nachlassen.