Nach dem Brand in der Karlsruher Nordstadt sucht die Polizei nach der Ursache.
Nach dem Brand in der Karlsruher Nordstadt sucht die Polizei nach der Ursache. | Foto: Funk

Zeugen gesucht

Großbrand in Karlsruhe: Polizei geht von Brandstiftung aus

Nach dem Großbrand in einem Karlsruher Reifenlager geht die Polizei inzwischen von fahrlässiger oder gar vorsätzlicher Brandstiftung aus. Ein technischer Defekt als mögliche Ursache sei weitestgehend auszuschließen. Den Schaden schätzen die Ermittler nach wie vor auf mindestens 800 000 Euro. Es werden Zeugen gesucht.  Zu den in der Nacht aufgekommenen Gerüchten, der Brand habe etwas mit dem Derby des KSC gegen den VfB Stuttgart am kommenden Sonntag zu tun, betont ein Sprecher der Polizei Karlsruhe: „Diese Spekulationen sollten entkräftet werden, solange es keine konkreten Hinweise gibt.“ Das mit 3 000 Reifen bestückte Lager, das gebrannt hat, steht direkt neben dem Gebäude des KSC-Fanprojekts.

Zusammenhang „ohne Not“ aufgebracht

Während der Löscharbeiten hatten sich zahlreiche Schaulustige und KSC-Fans versammelt und die hohen Rauchschwaden beobachtet. Man ermittle weiter in alle Richtungen – möglich seien zu diesem Zeitpunkt aber sowohl ein technischer Defekt, als auch fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung. Die am Ort des Brandes von den Einsatzkräften selbst aufgebrachten Spekulationen über einen möglichen Zusammenhang mit dem unmittelbar benachbarten KSC-Fanprojekt bezeichnet der Sprecher mittlerweile als „ohne Not getätigte Äußerungen“, die unnötig Öl ins Feuer gießen würden.

Brand
Völlig ausgebrannt: Das Feuer hat die Halle zerstört. Der Schaden liegt nach ersten Einschätzungen bei mehr als 800 000 Euro. | Foto: Peter Funk

Feuer außen entfacht

Den Ermittlungen zufolge wurde das Feuer außerhalb des Gebäudes bei dort gelagerten Altreifen und Mülltonnen entfacht. Dann griff es auf die im Inneren gelagerten Radsätze, die Service-Werkstatt und ein Fotostudio über. Am Freitag waren Kriminaltechniker gemeinsam mit Brandsachverständigen des Landeskriminalamts am Brandort.

Jugendtag im Fanprojekt

Im Fanprojekt fand vor dem Brand der übliche donnerstägliche Jugendtag statt, der um 20 Uhr endete. Als die Flammen wohl rund 20 Minuten später ausbrachen, sei niemand mehr vor Ort gewesen, berichtet Fanprojektleiter Volker Körenzig. Allerdings versammelten sich schnell wieder zahlreiche Mitglieder der Ultra-Szene vor Ort, die in sozialen Medien von dem Brand erfahren hatten und in Sorge waren, dass Schaden an ihrem Gebäude und dort gelagerten Utensilien wie Fahnen entstehen könnte.

Das Feuer von der Reifenhalle griff jedoch nicht auf das Fanprojekt über. Dort schmolzen in der Hitze lediglich zwei Rollladen, berichtet Körenzig, der betont: „Wir hatten keine Drohungen im Vorfeld. Und es geht in der Fanszene niemand davon aus, dass das Derby etwas mit dem Brand zu tun hat.“
Allerdings gab es in der Vergangenheit schon einmal einen Angriff auf das Fanprojekt: Dieses wurde im Februar 2010 von mit Bussen angereisten Anhängern der Frankfurter Ultra-Szene gestürmt, es wurden Scheiben eingeworfen und Brandsätze geworfen. „Das sorgte damals bundesweit in der Szene für Aufruhr“, erinnert sich Körenzig. Eine Racheaktion von Seiten der KSC-Fans habe es nicht gegeben.

Komisches Lichterflackern

Leicht in Mitleidenschaft gezogen wurde von dem Brand im Reifenlager auch die ebenfalls in der Nähe befindliche Rockinitiative. Dort fanden am Abend Bandproben statt. Einige Musiker bemerkten ein „komisches Lichterflackern“, wie es heißt. Dann habe man die Feuerwehr verständigt und das Gebäude sofort evakuiert.

 

Polizei sucht Zeugen

Gesucht seien nun Zeugen, die die lodernden Flammen gesehen und damit möglicherweise zu Erkenntnissen beitragen können, an welcher Stelle genau das Feuer seinen Ursprung nahm, heißt es von der Polizei weiter. Wer etwas gesehen hat, kann sich melden unter (0721) 9395555.