Röhrender Auspuff
Der röhrende Auspuff gehört der Vergangenheit an. | Foto: dpa

Rastatter Polizei stellt Rowdy

Nächtlicher Raser heizt Gemüter an

Aktualisierung vom 8. Juli:

Der Raser, der Rastatts Straßen nachts in eine Rennstrecke verwandelt hat, ist gestellt. „Der junge Mann ist einsichtig und räumt ein, der Übeltäter gewesen zu sein“, erklärt der stellvertretende Revierleiter Axel Schmelzle gegenüber bnn.de.
Das Auto befinde sich derzeit in der Werkstatt. „Dorthin hatte es der junge Mann bereits selbst gebracht“, so Schmelzle. Der rumänische Staatsbürger habe den Wagen eigenen Angaben zufolge noch nicht lange und habe inzwischen auch bemerkt, dass da was nicht stimmt. Nun werde das Auto den hier gültigen DIN-Normen angepasst. Eine Anzeige folge.

Seit zwei Tagen keine Beschwerden

Die Polizei geht davon aus, dass das Problem der nächtlichen Ruhestörung damit behoben ist. „Seit zwei Tagen haben wir keine Anrufe mehr erhalten“. Das deckt sich auch mit den Beobachtungen eines BNN-Lesers aus der Augustastraße, der seit drei Wochen nahezu jede Nacht aus dem Schlaf gerissen wurde. „Seit Sonntag habe ich ihn nicht mehr gehört.

Administrator löscht Chatverlauf

Ob einzelne Facebook-Nutzer noch mit Konsequenzen zu rechnen haben, ist derzeit noch unklar. In der öffentlichen Rastatt-Gruppe war zur Jagd auf den nächtlichen Raser aufgerufen worden, auch das Wort „Selbstjustiz“ ist gefallen. Der stellvertretende Revierleiter Schmelzle dazu: „Bisher sieht es so aus, als ob außer schlechtem Ton nichts strafrechtlich Relevantes dabei gewesen ist.“ Der Administrator hat den Chatverlauf inzwischen gelöscht.

 

Stand 7. Juli:

Weinende Kinder, Herzrasen, schlaflose Nächte – die Anwohner des Leopoldrings gehen inzwischen auf dem Zahnfleisch. Seit etwa drei Wochen verwandelt ein nächtlicher Raser die Straße in eine Rennstrecke, röhrender Auspuff inklusive. „Ich kann danach ein bis zwei Stunden nicht mehr einschlafen“, klagt eine verzweifelte Anwohnerin. Beinahe jede Nacht werde sie von höllischem Lärm aus dem Schlaf gerissen. „Hier gibt es Familien mit kleinen Kindern. Die sitzen weinend im Bett. Das geht so nicht mehr weiter.“

Weißt du, wie das nachts dröhnt?

Der Leopoldring allein reicht dem Unbekannten offenbar nicht aus – seine Rennstrecke führt bis hin zum Richard-Wagner-Ring, wo auch schon Anwohner aus dem Schlaf geschreckt sind. „Weißt du, wie das nachts dröhnt, wenn einer den kompletten Richard-Wagner-Ring durchbrettert“, fragt eine Frau genervt auf Facebook. Eine andere postet: „Boah, der fährt auch hier bei uns (Nähe Feuerwehr) stundenlang hin und her. Meine Tiere schrecken jedes Mal auf, wenn der Vollpfosten hier lang kommt.“ Und eine junge Familie schreibt in der öffentlichen Rastatt-Gruppe: „Bei uns geht sogar das Babyfon an, wenn die vorbeifahren.“

Angst vor Selbstjustiz wächst

Doch außer Unzufriedenheit über den oder die Raser – die Spekulationen reichen von einem über mehrere Autofahrer mit kaputtem Auspuff bis hin zu einem Motorradfahrer –, werden auf Facebook auch ganz andere Töne laut. „Hier wird zur Jagd aufgerufen. Das macht mir Sorgen“, erklärt die Anwohnerin aus dem Leopoldring, die Selbstjustiz fürchtet. „Haben schon unsere Mistgabeln und brennenden Hölzer bereit gelegt, heute Abend ziehen wir los“, ist noch eine vermutlich scherzhaft gemeinte Nachricht. Andere Posts werden da schon deutlicher: „Wenn ich dich erwische, dann wirst du sehen, was du davon hast, mein Freund“, heißt es da etwa. Oder: „Mach dir keine Sorgen, die richtigen suchen ihn schon.“ Damit ist allerdings nicht die Polizei gemeint. Denn „denen ist das egal“, wie ein Facebook-Nutzer glaubt. Ein anderer schlägt vor, die Polizei solle doch einfach mal in der Zeit zwischen zwei und vier Uhr Streife fahren.

Polizei ist Raser auf den Fersen

Genau das tue die Polizei bereits, erklärt Axel Schmelzle, stellvertretender Leiter des Reviers in Rastatt im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. „Wir haben in der Zeit Beamte vor Ort, um den Radaumacher zu erwischen. Bisher hatten wir aber leider kein Glück.“ Besonders bizarr an der Situation: Die Polizei kennt sogar das Nummernschild des Rasers, und damit auch die Anschrift. „Die ist aber im Ausland. Wo derjenige hier lebt, wissen wir bisher noch nicht.“
Auch die Facebook-Seite will die Polizei im Auge behalten und prüfen, ob hier Grenzen überschritten worden sind. „Wir schauen jetzt, welche Möglichkeiten wir haben. Notfalls gehen wir auf die entsprechenden Personen zu“, so Schmelzle.