Harmonisch und lebhaft ging es am Sonntag in der Küche des Tennisclubs Keltern zu. Der Verein lud Flüchtlinge aus dem Ort zum gemeinsamen Kochen ein.
Harmonisch und lebhaft ging es am Sonntag in der Küche des Tennisclubs Keltern zu. Der Verein lud Flüchtlinge aus dem Ort zum gemeinsamen Kochen ein. | Foto: Roth

Kochen mit Flüchtlingen

In Niebelsbach nascht die eine Kultur von der anderen

Von Susanne Roth

„Schon ungewohnt, bei uns heißt es ja gleich: raus aus der Küche.“ Aber es scheint Sandra Igel-Görzner auch ganz gut zu gefallen, jedenfalls beobachtet sie mit einem Schmunzeln das „Tohuwabohu“, das sich um sie herum in der Vereinsküche des Tennisclubs (TC) Keltern in Niebelsbach abspielt. Man könnte auch sagen, es gleicht einem geordneten Chaos: Rahila Ghaffari bekommt von einem ihrer Kinder das Smartphone ans Ohr gedrückt, gleichzeitig rührt sie in einem Topf, in dem die „Mantu“ – afghanische Teigtaschen – vor sich hinköcheln. Ulrike Nebel kümmert sich derweil um die Spätzle. „Keine Ahnung, was das in dem Topf da drin ist, sieht aus wie Algen“, meint sie auf den Nachbartopf weisend. Es ist, so stellt sich heraus, Mlukhiye. Das wiederum ist das „Hoheitsgebiet“ von Ridab Wahed, die das mit „königlich“ zu übersetzende Gericht aus ihrer syrischen Heimat – langkapselige Jute – zubereitet.

Eine andere, internationale Vereinigung

Am „Tag der Deutschen Einheit“ wird beim Tennisclub eine ganz andere, internationale, Vereinigung begangen. Liebe geht bekanntlich durch den Magen – so könnte die Überschrift über der Gemeinschaftsaktion lauten: Der Tennisclub stellt seine Räumlichkeiten sowie Biergarnituren unter einem Zeltdach und Küche zur Verfügung, die Flüchtlinge aus den Containern bei der Grenzsägmühle ihr hauswirtschaftliches Wissen. Und natürlich sollen sich die Kochlöffel kreuzen und eine von der anderen Kultur naschen.

Ridab Wahed macht „Hmmmm“ und fährt sich mit der Zunge über die Lippen: Die Spätzle findet sie lecker. Wenige Stunden vor der Mittagszeit hat sie erfahren, wie man diese von Hand schabt. Umgekehrt haben die deutschen Frauen den Syrern und Afghanen über die Schulter geschaut. „Zeit, um das im Einzelnen zu lernen, wie es geht, hatten wir allerdings nicht“, sagt Ulrike Nebel. Mittendrin Kinder und Neugierige, die in die dampfende Küche schauen. Ridab Wahed wechselt in einer Ecke ihr Kopftuch. „Stinkt“, sagt sie und lacht. Viel mehr Deutsch sprechen die Mütter noch nicht, die Kinder dolmetschen teilweise.

Der Wunsch nach gemeinsamem Kochen

„Ich wollte es wissen, wie sie sich fühlen, wo man helfen kann“, sagt Michaela Kröner, eine der Patinnen der Familie Ghaffari. Helfen kann sie im Moment nicht, alles geht seinen Gang in der Küche, auch wenn man manchmal vor lauter Schaulustigen und Hungrigen die Töpfe fast nicht mehr sieht. „Wir hatten beim Bauhof ein interkulturelles Fest und da waren Fotos mit den Wünschen der jeweiligen Familien. Da stand, dass sich Frau Ridab wünscht, gemeinsam zu kochen. Wir fanden die Idee gut und Sponsoren haben wir auch leicht gefunden“, erzählt der stellvertretende Vorsitzende des TC Keltern, Benjamin Hauck.

„Einkaufen mussten die Frauen selbst, wir bezahlen.“ Es riecht in der TC-Küche ungewohnt. „Die nehmen ganz andere Gewürze“, hat Sandra Igel-Görzner festgestellt. „Ja, und viel Knoblauch“, sagt Sarah Linder und lacht. Da man bei der ganzen Kocherei nur am Rande mitbekommt, wie die fremden Rezepte funktionieren, sprechen sich einige für einen Kochkurs aus. Jetzt aber müssen erst mal zwei deutsche Gerichte – „Verheierte“ mit Kartoffeln, Siedfleisch und weiterem Gemüse, außerdem Spätzle und natürlich auch Hackfleisch-Küchle – sowie ein syrisches und ein afghanisches Gericht auf die Teller gebracht werden. Der Bürgermeister samt Familie ist im Anmarsch und beim Kochen bekommt man ja auch Hunger.