Gesprächsrunde auf dem Bauernhof: Von links Jörg Schott, Rosa Karcher (Landfrauenverband Südbaden), die Landtagsabgeordneten Sandra Boser (Grüne) und Marion Gentges (CDU), Heinrich Neumaier (Schmalzenhof), Bürgermeister Henry Heller Jürgen Bäuerle (Vorsitzender des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord) sowie die Schwarzwälder Milchkönigin Charlotte Mark.
Gesprächsrunde auf dem Bauernhof: Von links Jörg Schott, Rosa Karcher (Landfrauenverband Südbaden), die Landtagsabgeordneten Sandra Boser (Grüne) und Marion Gentges (CDU), Heinrich Neumaier (Schmalzenhof), Bürgermeister Henry Heller Jürgen Bäuerle (Vorsitzender des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord) sowie die Schwarzwälder Milchkönigin Charlotte Mark. | Foto: Robert Ullmann

„Schaufenster für die Erzeuger“

Naturpark-Brunch: Werbung für die Landwirtschaft

Von Robert Ullmann
Bessere Werbung für Regionalität und Produkte frisch vom Hof kann man kaum machen: 4000 Gäste ließen es sich  schmecken bei der Aktion „Brunch auf dem Bauernhof“ im Bereich des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. 28 Höfe machten mit, davon 16 aus der Ortenau. Laut Jürgen Bäuerle, dem Vorsitzender des Naturparks und in Personalunion Landrat des Kreises Rastatt, waren die Höfe ausgebucht. Der Brunch findet seit 2008 zeitgleich in allen Naturparkregionen Baden-Württembergs statt.

Ziel ist die Erhaltung der Kulturlandschaft

Der Landrat bezeichnet die Aktion als „Schaufenster für die Erzeuger“. Dabei sieht Bäuerle die Erhaltung der Kulturlandschaft eng verknüpft mit der Produktion von Qualitätslebensmitteln auf den Höfen sowie mit deren erfolgreicher Vermarktung. Das Genießen regional erzeugter landwirtschaftlicher Produkte und die Offenhaltung der Landschaft gehören für ihn zusammen. Bäuerle war Gast auf dem Schmalzenhof von Veronika und Heinrich Neumaier in Hofstetten nahe Haslach im Kinzigtal. Dort wurde der Brunch auf der Wiese vor dem Haupthaus gereicht, mit herrlichem Blick über das Tal, oder in urigen Scheunen, die Bauernhof-Flair garantierten. Angeboten wurden unter anderem Rindersalami, Rinderzunge oder Rindfleischsülze aus eigener Erzeugung.

Erste Milchkönigin im Land

Auf dem Schmalzenhof fand auch die zentrale Veranstaltung des Naturparks Mitte/Nord statt: Eine Gesprächsrunde mit Vertretern der Landwirtschaft sowie der Landes- und Kommunalpolitik, unter der Moderation von Jörg Schott. Überraschungsgast war die 21 Jahre alte angehende Landwirtin Charlotte Mark aus Buchenbach bei Freiburg. Sie ist die erste Milchkönigin Baden-Württembergs und soll – ähnlich wie die Weinhoheiten bei den Winzern – für regional erzeugte Milchprodukte eintreten und über sie informieren. 30 Milchkühe hat der durchschnittliche Milcherzeuger im Schwarzwald. „Das zeigt: Es sind kleine Betriebe.“ Die Kleinstrukturiertheit führe im Schwarzwald zu einer qualitativ hochwertigen Produktion, insbesondere, wenn das Vieh auf der Weide gehalten werde. Ein positiver Nebeneffekt sei die Offenhaltung: „Ohne Beweidung bleiben die Flächen nicht frei.“ Aber: „Es ist deutlich arbeitsintensiver als die Stallhaltung.“ Rosa Karcher (Oberachern); Präsidentin der Südbadischen Landfrauen fordert, dass sich dieser erhöhte Aufwand – wenn er schon höhere Qualität bringe – auch im Einkommen der Landwirte niederschlagen muss. Von der Politik erwartet sie eine Tierhaltungsprämie. Den Verbraucher forderte sie auf, die Qualität persönlich zu prüfen, die auf den Höfen erzeugt wird: „Man schmeckt sie!“ Sie finde die Marktscheunen toll, und sie freue sich über jeden Hofladen. Aber auch im Supermarkt bittet sie die Verbraucher um Unterstützung: „Greifen Sie zum regionalen und heimischen Produkt, auch wenn es ein paar Cent mehr kostet. Weil sie dafür beste Qualität bekommen, und weil die Erzeuger einen höheren Preis dafür erhalten. Die Erzeuger müssen existieren können.“

Schnelles Internet für Höfe gefordert

Zugleich appellierte Karcher an die anwesenden Landespolitikerinnen Sandra Boser (Grüne) und Marion Gentges (CDU), sich dafür einzusetzen, dass die Breitband-Versorgung auch Höfe wie den Schmalzenhof erreicht. „Wer Ferien auf dem Bauernhof anbietet, hat ohne schnelles Internet einen klaren Standort-Nachteil.“
Boser und Gentges wiesen auf die enge Verknüpfung zwischen Tourismus und offener Landschaft hin. Der Kommunalpolitiker Henry Heller, Bürgermeister von Hofstetten, brachte es so auf den Punkt: „Was ist ein Schwarzwald, der nur noch schwarz ist? Auf jeden Fall nicht attraktiv für Touristen.“ Heinrich Neumaier, der auf seinem Hof Bioweiderinder züchtet, steuerte zu dem Thema eine interessante Information bei. Ihm zufolge entspricht ein Kilo Weiderindfleisch einem Quadratmeter Offenhaltung.