Winzer
Herbsten mit Nagellack: Weinprinzessin Anna-Lena Vollmer aus Zell-Weierbach packte beim Ernteauftakt im Offenburger Rebland fleißig mit an, standesgemäß, ohne dabei ihr Äußeres zu vernachlässigen. Die Hauptlese beginnt Mitte September. | Foto: slr

Weinlese beginnt in Ortenau

„Neidherbst“ spaltet Ortenauer Winzer

Der verregnete Frühsommer hat Spuren hinterlassen: Um 15 bis 20 Prozent geringer fallen dieses Jahr die Ernteerträge der Winzer im Ortenaukreis aus. Schuld ist vor allem der Falsche Mehltau, der in manchen Lagen zu Totalausfällen führt. Umso mehr freuen sich die Winzer derzeit über einen sonnig-warmen Endspurt – wie am Donnerstag in Zell-Weierbach. Mit der frühen Sorte Findling wurde dort die Weinlese im Offenburger Rebland gestartet wurde. Die Hauptlese wird wohl am 19. September beginnen und bis Mitte Oktober dauern.

Schwieriges Jahr für Winzer

2016 war ein schwieriges Jahr für die Winzer. Von Ende Mai bis Ende Juni war es schlicht zu nass. Das schwül-warme und teils schon tropische Wetter bot ideale Bedingungen für den Falschen Mehltau. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln war häufig Glückssache, denn was zum Stand der Trauben passte, passte nicht unbedingt zur Witterung. Beim Spritzen kam es auf den exakten Termin an: „Die Winzer haben gesagt, es ging um Stunden“, sagt Christian Gehring, Geschäftsführer der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg.
So zeichnet sich ab, dass die Erträge von Lage zu Lage höchst unterschiedlich ausfallen werden. Die Winzer sprechen von einem „Neid-Herbst“. Mancher muss stellenweise einen Totalausfall verkraften, während andernorts prächtige Traube am Stock hängen.

Ernüchterung bei Lesestart

Zu den am meisten betroffenen Sorten zählen der Müller-Thurgau, von dem auch der frühe „Findling“ abstammt, der vor allem zu neuem Süßem gekeltert wird. Er wurde am Donnerstag bei bestem Wetter im 23 Ar großen Gewann „Palmert“ gelesen, das Vorstandsmitglied Reiner End gehört und zwischen Zell-Weierbach und Fessenbach liegt. Mit rund 2 000 Kilogramm liegt die Erntemenge laut End um rund 30 Prozent unter dem Durchschnitt. Immerhin kann sich der Haupterwerbswinzer beim Blick durchs Refraktometer über 77 Grad Oechsle freuen. Nicht schlecht, doch zum Vergleich: In den „Super-Sommern“ 2003 und 2015 waren es um die 92 Grad.
Insgesamt will die Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg knapp 60 000 Liter als neuen Wein vermarkten. Er wird kommende Woche auf den Markt kommen.