200 Chromebooks für die Flüchtlingshilfe hat Stephan Sperling mit seinen Kollegen von den Netzstrategen eingerichtet.
200 Chromebooks für die Flüchtlingshilfe hat Stephan Sperling mit seinen Kollegen von den Netzstrategen eingerichtet. | Foto: Netzstrategen

Flüchtlingshilfe in der Region

Netzstrategen unterstützen mit Netbooks aus Google-Projekt Flüchtlinge

Digitaler Draht für Flüchtlinge in der Fremde

Ein Anruf in der Heimat, im Videochat die Familie wiedersehen oder auch die neue Sprache lernen: Über das Internet fällt vielen Flüchtlingen das Zurechtfinden in der Fremde zumindest ein wenig leichter. Das Google-Projekt „Reconnect” spendet gemeinnützigen Organisationen in Deutschland, die mit Flüchtlingen arbeiten, insgesamt 25 000 sogenannte Chromebooks. Von dem Projekt profitiert nun auch die Flüchtlingshilfe Karlsruhe, für die sich die „Netzstrategen“, Unternehmensberater im Alten Schlachthof, um 200 der Laptops beworben hatten – und diese nun an Flüchtlingsinitiativen in der Region weiterverteilen.
Ein halbes Jahr nach dem Aufruf des amerikanischen Megaunternehmens sind die Chromebooks – webbasierte Laptops – jüngst bei den Netzstrategen eingetroffen. Die Unternehmensberater kümmern sich für die Flüchtlingshilfe Karlsruhe um Abwicklung, Administration und Verteilung, wie Netzstratege Stephan Sperling erzählt. „Wir haben lange nach einer Sache gesucht, bei der wir uns engagieren können.“ Im Januar sei er über die Organisation nethope.org gestolpert, die das Projekt für Google durchführt, und habe die Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe Karlsruhe darauf aufmerksam gemacht. „Die Flüchtlingshilfe hatte von der Aktion gehört, aber Bedenken, was den Aufwand für Bewerbung und Abwicklung betrifft. Da wir auch über das technische Know-how verfügen, haben wir das übernommen“, betont Sperling. „,Reconnect‘ heißt das Programm ja – und das fanden wir sehr ansprechend. Persönliche Verbindungen digital wieder zu ermöglichen, die durch Krieg und Flucht gekappt wurden. Das passt gut zu unserer Arbeit.“

Das Netz ist oft der einzige Draht zur  Familie

Im Alltag beraten die Netzstrategen Unternehmen bei der Digitalisierung. „Die Digitalisierung macht das Leben in vielen Dingen einfacher und hilft eben der vernetzen Welt, Kontakt zu halten. In unserem Fall bedeutet das Kontakt mit Geschäftspartnern, Freunden, Bekannten überall auf der Welt.“ Für die Flüchtlinge sei dies viel elementarer, für sie bedeute das Netz oft den einzigen Draht zur zurückgelassenen Familie. Der ursprüngliche Plan allerdings, sämtliche Chromebooks zum Deutschlernen in Flüchtlingsunterkünften einzusetzen, habe wegen der mittlerweile in der Fächerstadt geringen Flüchtlingszahlen derzeit keinen Sinn mehr: „Das war im Januar noch ganz anders. Jetzt sind wir strategisch ein wenig umgeschwenkt“, betont Sperling: Die Chromebooks sollen nun über Flüchtlingsinitiativen verteilt werden. Denn der Vorteil der Internetrechner: „Sie müssen nur einmal individuell für den jeweiligen Nutzen eingerichtet werden, können variabel genutzt und aus der Ferne verwaltet werden“, erklärt der Experte.

Chromebooks werden an Initiativen verteilt

Zwölf Computer sind bereits verteilt – an die Bahnhofsmission Karlsruhe sowie eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Während der Zugang in der Wohngruppe etwa auf den Internetauftritt einer Sprachlern-Website beschränkt ist, öffnet sich bei den Rechnern in der Bahnhofsmission direkt die Software von „Skype“ – weil hier Flüchtlinge oft zunächst Kontakt in die Heimat oder zu Angehörigen aufnehmen wollen, wie Sperling betont.
Service

Ein Formular für die Anfrage von Initiativen für Chromebooks sowie eine Dokumentation der Verteilung gibt es  auf der sich im Aufbau befindenden Seite des Projekts „Reconnect“ Karlsruhe.