„Wildnis begreifbar machen“ ist laut Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl ein Ziel des Nationalparks. Für das auf dem Ruhestein geplante Besucher- und Informationszentrum stellt das Land 32 Millionen Euro zur Verfügung.
„Wildnis begreifbar machen“ ist laut Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl ein Ziel des Nationalparks. Für das auf dem Ruhestein geplante Besucher- und Informationszentrum stellt das Land 32 Millionen Euro zur Verfügung. | Foto: Seeger

Freigabe für Infozentrum

Neubau über den Wipfeln des Nationalparks kann kommen

Ministerium erteilt Freigabe für Besucherzentrum

Optimale Voraussetzungen für den Neubau auf dem Ruhestein, Erleichterung im Nationalpark Schwarzwald: Das Ministerium für Finanzen in Stuttgart erlaubt den Bau des Besucher- und Informationszentrums und des Verwaltungsgebäudes auf dem Ruhestein. Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl äußert sich nach der Entscheidung zufrieden. Nachdem bekannt geworden war, dass die Kosten des Projekts steigen, hatte es in den vergangenen Monaten von SPD, FDP sowie aus den Reihen der CDU Kritik an dem Millionenprojekt gegeben. „Für die Region ist diese Entscheidung sehr wichtig. Das Besucherzentrum wird helfen, als Multiplikator die Nachhaltigkeit greifbar zu machen. Und zwar mit einem Konzept, bei dem der Besucher die Natur erfühlen und erleben kann“, sagte Waldenspuhl auf Anfrage. Zwar habe in der grün-schwarzen Koalition grundsätzlich Konsens über die positive Wirkung des Projekts geherrscht – das Kabinett hatte dem auf Grundlage des Wettbewerbsentwurfs ermittelten Gesamtbaukosten einschließlich Risikovorsorge Ende Juli 2016 zugestimmt. „Dennoch haben wir nicht die Hoheit über die Finanzmittel“, betont der Nationalparkleiter.

Die Struktur quer liegender Baumstämme liegt dem Entwurf für das Besucherzentrum auf dem Ruhestein zugrunde.
Die Struktur quer liegender Baumstämme liegt dem Entwurf für das Besucherzentrum auf dem Ruhestein zugrunde. | Foto: Nationalpark Schwarzwald

Mit dem Neubau des Besucher- und Informationszentrums schaffe man optimale Voraussetzungen, um die Bedeutung des Nationalparks Schwarzwald für den Erhalt von Natur und Lebensräumen spannend zu vermitteln, heißt es indes auch vom Finanzministerium. Auf rund 3 000 Quadratmetern sollen neben Räumen für Ausstellung, Vorträge und Besprechungen auch ein Kino, Gastronomie sowie Büroarbeitsplätze zur Verfügung stehen. Das Besucher- und Informationszentrum ist ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept des ersten und einzigen Nationalparks in Baden-Württemberg“, sagte Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) anlässlich der Baufreigabe. „Ich bin selbst total gespannt, das Gebäude ab Frühjahr 2019 in der Realität zu erleben“, so Sitzmann.

Untersteller: Nationalpark soll echter Pilgerort werden

Umwelt- und Naturschutzminister Franz Untersteller (Grüne) bekräftigte, dass der Nationalpark Schwarzwald durch das neue Besucher- und Informationszentrum zu einem echten Pilgerort für Naturliebhaber werden könne: „Der Nationalpark bekommt einen ganz starken Magneten und mit den Ausstellungen, Informationsveranstaltungen und Bildungsangeboten im BIZ einen umfassenden theoretischen Hintergrund. Die Kombination von Bildungs- und Informationszentrum und der Schönheit und Faszination der Natur im Nationalpark wird weit über die Landesgrenzen hinaus begeistern“, heißt es in der Mitteilung des Finanzministeriums.

Land investiert insgesamt 32 Millionen Euro

Das Land investiert 22,5 Millionen Euro in die Neubauten Besucher- und Informationszentrum und Verwaltungsgebäude. Mit der öffentlichen Erschließung für vier Millionen Euro, einem Haus für pädagogische Zwecke (zwei Millionen Euro) und der Risikovorsorge (rund zwölf Prozent) summieren sich die Baukosten insgesamt auf 32 Millionen Euro. Über die reinen Baukosten hinaus stellt das Land weitere drei Millionen Euro für die Gestaltung der Ausstellung und 2,2 Millionen Euro für die Neuordnung des Verkehrs und der Parkplätze auf dem Standort des geplanten Komplexes auf dem Ruhestein zur Verfügung. Der notwendige Umfang für die öffentliche Erschließung der Neubauten auf dem Ruhestein sei im Jahr 2014 noch nicht bekannt gewesen, teilt das Ministerium mit Blick auf die Kritik mit. Die Kosten für die tatsächliche Planung hätten erst auf Grundlage des Ergebnisses des Planungswettbewerbs im Jahr 2015 konkretisiert werden können. Als Leitidee des Architekturentwurfs dient der naturbelassene Waldboden, beziehungsweise die Bodenstruktur quer liegender Baumstämme. Diesem Bild folgend werden die Gebäudeteile scheinbar willkürlich übereinander gestapelt. Es soll so ein Gebäude entstehen, das sich in die Waldstruktur einfügt. Mit dem Bau soll im Herbst begonnen werden.