Begehung und Workshop für Bebauungsplan hinterm Hauptbahnhof
Begehung und Workshop für Bebauungsplan hinterm Hauptbahnhof | Foto: Stadt Karlsruhe

Bebauungsplan für Gelände

Neue Hoffnung hinterm Hauptbahnhof?

„Rund ums Heizkraftwerk“ gibt es Ideen

Für das Gelände hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof, könnte ein neuer Teilbebauungsplan entwickelt werden: Das erklärte jetzt die Karlsruher Finanz- und Wirtschaftsbürgermeistern Gabriele Luczak-Schwarz im Nachgang zu einer Ideenwerkstatt „Rund ums Heizkraftwerk“. Von den Vorstellungen, die mit dem Bebauungsplan verknüpft sind, zeigt die Stadt auf ihrer Website eine Computersimulation. Von der kreativen Vergangenheit auf dem Gelände gibt es nur noch Spuren…

Die Ateliers hinterm Hauptbahnhof sind tot

Zugemauerte Fenster, verblasste Reste künstlerischer Aktivität: Die Ateliers hinterm Karlsruher Hauptbahnhof sind weitgehend geräumt. Manche, die hier gearbeitet haben, konnten die von der Stadt gesetzten Fristen nicht einhalten – weil es schwer ist, kostengünstigen Atelierraum zu finden oder weil man erst einmal jobben musste, um sich einen Umzug leisten zu können. Denn entgegen dem allgemeinen Image ist der Beruf des Künstlers oft hart an der Armutsgrenze angesiedelt. Die Stadt zeigt sich teils gnädig und geduldig, teils setzt sie juristische Hebel an. Fest steht aber: Die Ateliers hinterm Hauptbahnhof gibt es nicht mehr. Mit Ausnahme des einst vom Gartenbauamt preisgekrönten Gärtchens, in dem die Blumen blühen, ist das Areal tot.

Beispiele der Reformarchitektur – wie beim ZKM

Jetzt wurden die verschlossenen Türen noch einmal geöffnet. Denn als der Gemeinderat im vergangenen Jahr beschloss, das Mietverhältnis mit den Künstlern zu beenden, erklärte er auch, er wolle prüfen lassen, wie sich der Charakter des Gebäudeensembles bewahren lasse. Dieses Vorhaben wurde in einer Beschlussvorlage für den Karlsruher Gemeinderat festgeschrieben. Darin ist von einem „Kultur- und Kreativpark hinterm Hauptbahnhof“ die Rede. Wie der aussehen könnte, sollte in einem Workshop erörtert werden. Zu dessen Vorbereitung wurden die denkmalgeschützten Bauten nun nochmals für eine Begehung zugänglich gemacht.
Der Architekt Matthias Tebbert, dessen Büro zwo/elf wesentlich in die Umgestaltung des Schlachthofgeländes involviert war, erläuterte, dass die ehemaligen Funktionsgebäude der Bahn durchaus im Zusammenhang mit dem Hauptbahnhof zu sehen seien. Tebbert steht der Stadt beratend zur Seite, allerdings „ohne Mandat“, wie er erklärt. Beim Rundgang erinnerte er daran, dass es sich bei den Bauten um Beispiele der Reformarchitektur handle – ähnlich übrigens wie beim Hallenbau A auf dem ehemaligen IWKA-Gelände, der ebenfalls abgerissen werden sollte und der heute das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), die Hochschule für Gestaltung (HfG) und die Städtische Galerie beherbergt. Was die Bausubstanz der Gebäude angeht, die zum Teil auf zwei Meter dicken Fundamenten ruhen, so erklärte Tebbert während des Rundgangs, man habe „schon Schlechteres gesehen und Schlechteres instand gesetzt.“

Chance für das gesamte Gebiet

Vielleicht waren es Aussagen wie diese, die als ein Ergebnis des Workshops (offizieller Titel: Ideenwerkstatt „Rund ums Heizkraftwerk“) zutage brachten, dass man den seit 2005 gültigen Bebauungsplan „Hauptbahnhof Süd“ noch einmal neu angeht. Großflächig werde an ihm nichts geändert, erklärte gestern die für Wirtschaft und Finanzen zuständige Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, aber es wäre möglich, dass man den Teil der ehemaligen Künstlerateliers „herausbricht und in einem Teilbebauungsplan überarbeitet.“ Immerhin stecke in dem Ensemble der rund 100 Jahre alten Bauten eine „Chance für das gesamte Gebiet“, das nach dem Willen der Stadt nach Büroschluss nicht ausgestorben daliegen, sondern belebt sein soll, betonte Luczak-Schwarz.
Im Bebauungsplan heißt es: „Um ein geschlossenes, geordnetes städtebauliches Erscheinungsbild im Nahbereich zu erzielen, wird an der Straße Hinterm Hauptbahnhof eine durchgängig fünfgeschossige Bebauung vorgesehen“. Am West- und am Ostende soll jeweils ein Hochhaus platziert werden; gegenwärtig ist die Rede von 81 Metern Höhe. Als Nutzer sind „zentrale Einrichtungen der Wirtschaft, der Verwaltung und der Kultur sowie Tagungs- und Hotelflächen“ angepeilt.

Der Haken: noch kein Investor

Das könnte alles sehr eng und kompakt werden, jedoch mit dem Vorteil, dass sich die Einrichtungen und Firmen, die hier einmal untergebracht wären, leicht per öffentlichem Nahverkehr erreichen ließen. Der Haken: Der seit Jahrzehnten von der Stadt Karlsruhe gesuchte Investor hat sich noch nicht gefunden. Wenn jetzt mit einer klaren Entscheidung für den Erhalt der Bauten, die bislang als Künstlerateliers dienten, der Bebauungsplan an dieser Stelle im Sinne eines so genannten Kultur- und Kreativparks geändert und gleichzeitig ein schlüssiges Konzept realisiert würde, käme möglicherweise auch in die Nutzung des gerne als städtebauliches „Filetstück“ angepriesenen Geländes südlich des Karlsruher Hauptbahnhofs Bewegung.

Die Ideenwerkstatt

Workshop im Hauptbahnhof
Workshop im Hauptbahnhof

Circa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in der „Ideenwerkstatt“ zusammen und befassten sich mit den drei Themen „Nutzungen und Nutzer“, „Betreiberschaft und Prozessdesign“, sowie „Städtebauliche Situation“, heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung, in der auch der inzwischen verreiste Baubürgermeister Michael Obert mit den Sätzen zitiert wird: „Ich bin gespannt, wie die Überlegungen jetzt weitergehen. Wir werden nach der Sommerpause die diskutierten Ansätze in den zuständigen gemeinderätlichen Ausschüssen behandeln. Wir werden weiterhin ein transparentes Verfahren gewährleisten.“