Die Versorgung der Patienten durch Krankenpfleger sollen am Ortenau-Klinikum auch künftig Mitarbeiter aus dem Ausland gewährleisten. Das ist notwendig, weil die Personaldecke hierzulande dünn ist.
Die Versorgung der Patienten durch Krankenpfleger sollen am Ortenau-Klinikum auch künftig Mitarbeiter aus dem Ausland gewährleisten. Das ist notwendig, weil die Personaldecke hierzulande dünn ist. | Foto: Zapf

Pflegermangel: Ortenau Klinikum setzt auf Mitarbeiter aus dem Ausland

Neues Personal aus den Philippinen

Von Christine Storck

Im Jahr 2025 werden in Deutschland laut Statistik mehr als 200 000 Pflegekräfte benötigt. Das Ortenau-Klinikum will deshalb weiter Mitarbeiter aus dem Ausland rekrutieren. Im Herbst 2016 und auch kommendes Jahr wird Personal aus den Philippinen erwartet, sagte Klinikumssprecher Dieter Schleier auf Anfrage. Der Bedarf nehme weiter zu und offene Stellen zu besetzen, werde schwieriger. Von einem Pflege-Notstand könne aber nicht die Rede sein, so Schleier.
Im Vergleich mit anderen Krankenhäusern in Deutschland sei die Situation am Ortenau-Klinikum deutlich besser. „An den Bildungszentren für Gesundheits- und Pflegeberufe in Lahr, Achern und Offenburg sowie durch die Beteiligung am Ökumenischen Institut in der Ortenau bilden wir selbst rund 400 Pflegekräfte aus“, erklärte Geschäftsführer Christian Keller. Alle Azubis, die ihre Prüfung im Herbst erfolgreich abschließen, hätten ein Übernahmeangebot bekommen. Zusätzlicher Nachwuchs komme aus einer seit Oktober 2015 neu initiierten Ausbildung zum staatlich examinierten Krankenpfleger, die sich auch an ausländische Bewerber richtet.

Steigender Pflegeaufwand

Trotzdem mussten vor einigen Monaten etwa 25 Betten am Klinikum Lahr-Ettenheim stillgelegt werden, weil Personal fehlte (wir berichteten). Nach vorübergehender Verlegung von Mitarbeitern aus Ettenheim habe sich seit Anfang Mai die Lage in Lahr allerdings wieder entspannt und auch für Ettenheim gibt das Klinikum Entwarnung: Dort werden zum 1. Oktober wieder alle Betten in Betrieb sein. Das Leistungsangebot sei bis dahin nicht eingeschränkt.
An anderen Standorten geht der Kelch der Bettenschließung derzeit offensichtlich vorüber. „Es ist allerdings üblich, punktuell auf saisonale Schwankungen im Bedarf einer stationären Behandlung zu reagieren, speziell in den Sommermonaten“, sagte Christian Keller. Das Ortenau-Klinikum betreut immer mehr Patienten, die zunehmend älter sind. Dadurch steige der Pflege- und Betreuungsaufwand. Beim Personal wird nach eigenen Angaben bereits seit Jahren aufgestockt: 2010 waren 1 773 Mitarbeiter im Pflegedienst beschäftigt, Ende 2015 bereits 1911.

Gute Erfahrungen mit spanischen Pflegern

Der Anteil ausländischer Kräfte ist dabei vergleichsweise gering und liege aktuell bei etwas mehr als 100. Die Verwaltung will alle Möglichkeiten nutzen, um dem steigenden Bedarf an Pflegekräften zu begegnen, so Keller. Die Gewinnung und Integration von Ausländern sei jedoch nur ein Baustein. Bedeutender seien die Bildungszentren in Achern, Lahr und Offenburg. Im Herbst 2013 hatte das Klinikum mit dem Start eines Integrationsprojektes für spanische Pflegekräfte begonnen, Mitarbeiter aus dem Ausland zu akquirieren. Von den ursprünglich sieben Bewerbern seien am Ende fünf übrig geblieben. „Ein gutes Ergebnis“, so Pflegedirektor Markus Bossong. Auch bei den Philippinen ist man guter Hoffnung. Die Ausbildung dort sei sehr gut, außerdem lernten sie bereits in der Heimat Deutsch. Hierzulande seien lediglich einige praktische Monate nötig. Wie viele kommen werden, sagte er nicht.

Ausländischer Mitarbeiterstamm wird vergrößert

Dass aufgrund der kulturellen Unterschiede etliche wieder abspringen könnten, glaubt Geschäftsführer Christian Keller indes nicht: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein großer Teil der Menschen bei einer gelungenen beruflichen Integration auch langfristig in der Ortenau bleibt.“ Mit Hilfe eines ehrenamtlichen Helfers hätten sich die Spanier zum Beispiel inzwischen sehr gut eingelebt.
Bei ihnen und den Philippinen wird es in Zukunft sicher nicht bleiben: Vermutlich wird das Ortenau-Klinikum nicht umhin kommen, den Stamm ausländischer Mitarbeiter noch weiter zu vergrößern. Denn in absehbarer Zeit, so schätzt die Verwaltung, werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt Gesundheits- und Krankenpfleger weiter Mangelware sein.