Dunkle Wolken über dem Schlosshotel Bühlerhöhe
Dunkle Wolken über dem Schlosshotel Bühlerhöhe | Foto: Ulrich Coenen

Reto Schumacher hat das Schlosshotel verlassen

Zukunft der Bühlerhöhe ungewisser denn je

Reto Schumacher hat die Bühlerhöhe verlassen. Der langjährige Hoteldirektor, Geschäftsführer und Chef der Hausverwaltung hat sich bereits Ende April in aller Stille von der Schwarzwaldhochstraße verabschiedet. „Ich gehe auf eigenen Wunsch und ausdrücklich nicht im Streit mit meinem bisherigen Arbeitgeber“, erklärte Schumacher gegenüber dieser Zeitung.

Letzte Rate nicht bezahlt

Der Schweizer Hotelier, der in Baden-Baden wohnt, war in den Jahren 1999 bis 2005 Direktor des Schlosshotels und ab 2011 Geschäftsführer der Anna Maria Vermögensverwaltung. Diese Investorengruppe um den ukrainischen Geschäftsmann Igor Bakai hatte das denkmalgeschützte Hotel im Jahr zuvor von SAP-Gründer Dietmar Hopp gekauft und für Umbau- und Sanierungsarbeiten geschlossen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Weil die neuen Eigentümer die letzte Rate an Hopp nicht zahlten, ging die Anna Maria Vermögensverwaltung im Sommer 2013 mit großem Theaterdonner pleite.
Ende des Jahres 2013 erwarben kasachische Investoren die Bühlerhöhe vom Insolvenzverwalter und gründeten zu diesem Zweck die Bühlerhöhe Castle Invest GmbH mit Sitz auf der Bühlerhöhe. Geschäftsführer wurde Artur Bering. Schumacher, der das Haus vor dem Eigentümerwechsel im Spätsommer und Herbst 2013 ein letztes Mal für Hotelgäste öffnete, blieb der Bühlerhöhe Castle Invest GmbH als Leiter der Hausverwaltung erhalten.
Die Hoffnung, dass die neuen Investoren zeitnah in die notwendige Sanierung investieren, erfüllte sich nicht. Die kasachischen Eigentümer haben eine Vorliebe für historische Gebäude in Baden-Baden und Umgebung. Neben Bühlerhöhe gehören ihnen die Villa Stroh und Schloss Seelach in Baden-Baden. Auch die Villa Hohenbaden wird mit ihnen in Verbindung gebracht.

Spektakulärer Wiederaufbau von Schloss Seelach

Spektakulär ist vor allem der Wiederaufbau von Schloss Seelach. Die hochherrschaftliche Villa wurde 1863 im Auftrag von Graf Chreptowitsch im Louis-XVI-Stil erbaut. In diesem Gebäude fanden die Treffen zwischen Kaiser Wilhelm I. und Zar Alexander II. statt. Das Haus verkam in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Ruine. Schließlich standen nur noch die Umfassungsmauern. 2008 wurde mit riesigem Aufwand und modernster Technik mit der Rekonstruktion begonnen.
Die Bauarbeiter waren seit 2014 im Hotel Plättig an der Schwarzwaldhochstraße, das die Bühlerhöhe Castle GmbH gemeinsam mit dem Schlosshotel erworben hat, untergebracht. Die wiederholt stockenden Bauarbeiten in Schloss Seelach sind bis heute nicht abgeschlossen. Auf dem Plättig wohnen heute nur noch wenige Bauarbeiter.
Das wirft die Frage auf, ob sich die neuen Eigentümer mit ihren zahlreichen kostspieligen Immobilien im Raum Baden-Baden nicht übernommen haben. Dem Vernehmen nach sind die kasachischen Investoren im Energiesektor tätig, dessen Entwicklung seit geraumer Zeit nicht gerade positiv verläuft. Das zentralasiatische Land ist in erheblichem Umfang von seinen Ölexporten abhängig. Wegen der engen wirtschaftlichen und politischen Verbindung zum von westlichen Wirtschaftssanktionen hart getroffenen Russland ist die Lage in der früheren Sowjetrepublik Kasachstan unsicher.

Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung

Zur wirtschaftlichen Situation seiner bisherigen Arbeitgeber kann und will sich Reto Schumacher nicht äußern. Er lässt aber durchblicken, dass es nach wie vor kein Konzept zur Revitalisierung der früheren Nobelherberge gibt. Das war wohl auch der Grund für den fast 68-jährigen Hotelmanager, sich zurückzuziehen. „Ich hätte mein Wissen und eine Erfahrung gerne nach einer Wiedereröffnung an einen jungen Mann oder eine junge Frau weitergegeben“, sagte Schumacher. Der Stillstand tue dem Bauwerk nicht gut, konstatierte der Hoteldirektor. Die Bühlerhöhe ist laut baden-württembergischen Denkmalschutzgesetz kein normales Denkmal, sondern ein „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“. Diese Gebäude werden in Paragraf 12 beschrieben und müssen nationale oder zumindest überörtliche Bedeutung haben. Bühlerhöhe entstand 1912 bis 1914 nach Plänen des Stararchitekten Wilhelm Kreis. „Dass ein Denkmal dieser Kategorie so viele Jahre ungenutzt bleibt, darf es eigentlich nicht geben“, meinte Schumacher. „Jeder Investor braucht das notwendige Kapital und die Liebe zum Haus.“ Wie es weitergeht, weiß er nicht: „Sonst wäre ich geblieben!“