Bei Graben-Neudorf finden Arbeiten an einem Bohrturm statt. Foto: Uli Deck/Archiv
Bei Graben-Neudorf finden Arbeiten an einem Bohrturm statt. Foto: Uli Deck/Archiv | Foto: dpa/Deck

Bohrung geht horizontal

Bei Graben-Neudorf beginnt die Ölsuche

Von Alexander Werner

Wird die Heidelberger Firma Rhein Petroleum bei der Ölsuche in Graben-Neudorf fündig oder nicht? Das bleibt in den nächsten zwei Monaten die spannende Frage. Aufschluss darüber werden die Probebohrungen geben, die jetzt auf dem Gelände im Kammerforst an der B 35 bei der Neudorfer Ausfahrt begonnen haben. „Fündig“ ist indessen ein relativer Begriff. Denn letztlich geht es nach einem Fund darum, ob sich beim Ergiebigkeitstest eine ausreichend Öl führende Sandsteinschicht in 1 800 Metern Tiefe findet, die den Abbau wirtschaftlich rentabel macht. Zum Bohrbeginn zeigte sich Michael Suana zum Bohrbeginn zuversichtlich. Wie der Geschäftsführer des Unternehmens erläuterte, hätten die seismografischen Untersuchungen 2012 darauf hingedeutet, dass die Strukturen genügend Öl tragen könnten. Zudem sei diese Stelle inmitten der badischen Erdölprovinz noch nie angebohrt worden. Tatsächlich geht es nicht direkt am Turm über die 35 Meter hohe Bohranlage teleskopartig mit bis zu rund 100 Metern pro Tag in die Zieltiefe, sondern schräg abgewinkelt etwa 800 Meter nordwestlich.

Bei Misserfolg vollständiger Rückbau

Sollte sich kein Fund ergeben oder ein Abbau nicht rentabel sein, werde der Platz vollständig zurückgebaut und aufgeforstet, so Suana. Ansonsten werde über einen Zeitraum von fünf bis 15 Jahren eine kleinere Förder- die eh nur provisorische Probebohranlage ersetzen. Bei einem Misserfolg wären vier bis fünf Millionen Euro „in den Sand gesetzt“, beschrieb Suana das Risiko.

Kein Fracking

Suana bekräftigte dabei, dass „Fracking“, eine sehr umstrittene Technik, bei der Gestein im Boden mit hohem Druck aufgebrochen wird, nicht zur Politik des Unternehmens gehöre, das sich ausschließlich mit konventioneller Erdölförderung befasse.

Leichtes, hochwertiges Öl wird erhofft

Zur Frage, ob denn Erdölabbau überhaupt noch in Zeiten der Energiewende angemessen sei, erklärte Suana einerseits, dass ein Atomausstieg ohne Erdölprodukte eine Illusion sei. Allerdings hätte er keinerlei Probleme damit, wenn die Politik sagen würde, Erdöl sei zu schade, um es zu verbrennen. Diese Ansicht teile er umso mehr im Blick auf das leichte, qualitativ besonders hochwertige Öl, das man zu finden hoffe. 40 Prozent des Erdöls in Deutschland würden in die weiterverarbeitende Industrie gehen, erläuterte er.