Marie-Laurence Jungfleisch ist im deutschen Olympia-Kader und startet beim Hochsprung-Meeting in Bühl.
Marie-Laurence Jungfleisch ist im deutschen Olympia-Kader und startet beim Hochsprung-Meeting in Bühl. | Foto: Thomas Steuerer

Internationales Bühler Hochsprung-Meeting erlebt 20. Auflage

Olympioniken und Rekordsätze

Sie bringt Olympia-Flair ins badische Bühl: Die Freiburgerin Marie-Laurence Jungfleisch hat das Ticket für Rio bereits in der Tasche. Damit kann die Hoffnungsträgerin der deutschen Hochsprungszene am Freitag, 24. Juni, völlig entspannt im Jahn-Stadion an den Start gehen. „Wir freuen uns riesig über die Zusage von Marie-Laurence. Sie ist eine ganz sympathische Sportlerin und in Top-Form. Zudem tritt sie als Titelverteidigerin an“, sagt Meeting-Chef Wolfgang Lorenz. Mit 1,94 Metern gewann Jungfleisch im vorigen Jahr in der Zwetschgenstadt vor der Usbekin Svetlana Radzivil (1,88 Meter).

Quali-Wettbewerb für Olympia

Für andere Athleten stellt Bühl eine Möglichkeit dar, vielleicht doch noch eine Fahrkarte an den Zuckerhut zu lösen, denn das Meeting ist Qualifikations-Wettbewerb für die Olympischen Spiele 2016. „Bühl war in den vergangenen Jahren immer wieder das Sprungbrett zu den großen internationalen Wettbewerben. Vor Jahresfrist schafften die deutschen Spitzenathleten Marie-Laurence Jungfleisch und Eike Onnen die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Peking“, resümiert Athletenmanager und Moderator Uli Geis. Allein bei den Männern war Bühl drei Mal Normwettkampf für Olympia, vier Mal für eine Weltmeisterschaft und zwei Mal für eine EM. Dem inzwischen 34-jährigen Onnen gelang voriges Jahr in der Zwetschgenstadt nach langer Flaute eindrucksvoll die Rückkehr in die Weltklasse, als er mit 2,32 Metern vor Gianmarco Tamberi (2,28 Meter) gewann und somit die WM-Norm mit Bravour erfüllte. In Peking selbst sprang Onnen 2,31 Meter – auch keine schlechte Hausnummer. „Eike Onnen hat ebenfalls schon seine Zusage für einen Start in Bühl gegeben“, freut sich Wolfgang Lorenz. Zudem finden sich inzwischen Katharina Mögenburg (Norwegen), die Ötigheimerin Anne Klebsch und der Tscheche Jaroslav Baba, Sieger von 2012, auf der Teilnehmerliste. Die Bühler Meeting-Macher investieren jedes Jahr aufs Neue viel Arbeit, um den Spartenwettkampf am Leben zu halten und ihm eine publikumswirksame Attraktivität zu verleihen. „Wir können uns glücklicherweise auf einen treuen wie großzügigen Sponsorenstamm verlassen“, nennt Lorenz einen wichtigen Grund, dass das Spartenmeeting entgegen dem Trend immer noch stattfinden kann.

Topspringer Gianmarco Tamberi im Visier

Wer in die Meeting-Statistik schaut, finde bei den Männern (seit 1997) wie bei den Frauen (seit 2003) recht spannende Daten. Bei den Männern waren Athleten aus 22 Nationen am Start. Mit Mohamed Idriss gab sich sogar ein Springer aus dem Sudan die Ehre. In der Frauenkonkurrenz waren zwölf Nationen vertreten, unter ihnen die wunderschöne Karibikinsel St. Lucia. Von dort kam Levern Spencer und siegte im Jahr 2012 mit 1,90 Metern. Sogar einen nationalen Rekord gab es in Bühl, er liegt bei 1,93 Metern und wurde von der Irin Deirdre Ryan gesprungen.
Überhaupt schafften es Springerinnen und Springer, die in Bühl am Start waren, immer wieder an die internationale Spitze. Martin Buß, mit 2,31 Metern Meeting-Sieger von 1997 holte im Jahr 2001 WM-Gold. Jaroslav Baba wurde Dritter bei den Olympischen Spielen 2004 und der Vorjahreszweite Gianmarco Tamberi gewann Anfang 2016 die Hallen-WM. „Wir hoffen, Gianmarco sagt uns für das 20. Meeting wieder zu. Angeschrieben haben wir ihn bereits“, so Lorenz.

Ariane Friedrich und Blanka Vlasic sprangen zwei Meter

Bei den Frauen mischte mit Ariane Friedrich sogar eine Deutsche international vorne mit. Mit zwei Metern gewann die Frankfurterin 2009 in Bühl, um dann bei der WM Bronze zu holen. Einen Satz über diese Höhe schaffte bei den Frauen bislang nur noch die kroatische Top-Athletin Blanka Vlasic, die 2013 bei den Frauen die Nase vorn hatte. Aus der Bilanz lassen sich noch weitere, interessante Werte heraus lesen. So lieferten die männlichen Teilnehmer 155 Sprünge über 2,20 Meter ab. Aktueller Rekordhalter ist Eike Onnen (LG Hannover) mit 2,32 Metern im vorigen Jahr.
Mit Carlo Thränhardt schrieb ein Sportsenior in Bühl Hochsprunggeschichte, der Gewinner der Hallen-EM von 1983 sprang im Jahn-Stadion 1,93 Meter und damit Weltrekord in der Altersklasse M 55. Und natürlich muss man bei den herausragenden Leistungen der Deutschen den Blick noch einmal auf Marie-Laurence Jungfleisch lenken. Sie war im „Vogelnest“, wie das Stadion in Peking gern genannt wird, die große Überraschung. Mit 1,99 Metern sprang sie persönliche Bestleistung und landete auf Rang sechs. „Derzeit planen wir bei Frauen und Männern jeweils mit einem Zehnerfeld“, berichtet Meeting-Direktor Wolfgang Lorenz. Das 20. Internationale Bühler Hochsprung-Meeting am Freitag, 24. Juni, beginnt um 14 Uhr mit dem Juniorenwettbewerb. Die „Großen“ kämpfen dann von 17 Uhr an um den Titel und manche von ihnen vielleicht sogar noch um ein Ticket nach Rio.