KSC-Profi Grischa Prömel (links) feierte mit der deutschen Olympia-Auswahl den Einzug ins Finale gegen Brasilien
KSC-Profi Grischa Prömel (links) feierte mit der deutschen Olympia-Auswahl den Einzug ins Finale gegen Brasilien | Foto: AFP

Prömel im Maracana um Gold

Olympiasieger vom KSC?

Die Vorgabe von Tomas Oral, seines Vereinstrainers beim Karlsruher SC, sie ließ keine Interpretationsspielräume darüber zu, ab wann Grischa Prömels Aufenthalt in Brasilien als voller Erfolg anzusehen war: Der 21-Jährige, als einziger Zweitligaakteur im Olympia-Kader von DFB-Trainer Horst Hrubesch berücksichtigt, solle mit nicht weniger als Gold in den Wildpark zurückkehren, hatte Oral den Mittelfeldspieler aus Karlsruhe verabschiedet. Und am Samstag (22.30 Uhr MESZ) nun, im legendären Maracanã von Rio, könnte der Auftrag an den gebürtigen Bad Cannstatter tatsächlich seine Umsetzung erleben.
Prömel muss sich das selbst erst noch auf der Zunge zergehen lassen. „Wahnsinn! Ich kann es noch nicht so ganz realisieren, dass wir im Finale der Spiele stehen – im Maracanã. Und das gegen Brasilien und wahrscheinlich 75 000 Leute, die uns von der ersten Minute an auspfeifen werden“, sagte Prömel gegenüber dieser Zeitung und erinnerte sich an das, was Hrubesch ihm und seinen Mitspielern nach dem Einzug ins Endspiel in der Kabine geraten hatte: „Wir sollen alles aufsaugen und mitnehmen. So ein Spiel werden wir nie wieder in unserer Karriere haben – das ist unglaublich“, begeisterte sich der Finalist aus Karlsruhe an den Aussichten.
Nichts gebe es, worauf er sich nicht freue, sagt Prömel: „Das Olympische Dorf, der Gegner Brasilien, Neymar…“, zählt der Ex-Hoffenheimer auf, der im Halbfinale gegen Nigeria ab der 75. Minute für Sven Bender ran durfte und dann das 2:0 durch den Freiburger Nils Petersen auf dem Rasen in der WM-Arena von São Paulo mitbejubelte. „Ich glaube, die haben sich auch das Endspiel gewünscht, um eine Revanche zu bekommen. Wir freuen uns alle auf das Spiel“, versicherte Prömel, der schon vor dem gestrigen Umzug an den Endspielort und dem Einzug ins Olympische Dorf mitbekommen hatte, wie sehr die 1:7-Niederlage gegen den späteren Weltmeister auch zwei Jahre später bei den Brasilianern nachwirkt.

Kollegen drücken Daumen

Daheim beim KSC, wo sich die Spieler auf das Pokalspiel bei 1860 München vorbereiten, gönnen die Kollegen dem schon jetzt sicher mit Silber dekorierten Prömel den Triumph – auch an Philipp Max, der vor einem Jahr aus dem Wildpark zum FC Augsburg gewechselt war, denken die Profis. „Es hat mich riesig gefreut für die beiden“, sagte Enrico Valentini. „Hoffentlich nimmt er die Euphorie mit. Wenn er mit Gold zurückkommt, muss er ordentlich einen ausgeben und mit der Medaille um den Hals auflaufen“, sagte der Rechtsverteidiger, der das Endspiel mit den anderen KSC-Kollegen wahrscheinlich im Mannschaftsbus auf der Rückfahrt aus München nach Karlsruhe mitverfolgen wird.
KSC-Trainer Oral, der zunächst nicht auf seinen Mittelfeldspieler verzichten wollte und sich am Ende vom DFB-Sportdirektor überzeugen ließ, ihn abzustellen, ist sich sicher: „Für die Persönlichkeitsentwicklung des Jungen ist das eine Riesensache. Das wird ihm hoffentlich noch einmal einen Schub geben.“ René Dankert