Mit einem Ausbau der bestehenden Sprachkurse will der Ortenaukreis die Integrationschancen von Flüchtlingen verbessern.
Mit einem Ausbau der bestehenden Sprachkurse will der Ortenaukreis die Integrationschancen von Flüchtlingen verbessern. | Foto: Bernd Wüstneck

Drähte sollen im Landratsamt zusammenlaufen

Ortenaukreis entwickelt Integrationskonzept

Von Christine Storck

Mit einer „Gesamtstrategie Zuwanderung“ will der Ortenaukreis die Integration der vielen Flüchtlinge bewältigen. Dazu hat die Verwaltung ein Konzept erarbeitet. „Ziel ist eine Grundlage, die nach Bedarf weiterentwickelt werden kann“, sagte Landrat Frank Scherer am Dienstag bei einem Pressegespräch. Zunächst beriet noch am Nachmittag der Verwaltungsausschuss in dieser Angelegenheit, demnächst ist der Kreistag dran. Das Thema Zuwanderung bleibt in aller Munde, auch im Ortenaukreis. In der vorläufigen Unterbringung in 34 Kommunen leben nach Angaben von Michael Loritz, Kreisdezernent für Migration, aktuell 3 783 Flüchtlinge. Das entspreche einer Auslastung von 66 Prozent. Da die Flüchtlingsströme momentan nachlassen, sollen bis Ende 2016 rund 1 000 Plätze abgebaut werden. Ein guter Mix aus kurz-, mittel-, und langfristig angelegten Unterkünften gebe genügend Flexibilität, falls die Zahlen wieder steigen sollten. Prognosen gebe es derzeit keine.
Mit dem Strategiepapier will das Landratsamt Risiken, Chancen und Steuerungsmöglichkeiten für die Integration der Zuwanderer aufzeigen. Die Mittel dafür sollen nach Bedarf im laufenden Doppelhaushalt 2015/16 bereitgestellt und im kommenden Haushalt 2017/18 eingeplant werden. Im Folgenden ein Überblick über die ins Auge gefassten Maßnahmen:

Unterbringung und Betreuung

Anbindung größerer Gemeinschaftsunterkünfte an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder Einzelvertragsfahrten zu Schulen sowie Schülerbeförderung für Kinder mit sozialpädagogischem Förderbedarf (Kosten 2017: 180 000 Euro, 2018: 240 000 Euro); Anpassung der Wohnfläche in den Containern noch vor dem 1. Januar 2018 peu à peu auf sieben Quadratmeter pro Person; Betreuungsschlüssel von einem Sozialarbeiter auf 110 Bewohner; Einführung einer Pin-geschützten Geldkarte zur einfacheren Versorgung und Reduzierung von Bargeldbeständen. Zwar hätten Bankkonten Vorrang, aber die fehlen noch bei rund 700 Flüchtlingen.
Ferner sind geplant: Schulungen für die mehr als 1 800 ehrenamtlichen Helfer in Asylrecht oder Gesundheitsthemen; Impfvorsorge durch vom Land finanzierte Fachangestellte; Beratung, Frühe Hilfen und Präventionsnetzwerk Ortenau (PNO); Weiterentwicklung der Angebote in den psychologischen Beratungsstellen und der Frühen Hilfen; Ausbau der Unterstützung von Kindertageseinrichtungen und Schulen, um Flüchtlingsfamilien besser helfen zu können. Außerdem spezielle integrative Angebote für Kinder und Jugendliche.

Jugendhilfe

Aktuell betreut der Landkreis 314 minderjährige Flüchtlinge und erfüllt damit die Quote (305). Diese sollen weiterhin möglichst in Kleingruppen oder in Gastfamilien untergebracht werden. Neben den bereits zwölf aktiven Gastfamilien seien sechs weitere in Vorbereitung. Weitere Maßnahmen sind: Ausbau des Bündnisses „Jugendhilfe und Beruf“, der Schulsozialarbeit (zurzeit 42 Vollzeitstellen), der offenen Jugendarbeit und des Landesprogramms „Stärke“ (nicht nur für Zuwanderer); Förderkonzept für „Offene Treffs“ mit Schwerpunkt Integration und Begegnung; Entwicklung von VHS-Bildungs- und Qualifizierungsangeboten für junge volljährige Zuwanderer mit Bleibeperspektive.

Bildung und Kultur

Einsatz von zwei Bildungskoordinatoren zur Vernetzung von Angeboten und besserer Kommunikation; Einführung der Schulsozialarbeit an den beruflichen Schulen. Ein Konzept soll im kommenden Oktober dem Kultur- und Bildungsausschuss vorliegen; Mehr dezentrale Bildungsangebote, vor allem im Bereich der VABO-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse). Aktuell gibt es 324 VABO-Schüler, darunter 17 Analphabeten. 128 stünden auf der Warteliste, Tendenz steigend; Ausbau von VHS-Sprachkursen und beruflicher Qualifizierung, auch für ehrenamtliche Helfer; Geld für die Kreisschulen und qualifizierte Lehrkräfte; Förderung außerschulischer Projekte zur Vermittlung von Sprache, Kultur und Werten; Ausbau von Betreuungsangeboten in den Kommunen im Ortenaukreis; Sonderausstellung im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof mit einem pädagogischem Begleitprogramm.

Arbeit

Schaffung einer Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege für Flüchtlinge am Ortenau-Klinikum; Vermittlung von bis zu 600 Menschen am „Zentrum zur beruflichen Integration von Flüchtlingen“; Ausbau von Arbeitsgelegenheiten durch die Kommunale Arbeitsförderung, in Verbindung mit Sprachkursen; Schaffung weiterer Beschäftigungsmöglichkeiten über Projekte; Arbeitsmarktstrategie in Abstimmung mit Kooperationspartnern.