Moderne Technik setzt der Ortenaukreis zur Müllbehandlung auf dem Kahlenberg bei Ringsheim ein. Die  erzwungene Einführung einer Biotonne aber könnte das System empfindlich stören.
Moderne Technik setzt der Ortenaukreis zur Müllbehandlung auf dem Kahlenberg bei Ringsheim ein. Die erzwungene Einführung einer Biotonne aber könnte das System empfindlich stören. | Foto: Rolf Haid

Ist Biotonne noch abzuwenden?

Ortenaukreis führt bange Gespräche mit Stuttgart

Kommt der Ortenaukreis doch noch um die Einführung einer Biotonne herum? Die Gespräche mit dem Land laufen, und im Eigenbetrieb Abfallwirtschaft gibt man sich vorsichtig optimistisch: „Ich bin guter Dinge, das wir das nicht machen müssen“, sagt Geschäftsführer Martin Roll. Der vom Ortenaukreis und dem Landkreis Emmendingen getragene Zweckverband Kahlenberg in Ringsheim gibt sich derzeit alle Mühe, den Stuttgartern nachzuweisen, dass die geforderte stoffliche Verwertung des Biomülls durch die biologisch-mechanische Abfallbehandlung auch ohne gesonderte Erfassung der Bioabfälle möglich ist. Deshalb hofft der Ortenaukreis, der den Löwenanteil der in Ringsheim behandelten Abfälle beisteuert, auf ein Entgegenkommen aus Stuttgart.

Erste positive Signale?

Zaghaft positive Signale glaubt man bereits erhascht zu haben: „Wir haben kein Schreiben vom Umweltministerium bekommen“, so Roll nach der jüngsten Offensive des Landes in Sachen Biotonne, das die bislang zögerlichen Landkreise im Südwesten wie berichtet an der Verhandlungstisch zitiert hatte. Die Entscheidung wird, wie auch immer sie ausfällt, weit reichende Folgen haben. Besteht man in der Landeshauptstadt auf der Einführung einer Biotonne auch in der Ortenau, so müsste Vieles neu gedacht werden – dass die Bürger Raum für eine weitere Mülltonne auf ihren Grundstücken schaffen müssten, wäre dabei das geringste Problem.

Zeit der Veränderung

Proteste gegen eine Restmülldeponie in Achern-Mösbach, Reisen der Entscheidungsträger zur Thermoselect-Versuchsanlage in Verbania, Verhandlungen mit Siemens über die Anschaffung des Schwel-Brenn-Verfahrens oder auch enge Kontakte nach Straßburg – Umbruch war angesagt in den 90er Jahren auf dem Sektor der Müllentsorgung. Die klassische Verbrennung hatte ausgedient, der Deponieraum wurde knapp, der Bund machte strenge Vorgaben, kurzum: Bei der Abfallentsorgung war Kreativität gefragt.

Das galt auch für den Ortenaukreis, der das Ende seiner Deponiekapazitäten ebenso vor Auge hatte wie er sich einer kritischen Öffentlichkeit und den Vorgaben der neuen TA Siedlungsabfall gegenüber sah.
Die Lösung kam aus einer unerwarteten Ecke. Der Abfallzweckverband Kahlenberg dachte sich um 1996 eine eigene Anlage zur biologisch-mechanischen Behandlung der Abfälle aus. Das System bewährte sich in einer Versuchsanlage, bevor man vor zehn Jahren auf dem Kahlenberg im großtechnischen Maßstab durchstartete (http://www.zak-ringsheim.de).

Das ZAK-Verfahren ist inzwischen europaweit patentiert, die Delegationen ausländischer Abfallwirtschaftsverbände geben sich in Ringsheim die Klinke in die Hand. Nur aus Deutschland kommt kaum jemand: „Der Markt hier ist fast gesättigt“, sagt Roll. Vielleicht zielen die Vorgaben aus Berlin und Stuttgart zur Biotonne deshalb an den Realitäten auf dem Kahlenberg vorbei. Die Technik dort nämlich ist auf einen gewissen Anteil an Bioabfällen angewiesen – darauf deutet schon der Begriff der „mechanisch-biologischen“ Müllbehandlung hin. Und so stellt sich die bange Frage, ob die Einführung einer Biotonne mit einer eigenen Verwertungskette das ZAK-Verfahren nicht in grundlegende Schwierigkeiten bringt.

Der Biomüll wird benötigt

Noch weiß man es nicht – was bei einem deutlich verringerten Bioanteil in den Abfällen auf dem Kahlenberg passiert, hat laut Martin Roll bislang niemand ausprobiert. Und zudem ist völlig unklar, wie erfolgreich und folgenreich eine Biotonne überhaupt wäre: Ein über Jahre laufender Feldversuch in Achern hat hier durchaus ambivalente Ergebnisse erbracht. Anfangs, so erinnert sich Roll, trennten die Bürger die Abfälle sehr sorgfältig, doch mit der Zeit wanderte wieder mehr Biomüll in die Graue Tonne – zuletzt lag der Anteil der unerwünschten Nassabfälle dort bei rund einem Drittel.

Ein weiterer Abfuhrtag

Völlig unklar ist auch, wie sich die Biotonne auf die Müllerfassung auswirkt. Zur Zeit laufen drei Sammelzyklen für Gelbe Säcke sowie Grüne und Graue Tonne. Die Biotonne würde eine weitere Fahrt erforderlich machen, vielleicht verbunden mit einer Entzerrung der Abfuhrtermine bei der Grauen Tonne. In jedem Fall aber wird es nicht billiger: Eine weitere Sammlung, sagt Roll, sei „ein Kostenblock, der erklecklich bei den Gebühren zu Buche schlägt“.