Der Wandel im Berufsleben hinterlässt auch an den beruflichen Schulen im 
Ortenaukreis seine Spuren. Auch bei traditionellem Handwerk wie Schreinern oder Tischlern sind die Dinge in Bewegung.
Der Wandel im Berufsleben hinterlässt auch an den beruflichen Schulen im Ortenaukreis seine Spuren. Auch bei traditionellem Handwerk wie Schreinern oder Tischlern sind die Dinge in Bewegung. | Foto: Franziska Kraufmann

Wandel in den Berufsschulen

Ortenaukreis sieht jetzt das Land am Zuge

Der Ortenaukreis hat seine Hausaufgaben gemacht, das Land noch nicht. Auf diesen einfachen Nenner mag man die sich abzeichnende Hängepartie bei der Reform des beruflichen Schulwesens bringen. Zwei Mal, 2008 und 2015, hat der Kreis, immerhin größter kommunaler Schulträger im Südwesten, das Angebot an seinen beruflichen Schulen neu sortiert. Das ging vor allem in den Jahren 2008 und 2009 nicht ohne Schmerzen vonstatten. Doch die Bildung von Kompetenzzentren hat sich ausgezahlt. Der zweite Einschnitt im vergangenen Jahr fiel trotz zurück gehender Schülerzahlen und rasanter struktureller Veränderungen bei den Ausbildungsberufen bei weitem nicht so tief auf wie der erste. Zudem konnte er weitgehend im Konsens vollzogen werden.

Die Uhr tickt unüberhörbar

Jetzt  ist das Land an der Reihe. Bei gut einem Dutzend Angeboten an den beruflichen Schulen sind die Zahlen der Auszubildenden so weit zurück gegangen, dass dies nicht mehr einfach durch die Verschiebung von einer Berufsschule zur anderen ausgeglichen werden kann. Eine überregionale Lösung muss her, durch so genannte Bezirks- oder Landesfachklassen, die Kreis- und Regierungsbezirk-übergreifend gebildet werden müssten. Die Aufgabe ist bekannt, ebenso wie der Umstand, dass die Uhr tickt.
Wie bei den allgemeinbildenden Schulen auch hat das Land hier klare Vorgaben gemacht: Hat eine Klasse drei Jahre in Folge weniger als 16 Schüler, muss sie aufgelöst werden. „Der Druck“, sagt Georg Benz, Sozialdezernent im Offenburger Landratsamt, „wird jetzt zunehmen. Wie sind mit unseren zu kleinen Klassen zum Teil schon im zweiten Jahr“. Nun liege es an den Regierungspräsidien und damit an Stuttgart, den weiteren Weg aufzuzeigen: „Das Land ist in der Bringschuld, den Kreisen Planungssicherheit zu geben“.

Viele Berufe sind im Wandel

Dabei sehen sich die Planer vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Denn anders als bei den allgemeinbildenden Schulen ist hier der demografische Wandel und in der Folge der Rückgang der Schülerzahlen nur eine Ursache der Entwicklung, oftmals gar nicht die entscheidende. Beispiel KFZ-Technik: Hier sorgt vor allem der technische Fortschritt beim Bau von Autos für die entscheidenden Impulse – repariert wird heute kaum noch, es genügt der Austausch von Teilen. Seit 2008 hat sich die Zahl der Ausbildenden mithin praktisch halbiert. Folge: Der Ausbildungsgang KFZ-Technik schwächelt. Bei der ersten Reform wurde er noch von Achern nach Kehl geholt, um die Schule dort zu stärken, vom kommenden Schuljahr an konzentriert sich das gesamte Angebot nur noch am Standort Offenburg.
Oder die Schreiner, vor zehn oder 15 Jahren noch ein blühender Berufszweig, der vor allem kreative Menschen anzog. Inzwischen arbeiten viele Betriebe auf industriellem Niveau, der Nachwuchs, haben Benz und der Leiter des Schulamts beim Kreis, Bernhard Kohler, festgestellt, wendet sich oftmals anderen Herausforderungen zu. Die Holztechnik gibt es bald nun noch in Offenburg. Sie war einst wichtigste Stütze der Gewerbeschule in Wolfach.

Ortenaukreis sichert Standorte

110 unterschiedliche Angebote gibt es zur Zeit noch an den beruflichen Schulen im Kreis. Bernhard Kohler ist überzeugt: Wenn man die nun noch anstehenden Aufgaben löst, dann ist erst einmal für eine Weile Ruhe – „was wir entwickelt haben, das trägt uns jetzt für die nächste zehn Jahre“. Dabei gelte nach wie vor ein Konsens von Politik und Verwaltung: Standorte zu schließen steht nicht zur Debatte.