Zweckverband Kahlenberg,
Zehn Jahre alt ist das bioliogisch-mechanische Verfahren zur Müllbehandlung in Ringsheim. Der Ortenaukreis und der Landkreis Emmendingen betreiben es in einem Zweckverband. | Foto: Landratsamt Offenburg

Ortenaukreis lädt Besucher ein

Offene Türen auf dem Kahlenberg

Zweckverband. Das klingt nach Vernunftehe, nicht nach Liebesheirat. Doch auch wenn es beim Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg (ZAK) nur um Müll geht, kommen die Partner regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung (MBA) auf dem Kahlenberg bei Ringsheim sprechen. Seit zehn Jahren betreiben Ortenaukreis und der Kreis Emmendingen diese innovative Anlage gemeinsam. Das wird mit einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 18. September, gefeiert.
Ein Familientag im Zeichen innovativer Abfallbehandlung? Ist das attraktiv? Besucher, die schon einmal die Gelegenheit hatten, ZAK zu besichtigen, wissen: Der Besuch lohnt tatsächlich. Nicht nur, dass die einstmals zum Himmel stinkende Mülldeponie längst abgeräumt ist und einer reizvollen Vorbergzone gewichen ist, die teilweise sogar unter Naturschutz steht. Es ist auch die innovative Abfallbehandlung, die fasziniert: Das mechanisch-biologische Verfahren durch Kaltverrottung des Hausmülls aus der grauen Tonne ist hoch effektiv und sowohl umwelt- als auch ressourcenschonend.

Gestank auf Kahlenberg ist Vergangenheit

Die Produkte des Prozesses, zum Beispiel Biogas, werden in einem eigenen Blockheizkraftwerk zur Strom- und Fernwärmeerzeugung verwendet und versorgen sowohl die eigene Anlage als auch die Kommune Ringsheim. Dabei passieren fast alle Prozesse eingehaust. Das heißt, der Gestank, der früher von der Deponie ausging und vor allem die Ringsheimer belästigte, ist Vergangenheit. Vor Ort können sich Besucher am Sonntag von der Sauberkeit der Anlage überzeugen.
Sie bekommen damit das geboten, was Fachbesucher aus aller Welt zu der Ringsheimer Anlage zieht. Müllverarbeitungsexperten von Australien bis China pilgern auf den Kahlenberg, um sich die Vorzüge gegenüber der rein mechanischen, der rein biologischen oder gar der thermischen Abfallbehandlung, sprich dem Verbrennen, vorführen zu lassen. Auch der Oberbürgermeister von Straßburg, Roland Ries sei schon da gewesen, der derzeit große Probleme mit der Straßburger Müllverbrennungsanlage hat, berichtet der Ortenauer Landrat Frank Scherer. „Warum haben wir das nicht?“ habe Ries gefragt.
Ries könnte „das“ haben. Der Zweckverband besitzt weltweit das Patent für das von Betriebsleiter Georg Gibis und seinem Team entwickelte und stets weiterentwickelte Verfahren. Dieses Know-how wurde bereits für eine Anlage ins nordfranzösische Lille verkauft, eine weitere Anlage läuft derzeit im Probebetrieb in China.

In Deutschland wenig Bedarf

Am liebsten würden Ortenaukreis und der Kreis Emmendingen ihr MBA-Verfahren flächendeckend verkaufen. Doch überall in Deutschland stehen relativ junge Anlagen mit unterschiedlichen Verfahren, da 2005 eine Gesetzesänderung dafür sorgte, dass organische Abfälle nicht mehr auf Deponien gelagert werden durften. Daher haben die ZAK-Vermarkter derzeit eher den Export ihres Patents im Blick. Von den Erlösen aus dem Verkauf der Technologie würden die Kunden in der Ortenau und im Kreis Emmendingen profitieren. Die Müllgebühren seien mit die geringsten im Land, so die ZAK-Verantwortlichen. Die Effizienz der Anlage bringt auch ein Problem mit sich. Das Land will derzeit die Biotonne flächendeckend einführen. Doch die MBA setzt gerade auf die organischen Stoffe in der grauen Tonne. Ohne sie funktioniert das Verfahren nicht. Die ZAK-Verantwortlichen sind indessen zuversichtlich, dass eine Ausnahmeregelung im Gesetzestext auf das ZAK-Verfahren anzuwenden ist: Man sei in guten Gesprächen mit dem Ministerium, so Scherer.

Tag der offenen Tür, Sonntag, 18. September, 11 bis 18 Uhr. Alle 15 Minuten fährt ein Shuttlebus zwischen dem Kahlenberg und dem Park-and-ride-Parkplatz am Bahnhof Herbolzheim.