Er will es noch einmal wissen: Wolfgang Schäuble, hier beim Wahlkampf im Jahr 2013, tritt bei der Bundestagswahl 2017 wieder an.
Er will es noch einmal wissen: Wolfgang Schäuble, hier beim Wahlkampf im Jahr 2013, tritt bei der Bundestagswahl 2017 wieder an. | Foto: Christoph Breithaupt

Im Wahlkreis Offenburg

Wolfgang Schäuble tritt bei Bundestagswahl wieder an

Es war die vermutlich mit der größten Spannung erwartete Personalie dieses Jahres – und ist am Ende die am wenigsten überraschende: Wolfgang Schäuble will es noch einmal wissen. Der Christdemokrat, der am Wochenende 74 Jahre alt wird, bewirbt sich im kommenden Jahr noch einmal um ein Mandat bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Offenburg. Statistische Rekorde gilt es dabei nicht mehr zu brechen.  Schäuble ist bereits in der zu Ende gehenden Legislaturperiode nicht nur der dienstälteste Abgeordnete im Bundestag, vertritt er die Ortenau doch bereits seit 1972 zunächst in Bonn und jetzt in Berlin. Er ist auch der am längsten amtierende Bundestagsabgeordnete in der Geschichte der Bundesrepublik und gewiss einer der einflussreichsten.

Rückenwind vom Kreisverband

Dass ihm das Alter nun hinderlich werden könnte, es ist kaum anzunehmen, zumindest aber nicht vorzustellen. Schäuble ist bekannt für seinen scharfen Verstand, der bisweilen in beißende Ironie mündet, und für seinen eisernen Willen, der spätestens nach dem Anschlag von Oppenau 1990 auch für die breite Öffentlichkeit offenbar wurde.
Bekannt gegeben wurde die Entscheidung, gegen die man vernünftigerweise kaum hätte wetten wollen, durch den CDU-Kreisverband. Demnach will sich Schäuble bei der anstehenden Nominierungsveranstaltung, für die nun ein Termin gefunden werden soll, wieder um das Direktmandat für den Bundestag bewerben. Der CDU-Kreisvorsitzende Volker Schebesta, nach einer ausgesprochen engen Abstimmung bei der jüngsten Landtagswahl inzwischen als Staatssekretär in Stuttgart bestellt, sprach von „großem Respekt“, dem man Schäuble für die Entscheidung entgegen bringe, neben dem anspruchsvollen Regierungsamt auch Einsatz und Präsenz im Wahlkreis zu zeigen. Er habe dabei auch viel für die Region erreicht, lässt sich Schebesta von seiner Pressesprecherin Anja Heckendorf zitieren. Schäuble genieße großes Vertrauen gerade in den „derzeit politisch bewegten Zeiten“.

Nachfolger ist nicht in Sicht

Wolfgang Schäuble ist eine feste Größe in der politischen Ortenau. In seinem langen Schatten entstanden und versandeten politische Karrieren, auch und vor allem hier in seinem Heimatwahlkreis. Und so hatte sich, nachdem kein potenzieller Nachfolger dabei beobachtet werden konnte wie er sich in Stellung brachte, seine erneute Kandidatur bereits abgezeichnet – und dies gewiss nicht mit dem Ziel, als „einfacher“ Abgeordneter brav der Fraktionsdisziplin zu folgen. „Ich hatte fast alle Ämter, die sich ein Mensch wünschen kann“, sagte er einmal im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Wort „fast“ darf dabei freilich nicht überhört werden. Es bleibt noch Spielraum für Überraschungen.