Das Steinbacher Schulhaus ist im Baden-Badener Rathaus weiterhin der Favorit als Kindergartenstandort.
Das Steinbacher Schulhaus ist im Baden-Badener Rathaus weiterhin der Favorit als Kindergartenstandort. | Foto: Bernhard Margull

Kindergarten in Steinbach

Parallel zwei Einrichtungen?

Neue Variante bei der Kindergartendiskussion im Baden-Badener Stadtteil Steinbach: Weil in der Gesamtstadt die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ungebrochen hoch sei und 150 Kinder mittelfristig nicht versorgt seien, schlägt die Stadtverwaltung vor, den bestehenden Kindergarten „Regenbogen“ in der Dr.-Arweiler-Straße temporär weiterzubetreiben und parallel dazu die alte Schule in Steinbach zum Kindergarten umzubauen. So jedenfalls die Sitzungsvorlage an den Ortschaftsrat Rebland und den Jugendhilfeausschuss, die das weitere Vorgehen in der kommenden Woche vorberaten sollen.

Stadt als Träger?

Grundsätzlich hält die Verwaltung an ihrer Ansicht fest, aus dem Schulhaus eine Stätte der Kinderbetreuung zu machen. Die kritischen Wortmeldungen der vergangenen Monate von Kindergartenträger und Elternvertretung werden in der Vorlage mit Hinweis auf andere Einrichtungen als lösbar dargestellt. Sollte der bisherige Träger nicht mitmachen, hat man im Rathaus gleichfalls eine Lösung parat: „Die alte Schule im Ortsteil Steinbach soll zur Kindertagesstätte unter katholischer oder städtischer Trägerschaft umgebaut werden.“

Gleichzeitig könnte wegen des hohen Bedarfs zeitlich befristet die bisherige Einrichtung katholischer Kindergarten Regenbogen in der Dr.-Arweiler-Straße unter katholischer Trägerschaft weiter betrieben werden.
Der im Rebland wiederholt gemachte Vorschlag, auf dem Grundstück in der Dr.-Arweiler-Straße einen neuen Kindergarten zu bauen, findet sich in der aktuellen Vorlage nicht.

Bisher hatte die Verwaltung damit argumentiert, dass ein Neubau teurer wäre als der Umbau der Steinbacher Schule. Nachprüfbare Zahlen finden sich aber auch in der aktuellen Verwaltungsvorlage – wie schon in den bisherigen Beratungsunterlagen – nicht. Es werden lediglich die im Haushaltsplan veranschlagten Kosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro wiedergegeben.

Vorlage mit Lücken

Ebenso fehlt ein Hinweis, wie sich nach aktuellem Stand die Kindergartenbedarfszahlen speziell in Steinbach entwickeln könnten und welche Zusatzkosten durch den Parallelbetrieb von zwei Kindergärten in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen würden. Offen ist ferner, ob das vorgesehene Gespräch zwischen Verwaltung und den Beteiligten (wir berichteten) zwischenzeitlich stattgefunden hat.

Die Vorlage: „Der bisherige Containerbau entspricht nicht mehr den heutigen Standards. Sowohl baulich wie auch energetisch ist der jetzige Kindergarten in die Jahre gekommen. Der Containerbau, der zuvor schon in Sandweier als Kindergarten diente, steht mittlerweile auch schon rund 20 Jahre am derzeitigen Standort. Eine Sanierung ist unwirtschaftlich und scheidet aus. Der Kindergarten soll in das ehemalige Grundschulgebäude in Steinbach verlagert werden.

Nach der ablehnenden Haltung des Trägers zum Umzug, schlägt die Verwaltung eine Stufenlösung vor, wobei die heutigen Kinder im Kindergarten Regenbogen bis zum Übergang in die Grundschule bleiben können unter der heutigen Trägerschaft. Nachdem die heutigen Kinder aus dem Kindergarten Regenbogen heraus gewachsen sind, wird der Kindergarten Regenbogen aus baulichen Gründen aufgegeben und das Grundstück anderweitig verwertet.“

Kritik beim Kindergartenträger

Vom Träger wird unter anderem eingewendet, dass sich das bisherige offene Konzept im Schulhaus nicht umsetzen lasse. Die Verteilung der Gruppen auf zwei Stockwerke bringe personellen Mehraufwand, Inklusion ohne Aufzug sei nicht sinnvoll, die Selbstständigkeit der Kinder durch zwei Gruppenebenen werde beeinträchtigt und das Außengelände sei nicht geeignet.

Die Verwaltung ihrerseits verweist auf bestehende mehrstöckige Einrichtungen auch in der Stadt, in denen es solche Probleme nicht gebe.

Kommentar zum Thema

Also mal ehrlich: So richtig weiter gekommen sind wir in der Steinbacher Kindergartenfrage in den vergangenen zehn Monaten nicht. Ursprünglich sollte der sicherlich nicht abwegige Vorschlag, mit einem Kindergarten Leben ins Städtl in Steinbach zu bringen, im Hauruckverfahren erledigt werden. Die Betroffenen protestierten und auch der zuständige Fachverband der Caritas in Freiburg meldete Bedenken an. Die Verwaltung musste in eine Gesprächsrunde einwilligen. Viel geändert hat sich nicht. Träger, Beschäftigte und Elternvertretung haben sich unabhängig voneinander erneut gegen die alte Schule ausgesprochen.

„Im Gebäude ,Alte Schule‘ sind keine unüblichen baulichen Voraussetzungen vorzufinden, die einen entsprechenden Personalmehrbedarf rechtfertigen würden. Der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) sieht dies ähnlich.“ So heißt es in der Vorlage. Was der Verband genau gesagt hat, wissen wir aber nicht. Die Stellungnahme fehlt als Anlage in der Vorlage. Wie so vieles: Wie hoch ist der Platzbedarf im Rebland wirklich und in Zeiten von Sparmaßnahmen interessiert doch auch eine detaillierte Berechnung von Umbau und Neubau ungemein … Und überhaupt: Macht es Sinn, in Steinbach nebeneinander insgesamt drei Kindergärten zu betreiben?

Viel schwerwiegender könnte das Porzellan werden, das derzeit im Rebland zerdeppert wird. Man hatte bisher nicht den Eindruck, dass die katholische Gemeinde sich als Kindergartenträger zurückziehen will. Wenn sie es jetzt gezwungenermaßen tut, dann ist das ein Schlag gegen das Subsidiaritätsprinzip. Und mit dem sind die Kommunen vor allem auch finanziell in den vergangenen Jahrzehnten nicht schlecht gefahren. Vielleicht gelingt Ortschaftsrat und Jugendhilfeausschuss auch der große Schlag: Sie weisen die städtische Vorlage einstimmig wegen Unvollständigkeit zurück und verlangen Nachbesserung.

 

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