Ein kleiner See gehört zum Parkkonzeot für die Südoststadt.
EIN KIESGRÜBCHEN wird der See im Mittelteil des Parks am Boomviertels Karlsruhe Südost nicht lange bleiben. Die Wechselkröten sitzen schon in der Nähe bereit, um im Frühjahr ihr neues Biotop auf einer dann grünen Wiese mitten in der Stadt zu beziehen. | Foto: jodo

Lückenschluss am grünen Band

Parktraum für Karlsruhe Südost blüht im Frühling 2017 auf

Nach Ostern soll der Stadtpark Südost fertig sein. Jetzt entsteht mit über einem Jahr Verspätung auch sein Mittelabschnitt. Der Grünzug zwischen der Esplanade an der Rückfront des Erhardboulevards und dem von 6 000 Menschen bezogenen neuen Stadtquartier Karlsruhe Südost ist 14 Hektar groß. Wo heute die Bagger durch den Schlamm kurven und die Pflasterer die Spazierwege bauen, können also in einem halben Jahr die Alten auf Bänken sitzen, die Jungen auf der Wiese liegen, und die Kinder mit den Hunden tollen.

Kröten in den See

Im dann zwei Meter tiefen See sammelt sich bereits Wasser. Dort bekommen die Wechselkröten ihr neues Domizil mitten im Stadtteilpark von Karlsruhe Südost. Derzeit warten die Amphibien in einer feuchten Senke auf dem Gelände, wo noch vor 15 Jahren die Hallen des Bahnausbesserungswerks standen.

Neben einem Staudenbeet wird ein gepflasterter Parkweg entlang der Esplanade angelegt.
ZWEI BÄNDER wachsen unterhalb der 800 Meter langen Esplanade (rechts): ein Beet für Stauden und Sträucher mit Bänken (Mitte) und ein gepflasterter Parkweg (links). | Foto: jodo

„Der Park ist Teil der Konversion des Bahngeländes in ein sonst eng bebautes Wohnquartier“, betont Gartenbauamtsleiter Helmut Kern. In Abschnitten wird der Grünzug seit zehn Jahren verwirklicht – gerade folgt dabei der vierte und vorerst letzte Streich. Zwar sollten die Stauden und Sträucher als Saum des Wegs unterhalb der Esplanade und des Parkteichs bereits im Frühjahr 2016 blühen. Doch wenigstens im Prinzip hinke man mit der Parkentwicklung nicht dem ursprünglichen Zeitplan hinterher, erklärt Projektleiter Harald Dürr vom Gartenbauamt.

Boom im Wohnungsbau

Eigentlich wollte die damalige DB-Tochter, der Immobilienvermarkter aurelis, den mit der Stadt entwickelten Bebauungsplan nämlich binnen 20 Jahren von 2000 bis 2020 umsetzen. Doch dann boomte Karlsruhe. Der neue Sog der Stadtluft ließ die Einwohnerzahl über die Marke 300 000 schnellen – und Karlsruhe Südost war schon nach 15 Jahren, also 2015, gebaut.

Die Gartenbauer legen den Park an.
STEIN UM STEIN wachsen jetzt die Einfassungen für die Beete und die Wege im Stadtteilpark Südost. | Foto: jodo

Mit diesem unverhofften Tempo konnten die Gartenplaner eben nicht mithalten. Immerhin trägt die Stadt inzwischen mit vier Millionen Euro ein Drittel der Kosten für das große Grün zwischen den neuen Betonfronten. Die anderen acht Millionen kommen laut Kern gemäß Vertrag für die städtebauliche und landschaftsgärtnersche Gestaltung des Ausbesserungswerks vom Entwickler aurelis.

Später Brücken

So ganz fertig wird der Stadtteilpark Südost allerdings auch 2017 nicht. Dann fehlt noch der letzte Grünabschnitt ganz im Osten, wo der Park an den Karlsruher Kreisel stößt. Dort räumt die ESG Frankonia vermutlich um 2020 ihre Tennisplätze ab und bezieht ein neues Vereinsanlage, welche die Stadt auf dem heutigen Kleingartengelände an der Stuttgarter Straße schafft. Hat der Park also um 2020 seine Ostgrenze erreicht, dann haben die Grünplaner noch ein Zwei-Brücken-Projekt in der Schublade. Mit diesen Stegen über die Stuttgarter und die Wolfartsweierer Straße will man die beiden Flügel der Grünen Lunge im Osten der Kernstadt, den Stadtteilpark Südost und den Otto-Dullenkopf-Park um Schloss Gottesaue zu einem insgesamt 1,5 Kilometer langen grünen Band verknüpfen.

Das historische Wassertürmchen ist das Wahrzeichen des neuen Stadtteils Südstadt-Ost.
PARKBLICK: Durch die Lücke im Blockriegel am Erhardboulevard schaut man unter der Esplanadenbrücke bald auf Parkgrün vor dem historischen Wassertürmchen im neuen Stadtquartier. | Foto: jodo

Zwar hat man aus Kostengründen auf die Fortsetzung des Wasserbands, wie es vom Brunnen an der Esplanadentreppe beim Mendelssohnplatz bis zu den Bahngleisen an der Henriette-Obermüller-Straße liegt, verzichtet. Doch dafür kommt der 50 Meter lange Krötensee. Ihm soll später ein längerer Teich folgen, wo heute noch rote Erde des Tennisklubs liegt. „Der Krötensee ist deshalb zwei Meter tief, weil er ökologisch funktionieren, sich also selbst reinigen soll“, erklärt Dürr.

Binsen am Regenwasserbecken von Karlsruhe Südost

Außerdem dient der Teich als Regenauffangbecken für 6 000 Quadratmeter Pflasterfläche auf und bald auch entlang der Esplanade, erläutert der Projektleiter. Nur wenn der Spiegel im Sommer zu stark sinke, leite man Frischwasser ein. Damit mache man das von Binsen bewachsene Seeufer zur Wechselfunktionszone – dem idealen Lebensraum für die geschützten Amphibien. Die Wechselkröten sind die erwünschten Bewohner des Biotops mitten in der Großstadt. Doch Kern ist sich sicher, dass sich bald auch andere Wesen, die etwa von Vögeln eingeschleppt werden, im Teich unter einer sechs Meter hohen Fontäne tummeln werden.

„Kein Rasen ohne Wildkräuter“

Sonst wird die Stadtwiese – „kein Rasen ohne Wildkräuter“ – platt sein, von einigen Hügelchen zum Lärmschutz abgesehen. „Entlang des Wohnquartiers werden weitere 50 Bäume gepflanzt“, berichtet Dürr. Nur wenige Stämme sollen aber auf der freien Fläche stehen. Deshalb möchte Kern auch nicht die gerade in der Werkstatt „Meine grüne Stadt“ geborene Idee von Bürgern aufgreifen und im neuen Park Stadtwäldchen für den Klimaschutz pflanzen. Wohl aber will man jetzt laut Kern den Vorschlag des Elternbeirats aufgreifen, einen Schulgarten beim Wassertürmchen in den Grünzug einzubauen. Allerdings müsse dafür dort noch eine Fläche neben dem fest eingeplanten Bolzplatz gefunden werden.
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