Noch zu wenig verbreitet ist die Biotonne in der Goldstadt.
Noch zu wenig verbreitet ist die Biotonne in der Goldstadt. | Foto: dpa

25 Prozent nutzen die Biotonne

Pforzheim hält Biomüll-Gesetz nicht ein

Nur knapp 25 Prozent aller Pforzheimer Haushalte haben derzeit eine braune Biotonne. Damit verstößt die Goldstadt eindeutig gegen ein Gesetz des Bundes, das bereits seit dem 1. Januar 2015 den vollständigen Anschluss aller Bürger an die Biomüllentsorgung vorschreibt. Mit Sanktionen muss man im Neuen Rathaus deshalb aber nicht rechnen. Anders als bei der Verfolgung von Gesetzesverstößen von Privatleuten geben sich die Aufsichtsbehörden gegenüber der säumigen Kommune sehr nachsichtig.
„Wer auf dem richtigen Weg ist, dem wollen wir keine Steine vor die Füße legen“, erklärt Ralf Heineken, Sprecher des Landesumweltministers. Man wolle mit den Kommunen kulant umgehen. „Es ist uns lieber, wenn wir das in einem Jahr gut hinkriegen, als dass wir uns von heute auf morgen mit Zwang durchsetzen.“ Wo immer Probleme auftauchen, versuche man diese im Gespräch zu lösen.

Aufsichtsbehörde ist nachsichtig

Pforzheim ist offenbar auf dem richtigen Weg. Im vergangenen Jahr haben seine Bürger 14 Kilo weniger in die graue Hausmülltonne gesteckt und dafür 14 Kilo mehr in die braune Biotonne. Sollten sich Mülltrennung und Abfallvermeidung in diesem Tempo weiterentwickeln, dann wird die Goldstadt die Zielmarken des Landes, das sich mindestens 60 Kilo Biomüll und maximal 104 Kilo Restmüll pro Bürger wünscht, schon im Jahre 2062 für die Biotonne und spätestens 2075 für den Restmüll erreichen.
„Abfallreduzierung und Mülltrennung sind sehr viel leichter per Gesetz angeordnet als an der kommunalen Basis dann auch durchgesetzt“, weiß Olaf Backhaus, Leiter der Technischen Dienste und damit der Chef der Müllentsorger im Pforzheimer Rathaus. Die im Bundesgesetz vorgeschriebene Versorgung aller Bürger mit Biotonnen ist nach seinen Angaben so schnell nicht leistbar: „Weder von den Bürgern noch von unseren Entsorgungsunternehmen.“ Frühestens 2018, wenn die Aufträge für das Mülleinsammeln neu ausgeschrieben und vergeben werden, so Backhaus, könne man zumindest von dieser Seite her die ganze Stadt anschließen.

„Wo sollen die Bürger die Tonne denn hinstellen?“

Ob aber auch alle Bürger bis dahin vom Sinn der Biomüllsammlung überzeugt werden können, steht wohl auf einem anderen Blatt. „Unsere Bürgerinnen und Bürger haben das ganz große Problem: Wo sollen sie die zusätzliche Tonne denn hinstellen?“ Mit Rest, Papier, Gelber Sack und Bio stünden dann bereits vier große Mülltonnen in den Kellern, Fluren und Treppenhäusern der Stadt. „Und die 5. und 6. Tonne ist ja schon abzusehen“, so Backhaus.
In der neuesten Abfallbilanz von Umweltminister Franz Untersteller rangiert Pforzheim im Mittelfeld. 165 Kilogramm Hausmüll warfen die Bürger der Goldstadt im Jahr 2015 in ihre grauen Tonnen. Damit produzierten sie weit weniger Müll als ihre Kollegen in der Landeshauptstadt Stuttgart (209 Kilogramm), Mannheim (246) oder auch Heilbronn (177). An die Müllstreber in Freiburg (110 Kilogramm pro Kopf) oder Ulm (130) kommt man aber genau so wenig ran wie an den Landesdurchschnitt von 142 Kilo pro Baden-Württemberger.

Landkreis Karlsruhe verweigert sich ganz

Vom Biomüll-Gesetz des Bundes will man sich bei den Pforzheimer Technischen Diensten nicht ins Bockshorn jagen lassen. „Wir hoffen sehr, dass man sich mit der Durchsetzung an den Realitäten orientieren wird“, sagt Backhaus. Und mit 25 Prozent liegt die Goldstadt ja noch relativ gut im Rennen. Der Landkreis Karlsruhe verweigert sich gemeinsam mit drei anderen baden-württembergischen Landkreisen dem Biomüll-Einsammeln derzeit noch vollständig.