Lisa tappte am Samstag in die Lebendfalle
Lisa tappte am Samstag in die Lebendfalle | Foto: PK

Straßenhund tappt in Falle

Pforzheimer Streuner Lisa ist wieder eingefangen

Lisa ist in Sicherheit. Der Mischlingshund, dessen Schicksal Pforzheim knapp drei Wochen in Atem hielt, sitzt seit dem frühen Samstagmorgen in einem Zwinger im Tierheim Ludwigsburg. Die Odyssee des rumänischen Streuners durch die Straßen der Goldstadt endete in einer Lebendfalle, die die Gruppe „Hund entlaufen Baden-Württemberg“ am Enzufer beim Emma-Jaeger-Bad aufgebaut hatte.

Lisa ist in Sicherheit

Die Suche nach dem verängstigten Tier gestaltete sich äußerst schwierig, nicht nur wegen Lisas Fähigkeit, schnell und oftmals unbemerkt durch die Stadt zu schleichen, sondern auch wegen der mitunter unkoordinierten Suche nach dem Hund. „Das war die Vollkatastrophe“, kommentiert Nadja Jurk von der Organisation „Hund entlaufen“, vor allem die Bemühungen einer Facebook-Gruppe. „Diese fanatischen Lisa-Fans haben jede Sichtung öffentlich gepostet und dann sind einige losgerannt um den Hund mit der Hand einzufangen“, so Jurk. Man habe dabei völlig ignoriert, dass Lisa als erfahrener Straßenhund sich in Sachen erfolgreichen Fluchtverhaltens sehr gut auskenne.

Konflikt zwischen Profis und Facebook-Gruppe

Begonnen hatte das Drama schon Anfang des Monats. Wie bereits berichtet, entwischte Lisa am 4. Juni auf einem Parkplatz in Niefern, als sie von der Tierschützerin Gabriele Fritz von einer Familie übernommen werden sollte. Der Straßenhund aus Rumänien hatte zu den Menschen, die ihm ein schöneres Leben bescheren wollten, offensichtlich noch kein Vertrauen gefasst und wollte sich stattdessen auf seine eigenen Fähigkeiten als erfahrener Straßenhund verlassen. Als freilaufender Hund in der Großstadt sorgte er nicht nur im Pforzheimer Straßenverkehr für die ein oder andere schwierige Situation. „Wir wurden beschimpft und beleidigt“, beschreibt Jurk ihre Bemühungen, die Pforzheimer Facebook-Gruppe „Findet Hündin Lisa“ in deren Eifer zu bremsen.

Falle beim Emma-Jaeger-Bad schnappt zu

Auch über den Nachrichtendienst Whatsapp organisierten sich Lisa-Fans und informierten sich gegenseitig über die Stellen, an denen der Streuner gesehen wurde. „Als wir merkten, dass diesen Menschen mit Vernunft nicht beizukommen ist, haben wir uns komplett zurückgezogen und im Untergrund gearbeitet“, erläutert Jurk. Mit Fernunterstützung einer Tierschützerin aus Wiesbaden, die die Einrichtung von Futterplätzen und den Einsatz der Lebendfallen telefonisch koordinierte, und einer kleinen Gruppe Pforzheimer Tierschützern, versuchten Nadja Jurk und Katja Weiher Lisa mit Hundefutter und Wildkameras näher zu kommen.
Schließlich war es die Falle im Hof der Kindertagesstätte in unmittelbarer Nähe zum Emma-Jaeger-Bad, die in der Nacht zum Samstag zuschnappte. Leergefressene Futternäpfe und Kamerabilder von Lisa hatten letztlich den Standort für die Falle empfohlen. Weil vom Pforzheimer Tierheim zu diesem Zeitpunkt niemand zu erreichen war, wurde Lisa nach Ludwigsburg gebracht.

Jeder wollte sich profilieren

Froh über dieses glückliche Ende ist auch Gabriele Fritz, die den Straßenhund von der Familie übernehmen sollte. „Wir hatten jede Menge schlafloser Nächte.“ Auch sie hat an den Facebook-Hundefreunden wenig Freude gehabt. „Da war die Hölle los. Jeder wollte sich profilieren und den Hund eigenhändig einfangen.“ Jetzt, so Fritz, müsse Lisa erst mal zur Ruhe kommen. Wem der Hund nun eigentlich gehört, ist bislang nicht geklärt.

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