Verhandlung wegen versuchten Todschlags am Landgericht
BEZIEHUNGSDRAMA IN PHILIPPSBURG: Ein 47-jähriger Angeklagter muss sich vor dem Landgericht Karlsruhe wegen versuchten Totschlags an seiner Freundin verantworten. | Foto: str (Archiv)

Extreme Eifersucht vor Gericht

Mit Schürhaken auf Freundin eingeschlagen

Von Ekard Kinkel

Eifersucht, Verzweiflung und Alkohol waren die Zutaten eines Beziehungsdramas in Philippsburg, das jetzt vor dem Landgericht Karlsruhe verhandelt wird. Weil er seine Freundin am Ende eines Streits mit einem Schürhaken angegriffen und schwer verletzt hat, muss sich ein 47 Jahre alter Kurpfälzer seit Dienstag wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten.

Landgericht Karlsruhe: Versuchter Totschlag aus Angst vor Trennung?

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat der Angeklagte am Abend des 23. November mehrfach mit einem Metallschürhaken auf seine 51-jährige Lebensgefährtin eingeschlagen. Der 47-Jährige sei „extrem eifersüchtig“ gewesen und habe seine Freundin aus Angst vor einer Trennung töten wollen, begründete die Staatsanwältin die Anklage.

Sohn kommt seiner Mutter zur Hilfe

Die 51-Jährige erlitt durch die Schürhakenschläge eine Platzwunde am Kopf sowie Prellungen an Schädel und Schulter. Außerdem brach ihr der Angeklagte durch einen Schlag auf den zur Abwehr hochgehaltenen Unterarm den Ellenknochen. Erst als der Sohn der 51-Jährigen seiner Mutter zur Hilfe eilte, lies der 47-Jährige von seinem Opfer ab. Als die Frau dann nach draußen eilte, kamen ihr durch die Schreie alarmierte Nachbarn zur Hilfe. Bis die Polizei am Tatort eintraf, schnitt sich der Angeklagte im Schlafzimmer der Wohnung aus Selbstmordabsicht mit einem Teppichmesser in den Hals. Durch eine intensivmedizinische Behandlung konnte das Leben des Angreifers aber gerettet werden.

Es sollte doch „ein besonders schöner Abend“ werden

Der 47-Jährige räumte die Tat durch eine von seinem Verteidiger verlesene Erklärung weitgehend ein, wies jedoch die Tötungsabsicht von sich. Er habe weder weit ausgeholt, noch mit der Spitze des Schürhakens zugeschlagen oder auf den Kopf gezielt, betonte der Angeklagte.

Die 51-Jährige sei die „Liebe seines Lebens“ und er habe stets eine „harmonische Beziehung“ mit ihr angestrebt. Außerdem sei er ein „friedlicher Mensch“. Am Tatabend habe er sich und seiner Freundin einen „besonders schönen Abend“ machen wollen und deshalb Kerzen angezündet, Sekt aufgemacht und Stimmungsmusik aufgelegt. Als seine Freundin lange nicht nach Hause kam, sei er „sehr enttäuscht“ gewesen und habe mehrere Gläser Rum getrunken. Aus heutiger Sicht komme ihm die Situation „grotesk“ vor, betonte der Angeklagte, „aber ich war überfordert und total gestresst“. Der Angeklagte und seine Lebensgefährtin lernten sich bereits 1992 kennen und waren bis auf eine längere Unterbrechung seither ein Paar.

„Ich wollte mich trennen und wieder ein normales Leben führen“

Doch weil sich die Frau in einen Kollegen verliebt hatte, steckte die Beziehung seit mehreren Wochen in einer Krise. „Ich wollte mich trennen und wieder ein normales Leben führen“, sagte die Frau, aber der 47-Jährige habe sie durch seine Eifersucht und seine Gefühlsausbrüche immer wieder „psychisch unter Druck“ gesetzt. Auch finanzielle Schwierigkeiten machten dem Paar zu schaffen.
Nach mehreren Jahren als selbständiger Unternehmer hatte der Angeklagte rund 400 000 Euro Schulden angehäuft und stand kurz vor der Insolvenz.

Am 1. Juli wird der Prozess im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe fortgesetzt.