Schützenswert oder nicht? – Solange diese Frage im ehemaligen Kino in der Lichtentaler Straße in Baden-Baden nicht geklärt ist, liegt eine Neubebauung auf Eis. Anfang 2017 soll eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorliegen.
Schützenswert oder nicht? – Solange diese Frage im ehemaligen Kino in der Lichtentaler Straße in Baden-Baden nicht geklärt ist, liegt eine Neubebauung auf Eis. Anfang 2017 soll eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorliegen. | Foto: Bernd Kappler

Altes Kino Baden-Baden

Pläne liegen auf Eis

 

Beim Rundgang durch die Südliche Neustadt in Baden-Baden mit Staatssekretärin Katrin Schütz spielte natürlich auch eines der Ankerprojekte eine Rolle: Das ehemalige Kino in der Lichtentaler Straße und die Nachbargelände. Die Flächen hat ein russischer Investor erworben. Er will sie vollkommen neu mit einem Wohn- und Geschäftshaus, dem Victoria-Palais, bebauen.

Denkmalschutz ungeklärt

Nach wie vor ungeklärt ist, ob er das darf, erläuterte OB Margret Mergen der Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, das auch für den Denkmalschutz zuständig ist. Der Saal des ehemaligen Kinos, in dem die Brauerei Sinner zu Hause war, steht bekanntlich unter Denkmalschutz.
Ob dies unter wirtschaftlichen Gründen gerechtfertigt ist, lässt der Investor derzeit überprüfen. Wie der Vermittler, Karl Herle von Augusta-Immobilien, im BNN-Gespräch mitteilte, steht die Bestandsaufnahme durch ein Berliner Fachbüro kurz vor dem Abschluss. Das Problem: Es gibt überhaupt keine Pläne der ursprünglichen Bausubstanz. Mithin musste das ganze Gebäude innen neu vermessen und planerisch aufgenommen werden. Ursprünglich war geplant, dass dies durch Studenten des Karlsruhe KIT erfolgen soll. Zwischenzeitlich habe man sich für das Berliner Büro entschieden, das auf solche Fragen spezialisiert sei, erläuterte Herle.

Wirtschaftliche Bewertung

Als nächster Schritt steht dann Anfang des kommenden Jahres die wirtschaftliche Bewertung an, mit der Frage, ob dem Eigentümer die Aufrechterhaltung des Denkmalschutzes wirtschaftlich zugemutet werden kann. Karl Herle hat da erhebliche Zweifel. Denn nach dem Auszug des Kinos sind Bausünden der vergangenen Jahrzehnte ans Tageslicht gekommen. So waren schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als das erste Kino im „Sinner-Saalbau“ eingerichtet worden war, die Fenster des Saals zugemauert worden. 1970 und danach erfolgten weitere Umbauten, die zum Teil schwer in die alte Bausubstanz eingegriffen haben.

Das Landesdenkmalamt stuft den repräsentativen Brauereigasthof gleichwohl als bedeutsam für die Wirtschaftsgeschichte der Gründerzeit im Großherzogtum Baden ein.

21 Wohneinheiten geplant

Das Konzept des Frankfurter Architekten Stefano Turri sieht auf dem 1 780 Quadratmeter großen Gesamtgrundstück 21 Wohneinheiten mit Wohnungsgrößen von 50 bis 170 Quadratmeter und drei Gewerbeeinheiten mit 150 bis 325 Quadratmeter Fläche vor. In einer von der Maria-Viktoria-Straße aus zugänglichen Tiefgarage sind 28 Stellplätze vorgesehen. Zu deren Bau müsste aber das alte Kino abgerissen werden. Nur die Fassade soll erhalten bleiben.