SCHIEFLAGE AM KARLSRUHER INSTITUT FÜR TECHNOLOGIE: Der notwendige wirtschaftliche Reformkurs der renommierten Forschungseinrichtung sorgt derzeit für großen Ärger.
SCHIEFLAGE AM KARLSRUHER INSTITUT FÜR TECHNOLOGIE: Der notwendige wirtschaftliche Reformkurs der renommierten Forschungseinrichtung sorgt derzeit für großen Ärger. | Foto: Uli Deck

Unmut am KIT über Reformpläne

Die Wut trifft nun den Vizepräsidenten

Es brodelt immer heftiger am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Nachdem bereits die Klage des Personalrats gegen beschnittene Mitwirkungsmöglichkeiten und die Frustration im akademischen Personal über nicht verlängerte Zeitverträge für große Unruhe sorgt, erreicht der Zwist jetzt auch die oberste Führungsetage: Bei der jüngsten Senatssitzung hat der KIT-Vizepräsident Ulrich Breuer nach Informationen der BNN eine sehr deutliche Abstimmungsniederlage erlitten. Zwar endet die Amtszeit von Finanzchef Breuer erst am 31. Dezember 2017, aber die Abstimmung, die als nicht bindend gilt, sollte ein frühes Signal für eine Vertragsverlängerung setzen. Die große Mehrheit der Senatsmitglieder aus den Instituten und Forschungseinrichtungen des KIT versagte ihm jedoch die Gefolgschaft.

Vorbehalte gegen Breuer – aber auch Unterstützung

Sowohl im ehemaligen Forschungszentrum wie auch an der traditionsreichen Universität, die zum KIT verschmolzen wurden, gibt es offenbar große Vorbehalte gegen Breuer. Ein Mitarbeiter sprach von einer „Spur der Verwüstung“, die derzeit durch die Einrichtung gezogen würde. Für andere KIT-Mitarbeiter hingegen kam dieser Knall überraschend. Gilt Breuer doch als nahbare Führungsfigur. „Er ist hemdsärmlig im positiven Sinne“, sagt ein KIT-Angehöriger. „Mit ihm kann man reden, bei ihm findet man eine offene Tür und muss nicht wochenlang auf einen Termin warten.“ Die KIT-Führung will sich nicht zu den Gründen für die Probe-Revolte gegen Breuer äußern. Die Pressesprecherin ließ auf Anfrage verlauten, dass über „die Fortsetzung der aus Sicht des Präsidiums sehr guten Zusammenarbeit mit Ulrich Breuer und seine mögliche Wiederwahl“ Aufsichtsrat und KIT-Senat im Dialog stünden. Und weiter: „Erste interne Beratungen haben noch nicht zu einem Einvernehmen geführt. Das Verfahren wird fortgesetzt.“ Offiziell neu bewerben muss sich Breuer erst im kommenden Jahr. Als Vizepräsident für Wirtschaft und Finanzen fällt ihm die undankbare Aufgabe zu, die über 9000 Mitarbeiter zählende Forschungsanstalt streng auf mehr Wirtschaftlichkeit zu trimmen.

„Es gibt keinen Weg zurück“

Noch gibt es ein Nebeneinander von Strukturen des ehemals selbstständigen Forschungszentrums und der Universität. Als Freund klarer Worte tritt Finanzchef Breuer da gerne auf. „Es gibt keinen Weg zurück“, hielt er all denen entgegen, die sich nicht mit der Fusion abfinden können und von alten Zeiten träumen. Das KIT sei „zum Erfolg verdammt“, erklärte Breuer einmal. Und „verdammt“ war das KIT in den vergangenen Jahren vor allem auch zum Sparen. Eine Lücke von fünf bis sechs Millionen Euro drohte bereits im Haushalt des Uni-Sektors, als Breuer Anfang 2012 ans KIT wechselte. Der promovierte Physiker hatte zuvor als kaufmännischer Geschäftsführer des Berliner Helmholtz-Zentrums für Materialien und Energie im Management gearbeitet. Er kam als Einsparer und Sanierer nach Karlsruhe, und nur ein halbes Jahr später verschärfte sich die finanzielle Situation: Die Forscher des KIT konnten den Titel der Exzellenzuniversität nicht verteidigen – das bedeutete mittelfristig weitere deftige Einbußen in zweistelliger Millionenhöhe. Breuer musste einen noch strammeren Sparkurs verordnen. Er warb zum Beispiel öffentlich für die Idee, die Institute zum Stromsparen zu erziehen, indem sie die Energiekosten von eigenen Budgets bestreiten sollten. Solche Ansagen riefen keine Begeisterungsstürme bei den Institutsleitern und Dekanen hervor, die im fusionierten KIT ohnehin nicht mehr ganz so frei wie früher agieren können.

Quittung bei der Senatssitzung?

Auch bei der weiteren Verschmelzung der beiden KIT-Welten drückte Breuer von Anfang an aufs Tempo. Dass beispielsweise drei Alarmzentralen existierten, erachtete er als unhaltbar. „Man muss auch lieb gewordene Gewohnheiten hinterfragen“, mahnte er. Von Anfang an war klar, dass einige selbstständige Abteilungen in beiden KIT-Häusern nach der Fusion verschwinden würden, doch sieben Jahre nach der offiziellen KIT-Gründung kochen die Emotionen in diesen Herbstwochen neu hoch: Die große Reform der KIT-Dienstleistungseinheiten steht an, inklusive Schließung einiger Angebote wie Druckerei und Wäscherei (die BNN berichteten ausführlich). Bekam Breuer auch dafür die Quittung bei der Senatssitzung? Bei den KIT-internen Verhandlungen spielte der Vize-Präsident jedenfalls eine zentrale Rolle. Allerdings bescheinigen ihm einige Betroffene, dass gerade er sehr offen das Gespräch mit den KIT-Angehörigen gesucht habe und auf „größtmögliche Transparenz“ geachtet habe. Einige KIT-Insider vertreten auch die These, dass das Misstrauensvotum „nicht auf die Person Breuer zielte“, sondern dass es um ein „stellvertretendes Signal“ gegenüber der gesamten KIT-Führungsspitze ging.

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