UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der Generalversammlung.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der Generalversammlung. | Foto: dpa

Wer folgt auf Ban Ki Moon?

Endspurt für den UN-Generalsekretär

Von Johannes Schmitt-Tegge

New York.  „Wir können nicht alles auf einmal verändern.“ Als Ban Ki Moon diesen Satz im Jahr 2006 bei seinem Antritt als UN-Generalsekretär sagte, schien der Südkoreaner sich keine großen Illusionen zu machen: Die Vereinten Nationen sind ein schwerfälliger, bürokratischer Apparat, die Entscheidungswege lang, die politische Durchschlagskraft begrenzt. Zehn Jahre später ist einiges geschafft. Doch wenn Ban das Amt Ende Dezember abgibt, wird er dem Nachfolger oder der Nachfolgerin so manch offene Baustelle hinterlassen müssen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon spricht auf seiner letzten Generaldebatte in New York.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon spricht auf seiner letzten Generaldebatte in New York. | Foto: dpa

Großes Geschachere

Viele  Staats- und Regierungschefs preisen den 72-Jährigen  für seine Erfolge, etwa beim Klimawandel oder bei den Frauenrechten. Vor und hinter den Kulissen der UN-Zentrale in New York wird längst um die Nachfolge vo Ban Ki Moon geschachert. Eigentlich hatten sich die UN dabei für dieses Jahr Transparenz auf die Fahnen geschrieben. Neue Bewerbungen wurden öffentlich verkündet, in einer per TV übertragenen Diskussionsrunde erläuterten Kandidaten, warum ausgerechnet sie einen der wichtigsten Posten internationaler Diplomatie besetzen sollten. Doch kurz vor der für Oktober erwarteten Entscheidung hat sich die Debatte in die Hinterzimmer verlagert.

Knifflige Personalie

Wie knifflig die Personalie geworden ist, zeigte schon der Ärger zwischen Berlin und Moskau um Kristalina Georgiewa. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll sich bei Russlands Präsident Wladimir Putin für die aus Bulgarien stammende EU-Kommissarin stark gemacht haben, die im EU-Parlament derselben Fraktion angehört wie Merkels CDU. Dafür müsste Bulgarien aber die Kandidatur Irina Bokowas, Leiterin der UN-Kulturorganisation Unesco, zurückziehen, die vielen Ländern als zu russland-freundlich gilt. Einige vermuten, dass Russland den Inhalt des Gesprächs zwischen Putin und Merkel ausplauderte, den Berlin in scharfen Tönen zurückwies.

Druck von Putin?

Fraglich bliebe in dem Fall: Baut Putin Druck auf, weil er wie im Syrien-Konflikt als ernstzunehmender Mitspieler auf der Weltbühne verstanden werden will? Ist er bereit, seine Unterstützung Bokowas aufzugeben, etwa als Faustpfand für die Verhandlungen um einen Frieden in Syrien? Und könnten diese Manöver gar dazu führen, dass am Ende ein ganz anderer Überraschungskandidat wie der slowakische Außenminister Miroslav Lajcak das Rennen macht? So oder so sieht das ungeschriebene Rotationsprinzip der UN vor, dass ein Kandidat aus Osteuropa an der Reihe wäre. Zudem häufen sich die Stimmen, die erstmals in der Geschichte eine Frau an der UN-Spitze sehen wollen.

Viele Sorgen

Gewählt wird der Generalsekretär von der Vollversammlung auf Vorschlag des Rats. Ban Ki Moon dürfte froh sein, sich aus diesem Gerangel heraushalten zu können. Überhaupt hat er in seinen letzten Monaten ganz andere Sorgen: Das Pariser Klimaschutzabkommen, das zusammen mit den in vielen Punkten erreichten Jahrtausendzielen zu Bans größten Erfolgen zählt, ist noch immer nicht in Kraft. Womöglich bis zu seinen letzten Tagen im Amt wird der diplomatische Ban versuchen, so viele Staaten wie möglich zur Ratifizierung zu bewegen (nötig ist der Beitritt von 55 Staaten, die 55 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes ausmachen).

Alte Versprechen

Die Flüchtlingskrise sowie Konflikte in Syrien, Nahost, um Nordkoreas Atomtests oder den uralten Streit zwischen griechischen und türkischen Zyprern wird Ban auf den letzten Metern kaum lösen. Der Südkoreaner sagte bei seinem Amtsantritt vor zehn Jahren: „Das wahre Maß für den Erfolg der UN ist nicht, wieviel wir versprechen, sondern wieviel wir liefern für diejenigen, die uns am meisten brauchen.“