Annette und Lutz Barth zeigen die Requisiten für  die Präsentation "Mensch Luther", die im kommenden Jahr in Pforzheim und Karlsruhe stattfinden soll.
Annette und Lutz Barth zeigen die Requisiten für die Präsentation "Mensch Luther", die im kommenden Jahr in Pforzheim und Karlsruhe stattfinden soll. | Foto: Alabiso

Reformation als eine Zeitreise

Projekt der Landeskirche zum Luther-Jahr 2017

Was würde Martin Luther wohl dazu sagen, wenn er wüsste, dass ihm 500 Jahre nach seiner revolutionären 95 Thesenaktion in Wittenberg die evangelische Landeskirche in Baden ein Projekt widmet, das sein Leben, sein Wirken und seine sicher auch etwas ambivalente Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellt? Gewährt werden diese ganz speziellen Einblicke in das Leben des Reformators in der Schlosskirche in Pforzheim und in der Matthäuskirche in Karlsruhe.

500 Jahre Reformation

So wird es geschehen im Jahr des Herrn 2017. Dann nämlich jährt sich die Reformation zum 500. Male, ein Datum, das gefeiert werden soll und deshalb lädt die evangelische Landeskirche in Baden zu einer ganz besonderen Performance ein: „Mensch Luther“ – eine Zeitreise mit Eindrücken für alle Sinne. Entwickler, Gestalter und Regisseure dieser Spurensuche nach Luther und seiner Welt, sind Annette und Lutz Barth, die sich bereits mit Projekten der evangelischen Landeskirche wie Sinnenpark oder Ostergarten einen Namen im gesamten deutschsprachigen Raum gemacht haben.

Einblicke in das Leben Luthers

Jens Adam, stellvertretender Dekan in Pforzheim, findet es „historisch sehr plausibel, diese Zeitreise in der Pforzheimer Schlosskirche zu zeigen.“ Adam erinnerte dabei an die Nähe zu Johannes Reuchlin, einem der Vorreiter der religiösen Revolution. Ziel der Schau sei es schließlich, die Reformation erfahrbar zu machen und auszuloten, „was sie mit unserer Gegenwart zu tun hat.“ Auch Dekan Thomas Schalla aus Karlsruhe findet, dass die Reformation und Luther keine Sache der akademischen Theologie alleine seien, sondern lebendig und nachvollziehbar dargestellt werden müsse.

Zwei Kirchen wurden ausgewählt

350 Quadratmeter Raum werden benötigt, um die verschiedenen Stationen der Zeitreise zu präsentieren. Die beiden Kirchenhäuser wurden auch deshalb ausgewählt, weil sie die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen. Während der Schau werden sie komplett leergeräumt, Gottesdienste finden nicht statt. „Wir brauchen Räume die hoch genug sind und keine Säulen haben“, erklärt Lutz Barth. 130 große Kulissenteile hat die Performance, je nach Szene sind sie zum Teil dreh- und veränderbar, allein 13 Teile sind über 2,30 Meter hoch, eines über fünf Meter breit. Die Kulissen zu gestalten so Lutz Barth weiter, sei das Schwierigste gewesen. Entstanden ist schließlich eine Mischung aus Fotografie und Malerei, die am Computer zurechtgebaut wurde. Noch stehen lagern die Requisiten in einer ausgedienten Tennishalle in Graben-Neudorf.

15 000 Besucher werden erwartet

„Ein Projekt von dieser Größe und von diesem Umfang gab es in der badischen Landeskirche noch nie“, informiert Axel Ebert, Leiter der Abteilung Missionarische Dienste im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe. Man erwarte pro Inszenierung rund 15 000 Besucher , die alle Reformation sinnlich erleben wollen. Ebert vertraut ganz auf die bewährte Arbeit von Annette und Lutz Barth, die bereits seit dem Jahr 2000 für mehrere Projekte in der badischen Landeskirche verantwortlich waren. Die Sinnenarbeit sei ein Erfolgsmodell geworden.
Auch diesmal setzen die Initiatoren wieder darauf, alle Sinne anzusprechen Für die Dauer von rund einer Stunde führen ein Knecht und eine Magd in Originalgewändern jener Zeit die Besucher über abwechslungsreiche Stationen mitten hinein in zentrale Situationen des Reformationsgeschehens. Lebhafte Hörszenen und interaktive Elemente nehmen den Zeitreisenden mit in die spannende Zeit des Um- und Aufbruchs. „man sieht, hört, riecht und schmeckt“ Geschichte“. Es gibt viele liebevoll gestaltete Details und spannende Informationen die, so hoffen die Verantwortungsträger der Landeskirche Impulse für interessante Diskussionen und weiterführendes Nachdenken bieten.