Wasserfilter für Kamerun
Michael Vetter (links) und Andreas Weck haben einen Wasserfilter für Kamerun entwickelt. | Foto: Friedrich

Anlage wird verschifft

Rastatter filtern Wasser in Kamerun

Von Stephan Friedrich

Rund 20 000 Euro an Spendengeld haben Andreas Weck und seine Mitstreiter bereits gesammelt. Ihr Ziel: Eine Wasserfilteranlage für das Krankenhaus in Fontem (Kamerun) bauen. Obwohl dazu noch rund 5 000 Euro an Spenden fehlen, wurde mit dem Bau bereits begonnen. „Pfarrer Ralf Dickerhof hat uns ermutigt zu beginnen“, sagt Andreas Weck und präsentiert die ersten zusammengebauten Teile der neuen Anlage. Diese soll Ende September verschifft und von ihm sowie weiteren Helfern aus Rastatt Anfang 2017 vor Ort aufgebaut werden.

Braune Brühe voller Kolibakterien

Bereits vor gut einem halben Jahr haben sich Andreas Weck und Markus Reuter ein Bild der Lage vor Ort gemacht. Fontem liegt mitten im Busch und ist nur schwer mit dem Auto zu erreichen. „Alleine für die letzten 40 Kilometer haben wir mehr als drei Stunden über eine Buckelpiste benötigt“, berichtet Andreas Weck. Vor Ort werden das Krankenhaus und die Wasserstellen, an denen sich die Einheimischen versorgen, aus einem Fluss gespeist. Dieser führt gerade in der Regenzeit eine braune Brühe voller Kolibakterien. „Das dreckige Wasser macht die Leute krank“, berichtet Michael Vetter, der sich bereits jetzt ebenso wie seine Mitstreiter mit weit über 100 Stunden ehrenamtlicher Arbeit in das Projekt eingebracht hat. In den Garagen der Helfer und bei den Murgtalwerkstätten sind verschiedene Filtersysteme und Wasserbecken aufgebaut worden. „Wir wollen alles einmal komplett testen, ehe es Ende September in einen großen Überseecontainer kommt, der dann per Schiff von Karlsruhe nach Rotterdam und dann über den Ozean nach Kamerun gebracht wird“, berichtet Andreas Weck. Vor Ort will er die Anlage dann Anfang 2017 gemeinsam mit Michael Vetter sowie Markus und Jörg Reuter in Betrieb nehmen und die einheimischen Helfer schulen.

Filter schaffen den doppelten Wasserbedarf

Das Flusswasser soll dann zunächst durch vier Becken fließen, in denen sich ein Großteil des Schlamms absetzen kann. An die Filterbecken angeschlossen werden verschiedene Sandfilter, die das Wasser mittels Glasgranulat weiter reinigen. Abschließend sorgen spezielle UVE-Lampen dafür, dass 99,9 Prozent aller Keime und Bakterien abgetötet werden. „Bisher wurde durch das belastete Wasser aus dem Fluss Krankheiten wie Typhus und Durchfall verursacht. Dies soll sich nun bald ändern“, sagt Andreas Weck. Die Anlage wird zweifach aufgebaut, damit Wasser jederzeit auch bei Reinigungs- oder Reparaturarbeiten einer Anlage zur Verfügung steht. Insgesamt ist das Filtersystem auf 8 000 Liter Wasser pro Stunde ausgelegt. „Der Bedarf beträgt aktuell rund die Hälfte, sodass wir auch für eine Kapazitätsausweitung im Krankenhaus gut gewappnet sind“, so Michael Vetter. Das „Mary Health of Africa General Hospital“ hat derzeit rund 120 Betten und wurde vor gut 50 Jahren von der Fokolar-Bewegung gegründet. „Alles macht einen guten Eindruck. Nur die Wasserfilteranlage ist absolut überaltert und fällt teilweise komplett aus“, berichtet Andreas Weck von den Eindrücken seines letzten Besuchs vor Ort.

Ersatzteile gibt es vor Ort

In Rastatt zeigt er sich froh und dankbar über zahlreiche Helfer und Spender, die die Umsetzung des Projektes erst ermöglicht haben. So wurden die großen Tanks komplett von einem Waschanlagenbetreiber aus dem Elsass gespendet, während ein anderer Helfer den Container kostenlos zur Verfügung stellt. Geld kosten die zahlreichen weiteren Bauteile der Anlage. „Dabei haben wir darauf geachtet, dass fast alle Teile auch in Kamerun organisiert werden können, so dass die Helfer vor Ort Reparaturen selbstständig durchführen können“, so Andreas Weck. Froh zeigt er sich auch, dass die star.Energiewerke sich bereiterklärt haben in den kommenden Wochen einen Hydrantenanschluss zur Verfügung zu stellen, mit dem die Wasserfilteranlage einmal komplett getestet werden kann, bevor sie wieder in Einzelteile zerlegt ihren Weg in Richtung Afrika antritt.
Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird die fast fertige Anlage am kommenden Sonntag, 3. Juli, beim Pfarrfest der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde im Rastatter Münchfeld. Nach dem Gottesdienst erklären Andreas Weck und seine Mitstreiter, die für den Einsatz in Kamerun allesamt zwei Wochen Urlaub nehmen wollen, wie das Wasser genau gefiltert wird. Der Erlös des Pfarrfestes ist zur Finanzierung der letzten Bauteile bestimmt, für die die engagierten Rastatter weiter auf Spenden hoffen.