Die Gemeindeverwaltung Bühlertal besteht aktuell aus dem denkmalgeschützten Hauptgebäude und zwei ehemaligen
Wohnhäusern links neben und hinter dem Altbau. Beide werden in Zukunft nicht mehr benötigt.
Die Gemeindeverwaltung Bühlertal besteht aktuell aus dem denkmalgeschützten Hauptgebäude und zwei ehemaligen Wohnhäusern links neben und hinter dem Altbau. Beide werden in Zukunft nicht mehr benötigt. | Foto: Ulrich Coenen

Rathaus Bühlertal

Weiße Hochzeit über den Dächern

Das Bühlertäler Rathaus ist weder funktional noch repräsentativ. Die Gemeindeverwaltung besteht aus drei sehr unterschiedlichen Bauwerken. Im Zentrum erhebt sich das denkmalgeschützte Hauptgebäude, das von zwei später umgenutzten Wohnhäusern flankiert wird. Wie der Zufall so spielt: Beim Rathaus 3 hinter dem Hauptgebäude handelt es sich um das Elternhaus des heutigen Bürgermeisters Hans-Peter Braun. Die Gemeinde hat die Karlsruher Architekten Adler + Retzbach mit der Überplanung dieses in den vergangenen Jahrzehnten gewachsenen Ensembles beauftragt.

Rathaus 3 wird abgerissen

Bis September 2018 wird sich das Erscheinungsbild der Verwaltung völlig verändern. Lediglich der denkmalgeschützte Altbau an der Hauptstraße wird weiterhin als Rathaus genutzt. Rathaus 3 wird abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt. Rathaus 2 (links neben dem Denkmal) bleibt zwar erhalten, wird aber in Zukunft von der Gemeinde nicht mehr für Verwaltungszwecke genutzt. Investiert werden 2,58 Millionen Euro.
Die Pläne, die die Architekten bereits im Juli bei der Bühlertäler Baurechtsbehörde eingereicht haben, sind reizvoll. Das bisherige inhomogene Konglomerat aus drei Baukörpern wird einem wohldurchdachten Ensemble weichen, in dem das denkmalgeschützte Rathaus 1 seine beherrschende Stellung behält. An seiner Rückseite wird ab Mai des nächsten Jahres ein zweigeschossiger Neubau mit Flachdach anschließen, der mit dem Altbau durch eine Glasfuge verbunden wird.

Architekten sind preisgekrönt

Adler + Retzbach sind Spezialisten für diese Bauaufgabe. Sie haben bereits die Rathäuser in Ittersbach und Ottenhöfen modernisiert beziehungsweise erweitert und außerdem beim Simplicissimus-Haus in Renchen bewiesen, dass sie ein historisches Haus mit großem Einfühlungsvermögen sanieren und erweitern können. Auch bei diesen Projekten haben die Karlsruher Architekten mit gläsernen Fugen gearbeitet, um alte und neue Bausubstanz zu verbinden. Auf eine solche transparente Fuge wurde beispielsweise bei der in der Öffentlichkeit kritisierten Erweiterung des Rathauses II in Bühl aus Kostengründen verzichtet, so dass der klassizistische Altbau und der moderne Anbau dort geradezu aneinander kleben.
„Wir stellen das denkmalgeschützte Rathaus in Bühlertal frei“, erklärt Andreas Adler im Gespräch mit dieser Zeitung sein Konzept. Der Besucher kann in Zukunft nicht nur die Hauptfassade an der Hauptstraße betrachten. Wenn er die 5,6 Meter breite Glasfuge betritt, die zwischen Alt- und Neubau vermittelt, wird er auch die Rückseite ungetrübt erleben.

Buehlertal vorne
Der Entwurf von Adler + Retzbach zeigt, wie die Hauptfassade des Rathauses in Bühlertal nach der Erweiterung aussehen wird.

Der relativ schlichte Neubau, der in dem steil ansteigenden Gelände an der Rückseite des Altbaus geplant ist, ist deutlich niedriger als das Bestandsgebäude und ordnet sich dem denkmalgeschützten Rathaus in jeder Beziehung unter. Die Architektur des Neubaus wird an der Rückseite durch lang gestreckte Fensterbänder in beiden Geschossen bestimmt. Die Stahlbeton-Skelettbauweise ermöglicht in Zukunft im Inneren eine große Flexibilität, weil sich alle Innenwände bei Bedarf verschieben lassen.

Grundriss ist klar gegliedert

Der Grundriss des Neubaus ist auf beiden Ebenen klar gegliedert. Sechs Büros, die sich jeweils zur Glasfuge öffnen, sind aneinandergereiht. Im Kellergeschoss befinden sich Archivräume, die es in dieser Form bisher in der Gemeindeverwaltung nicht gab. Das Haupttreppenhaus, das Alt- und Neubau erschließt, entsteht in der Glasfuge. Das bisherige Treppenhaus im Altbau bleibt erhalten. Daneben wird, um die die Barrierefreiheit für die gesamte Verwaltung zu erreichen, zusätzlich ein Aufzug eingebaut. Das Dienstzimmer von Bürgermeister Braun und der kleine Sitzungssaal, in dem auch Trauungen möglich sind, werden vom ersten Obergeschoss ins Dachgeschoss verlegt.

Haupteingang wird verlegt

Der bisherige Haupteingang des Rathauses 1 wird übrigens mit Zustimmung der Landesdenkmalpflege von der linken auf die rechte Gebäudeseite verlegt. Dort entsteht ein kleiner Rathausplatz, der auf das Niveau des Sockels von Rathaus 1 angehoben werden soll. Das Raumprogramm der neuen Gemeindeverwaltung ist mit rund 1260 Quadratmeter sehr kompakt. Die nutzbare Fläche vergrößert sich insgesamt nicht, allerdings wird die Verkehrsfläche zugunsten von Büros zurückgedrängt. Ein echter Zugewinn sind die Archivräume im Keller des Neubaus.

Buehlertal hinten
An der Rückseite des Rathauses entsteht nach Plänen von Adler + Retzbach ein Neubau.

Ein Clou der gelungenen Planung von Adler + Retzbach ist die Dachterrasse, die auf dem Neubau entstehen soll und für Verwaltungsmitarbeiter und Hochzeitsgesellschaften zur Verfügung steht. Dort sind bald Sektempfänge mit Blick auf den Schwarzwald möglich.

Rathaus war früher Tabakfabrik

Das heutige Rathaus 1 in Bühlertal ist erst seit dem Jahr 1925 Sitz der Gemeindeverwaltung. Es handelt sich dabei um die ehemalige Tabakfabrik Grau, die von der Kommune gekauft und anschließend für ihre Zwecke umgebaut wurde.
Nach Auskunft der von der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg erarbeiteten Denkmalliste für die Gemeinde Bühlertal entstand das Gebäude bereits um 1840. Ein Foto von 1930 zeigt das Rathaus, das später noch mehrfach umgebaut wurde, bereits fast im heutigen Zustand. Lediglich der große Dachaufbau (Zwerchhaus) an der Hauptstraße fehlt, weil das Dachgeschoss zunächst überhaupt nicht für Verwaltungszwecke genutzt wurde.

Ein vornehmes Gebäude

Das Rathaus ist ein zweigeschossiger Massivbau über hohem Sockelgeschoss mit Eckrustizierung. Während die übrigen Wandflächen verputzt sind, werden die vier Ecken des Gebäudes also durch deutlich hervortretende Quader betont, die dem Bauwerk in der dörflichen Umgebung eine seiner Aufgabe angemessene Sonderstellung und Vornehmheit verleihen.
Die Fassade an der Hauptstraße wird durch sechs Fensterachsen mit hochrechteckigen Sprossenfenstern mit Schlagläden gegliedert. Die beiden Giebelseiten haben jeweils drei Achsen mit einer repräsentativen Eingangsloggia an der linken Seite. Diese wird im Rahmen der anstehenden Sanierung und Erweiterung durch Adler + Retzbach zu einem Nebeneingang umgewandelt. Das Rathaus trägt ein Satteldach. Der Dachreiter mit der Rathausuhr geht auf den Umbau um 1925 zurück.
Zuletzt wurde das Rathaus 1989 und 1990 nach Plänen von Reinhard Häußler (Bühlertal) saniert und an seiner Rückseite um Sanitäranlagen erweitert. Dort gibt es große Fenster, die Adler + Retzbach jetzt im Zusammenhang mit dem rückwärtigen Neubau zu Türen umwandeln.