Viele Erdbeeren sind auf den Feldern regelrecht abgesoffen.
Viele Erdbeeren sind auf den Feldern regelrecht abgesoffen. | Foto: Collet

Einbußen beim Spargel im Landkreis Rastatt

Regen hat die Ernte vermasselt

Das mit dem Wetter und dem Spargel ist eine sehr sensible Sache: Ist es zu trocken, leiden die Pflanzen. Ist es zu feucht und fehlt die Sonne, dann fällt die Ernte geringer aus. 20 bis 25 Prozent weniger Ernteerträge melden die Spargelbauern im Landkreis Rastatt. Bei den Erdbeeren sieht es ähnlich dramatisch aus. Einzelne Sorten haben bis zu 80 Prozent Ausfälle. Andere, etwa die Malwina, stehen im Moment ganz gut da.
Einige Spargelerzeuger haben bereits mit dem Stechen aufgehört, andere bieten noch bis zum Johannistag, 24. Juni, ihre Stangen an. „Das trockene vergangene Frühjahr hängt den mehrjährigen Pflanzen noch in den Knochen“, erklärt Samuel Gesell. In diesem Frühjahr war das Wetter aber auch nicht gerade ideal für die Ernte: Zu unstet, zu nass und zu wenig Temperatur. Gesell ist beim Landratsamt für die landwirtschaftliche Produktion und Kontrolle und für rund 500 bäuerliche Erzeuger zuständig. Die wenigsten von ihnen haben freilich Spargel- oder Erdbeerkulturen. Zu aufwendig ist das Geschäft.
Doch es wird nicht groß geklagt über die Ertragseinbußen. Kompensiert wurden sie durch bessere Preise – für den Erzeuger. Der Verbraucher musste also etwas tiefer in die Tasche greifen. Die Erzeuger äußern sich einigermaßen zufrieden. Die jetzige Verknappung des Spargels wird allerdings nicht mehr für höhere Preise sorgen, so ist sich Gesell sicher. Verteuert wurde der Spargel auch durch den Mindestlohn für die Erntehelfer und dank strikteren Regeln. „Die Erntehelfer dürfen nicht länger als zehn Stunden pro Tag arbeiten“, so Gesell. Bei dem unsteten Wetter allerdings wurde diese Regel für manchen Bauern zum Problem. Auch die Dokumentationspflicht etwa über die Arbeitszeiten bringe einen enormen zusätzlichen Aufwand mit sich.

Die Hoffnung ruht auf der Erdbeersorte Malwina

Bei den Erdbeeren stehen die Bauern mitten in der Ernte. Doch auch hier kräuseln sich die Sorgenfalten: „Es muss sehr viel Ware aussortiert werden“, so Gesell. Die Nässe lässt die Früchte aufplatzen oder verfaulen. Den Verbrauchern wollen die verwässerten Früchte auch nicht so richtig schmecken. „Wir haben hier im Durchschnitt Einbußen von 20 bis 25 Prozent bei den Erträgen“, so Gesell. Auch einige Pflanzenschutzmaßnahmen konnten nicht erledigt werden, weil es zu viel geregnet hat – die Flächen sind einfach nicht mit schwerem Gerät befahrbar. Pilzkrankheiten gefährden die Kulturen.
Erdbeerbauer Rolf Enderle aus Durmersheim bestätigt: Das Wetter war für die drei Hauptsorten Lambada, Darselect und Clery von Beginn an ungünstig. „Die Großmarktpreise sind für uns teilweise nicht mal mehr kostendeckend“, erklärt Enderle.
Erdbeeren, die zu klein sind, aufgeplatzt, verwässert oder nicht lange haltbar, erzielen freilich auch keine guten Preise, gleich ob auf dem Großmarkt oder in der Direktvermarktung. Wer seine süßen Früchte unter Tunnel anbaut, hat da im Moment gewisse Vorteile. Und die Qualität der Früchte hat auch Einfluss auf die Arbeit der Erntehelfer, erklärt Enderle: „Die Schulung der neuen ist aufwendiger.“ Sie müssten erst lernen, welche Früchte zum Verkauf gehen und welche erst gar nicht in den Korb wandern, sondern direkt auf dem Feld bleiben.
Enderle scheint trotz aller Unwägbarkeiten optimistisch gestimmt: „Unsere Hoffnung ruht nun auf der Malwina. Die steht gut da und die ernten wir auch noch die nächsten zwei Wochen. Sie schmeckt gut und eignet sich toll für Marmelade.“