Auf heißem Asphalt kühles Blut bewahren ist regelmäßig auf der A 5 angesagt. Da staut sich beim Autofahrer auch der Frust.
Auf heißem Asphalt kühles Blut bewahren ist regelmäßig auf der A 5 angesagt. Da staut sich beim Autofahrer auch der Frust. | Foto: Alabiso

Genervte Autofahrer auf der A5

Bei „4+0“ ist ein Stau unvermeidlich

Die Baustellen auf der A 5 und der damit einhergehende Stau strapazieren die Nerven der Autofahrern. Lassen sich solche Maßnahmen anders organisieren, gibt es Alternativen, die es erlauben, die Straße in einem angemessenen Zustand zu erhalten und dennoch während der erforderlichen Sanierungsarbeiten den Verkehrsfluss einigermaßen aufrecht zu erhalten? Unser Redaktionsmitglied Matthias Kuld hat bei Matthias Zimmermann vom KIT nachgefragt. Zimmermann ist Abteilungsleiter Straßenbetrieb und -entwurf im Institut für Straßen- und Eisenbahnwesen.
Gibt es denn überhaupt vernünftige Alternativen zur Vorgehensweise der baden-württembergischen Autobahnsanierer?
Die Erhaltung von Straßen unter Verkehr ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Es gibt mehrere Ziele, die man unter einen Hut bringen möchte: Qualität, Dauerhaftigkeit, aber eben auch möglichst geringe volkswirtschaftliche Kosten durch längere Fahrzeiten oder höhere Unfallkosten. Der Bund als Baulastträger der Autobahnen stellt hohe Anforderungen auch an den Verkehrsfluss im Baustellenfall. Allerdings hat man beispielsweise in Hessen eine andere Herangehensweise als in Baden-Württemberg. In Hessen gilt als oberste Maxime, auch während einer Sanierung die gleiche Zahl Fahrstreifen aufrecht zu erhalten. Das ist auf der A 5 derzeit nicht gegeben. Dort stehen im Regelbetrieb jeweils drei Fahrspuren neben dem Standstreifen zur Verfügung. Jetzt sind es je zwei.
Das hieße auf der A 5 bei Karlsruhe dann ein „6+0-Verkehr“: Kann das funktionieren?
Das geht nicht, aber in Hessen wird in diesem Fall mit „5+1“- bzw. 4+2-Verkehr gearbeitet. Das hat allerdings Auswirkungen auf das Bauen, weil auf jeder Fahrbahn zweimal gebaut werden muss. Aber auch für den Fall, eine Fahrbahn komplett frei zu halten von Verkehr, gibt es Modelle mit „5+0-W-Verkehr“, bei denen je nach Verkehrsaufkommen eine Spur wechselweise einer Fahrtrichtung zugeordnet wird. Damit ist auch schon erfolgreich operiert worden.

Immer wieder schwere Unfälle am Stauende

Hängen die Staus mit „4+0“ oder mit Unfällen zusammen?
In erster Linie wohl mit der Verknappung des Angebotes. Aus verkehrlicher Sicht kann man grob etwa folgende Rechnung aufmachen. Auf der A 5 sind in diesem Abschnitt rund 100 000 Autos unterwegs in 24 Stunden. Zehn Prozent davon in der Spitzenstunde. Das sind 10 000 Autos, 5 000 je Richtung. Als grober Anhaltswert gilt im Weiteren, dass eine Spur pro Stunde etwa 1 800 Autos „verträgt“. Man sieht also, dass schon die drei normal zur Verfügung stehenden Spuren so eben ausreichen, um die Verkehrsspitze zu bewältigen. Abgesehen von Ausnahmen sind viele Unfälle im Baustellenbereich auch wegen der geringeren Geschwindigkeit überschaubarer Natur. Aber die Folgen bis zum Abschleppen in Form von Staus sind erheblich. Und gerade am Ende der Staus passieren dann immer wieder schwere Unfälle.
Auf der A 5 wird Beton verwandt. Andernorts nimmt man Asphalt? Wo liegen die Unterschiede?
Verkürzt gesagt: Betonbau ist aufwendiger und teurer, hält aber länger, im Regelfall etwa 30 Jahre. Beton kann eigentlich nur über die ganze Fahrbahnbreite eingebaut werden. Mit Asphalt ist man flexibler, er kann auch in mehreren Bauphasen eingebaut werden, zudem ist er preiswerter. Allerdings hat eine Asphaltdecke eine kürzere Lebensdauer und die oberste Schicht muss immer wieder einmal erneuert werden, was aber deutlich schneller geht als die aktuelle Baumaßnahme auf der A 5. Demgegenüber sind Betonfahrbahnen nur schlecht zu reparieren, wenn sie beginnen, schadhaft zu werden. Da muss man sich entscheiden. Generell lässt sich sagen, dass Beton besonders widerstandsfähig gegen Verformungen durch schwere Lkw ist, deren Anteil auf der A 5 besonders hoch ist. Aber auch mit der richtigen Asphaltmischung kann man das erreichen