Vielfach ausgezeichnet: Die Weisse Arena von Flims und Laax gilt als Dorado der Snowboarder. | Foto: Gaudenzdanuser.com /

Mehrfach prämiertes Skigebiet

Flims und Laax-Dorado der Snowboarder

Mitten in Graubünden liegen Flims und Laax, das Dorado der Snowboarder, das mehrfach als das beste der Schweiz ausgezeichnet wurde:  Die beiden Orte und der Nachbar Falera sind ein Mekka der Schneefetischisten und bringen es zusammen auf  235 Pistenkilometer. Kaum bemerkt wird von den meisten Skifahrern allerdings die schlanke Lady , die einst der ganze Stolz des schmucken Kurortes im Bündner Oberland war, der von der Sonne verwöhnt am Fuß des Flimsersteins liegt. Romantiker gerieten angesichts der historischen Formen ins Schwärmen, ihre Begleiter schätzten ihre Zuverlässigkeit. Nicht mal der Schweizer Heimatschutz konnte ihrem Charme widerstehen und nahm das rote Relikt der Wirtschaftswunderjahre in seine Broschüre „Die schönsten Verkehrsmittel der Schweiz“ auf. Das Bähnli, eine der ältesten Luftseilbahnen der Schweiz, war jahrzehntelang auf das Cassonsgrat hoch über Flims hinaufgeschwebt.  Jetzt streiten sie darüber, ob das im Herbst 2015 stillgelegte Zeugnis schweizerischer Ingenieurskunst noch eine Zukunft hat oder ob eine komplett neue Seilbahn an anderer Stelle nicht die bessere Alternative wäre.

Die Bahn zum Cassonsgrat (rechts) steht still.
Die Bahn zum Cassonsgrat (rechts) steht still. | Foto: wit

Tektonikarena von Flims

Denn ein Verlust ist ihr Ende auf jeden Fall, denn nun führt kein Weg mehr zur „Tektonikarena Sardona“, die seit 2008 zum Weltnaturerbe zählt. Dort stehen die Berge gleichsam Kopf, weil sich an einer markanten und von Weitem gut sichtbaren Linie 300 Millionen Jahre altes Gestein auf viel jüngeres geschoben hat. Vor der Stilllegung der Bahn war das kreisrunde Martinsloch, durch das zweimal im Jahr die Sonnenstrahlen auf die Elmer Kirche fallen, nach einer halbstündigen Wanderung zu sehen. Heute gelangen nur noch die Ausdauerndsten in jene Region, wo man mit eigenen Augen sehen kann, wie die Alpen entstanden sind.

In Flims stehen noch etliche der alten Bündner Häuser.
In Flims stehen noch etliche der alten Bündner Häuser. | Foto: wit

Die erste Skischule

In Flims, wo im Jahr 1931 die erste schweizerische Skischule gegründet worden war, spielt die Musik längst anderswo. Wie ein silberglänzendes Raumschiff thront die futuristische Bergstation Crap Sogn Gion über der halbrunden Schneeschüssel. Es gibt anfängerfreundliche Autobahnen am Crap Masegn, lupenreine rote Routen am Grauberg ebenso wie eine Handvoll schwarzer Höllenritte auf der La Siala und am Vorab-Gletscher. Weil man mit simplen Abfahrtspisten aber keinen Nachwuchs mehr auf den Berg locke – so das Credo von Reto Gurtner, dem ungekrönten König im Tal –, musste noch allerlei Schnickschnack für die Trendsetter unter den Brettelfans her.

Halfpipe für Snowboarder

den alten Menschheitstraum vom Fliegen aus, während in der benachbarten „Noname“-Bar die Kumpel das Actionspektakel im Warmen verfolgen. Wer noch wackelig auf den Brettern steht, lässt sich in der größten Snowboardschule Europas aufpäppeln. Und in der hippen Freestyle-Academy, einer alten Tennishalle, versuchen sich Kinder und Jugendliche an Spins, Jumps und Flips – abgefedert von einem Pool, randvoll gefüllt mit Schaumstoffkissen. Die ganz Mutigen stürzen sich in die Halfpipe, mit 200 Metern Länge angeblich die größte der Welt. Die sieben Meter hohen Seitenwände, deren Anblick all jene entsetzt, für die Berge noch ein Stück Natur und nicht nur ein Freizeitpark sind, entsprechen olympischem Standard. Kein Wunder, dass nicht nur die Schweizer Snowboard-Elite zum Training nach Laax kommt, sondern Teams aus allen Teilen der Welt.

Junge Wilde in Laax

Die Aufgabenverteilung zwischen den einst armen Bündner (Orts-)Schwestern ist klar. Nach Flims, dem ehrwürdigen Bergdorf mit seinen vielen Hotels der Belle Époque, kommen die Genuss-Skifahrer und Flaneure; in Falera, dem 600-Seelendorf mit der 500 Jahre alten St. Remigiuskirche als Mittelpunkt, quartieren sich die Ruhesuchenden ein, und Laax ist für die jungen Wilden reserviert, die tagsüber mit ihren knallbunten Brettern die Hänge hinabsurfen und sich abends an der Playstation in ihren Zimmer im „Riders Palace“ verausgaben. Reto Gurtner, dessen Vater die Erschließung des Skigebiets in die Wege leitete und die Hänge und Bergflanken der Weissen Arena für 99 Jahre pachtete, erachtete die Freestyle-Kultur schon früh als Investition in die Zukunft.

Hippes Völkchen

Während andere Wintersportorte das hippe Völkchen als unerwünschten Störfaktor betrachteten, rollte er den Trendsettern den roten Teppich aus. Gurtner holte die angesagtesten Bands nach Laax, vernetzte sein Reich mit Dutzenden Kilometern Glasfaserkabel und feierte 1995 das erste Internetcafe in den Bergen. Heute gehören 29 Bergbahnen, zwei Dutzend Restaurants und eine Handvoll Hotels zu seinem Imperium, der Weisse-Arena-Gruppe. Er machte aus dem Graubündner Naturidyll einen Global Player.

Rund um das Crap Sogn Gion gibt es eine ganze Reihe herrlich breiter Pisten,.
Rund um das Crap Sogn Gion gibt es eine ganze Reihe herrlich breiter Pisten,. | Foto: Gaudenzdanuser.com

Nietzsche war in Flims

Kein Wunder, dass die alte Fremdenverkehrsgarde das Treiben des touristischen Überfliegers gelegentlich mit Bauchschmerzen betrachtet. Denn Flims war schon im 19. Jahrhundert ein angesagtes Ferienziel, wo sich sogar Friedrich Nietzsche rundum wohlfühlte, als er im Sommer 1873 einen Monat im Hotel Segnes weilte, im Caumasee badete, heilsame Molke trank und zu Füßen majestätischer Dreitausender seine komplizierte Seele baumeln ließ. Weil die großartigen Möglichkeiten für Wintersport offensichtlich waren, installierten weitsichtige Hoteliers bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Zentralheizungen in ihren Häusern. Ab 1939 konnten Skifreaks hier den ersten Lift der Schweiz nutzen, einen Motorschlittenzug mit zwei Anhängern, der von einem Raupentraktor gezogen wurde. Sogar an den Komfort während der Bergfahrt hatten die Schweizer Tüftler gedacht und die Anhänger mit Fußheizungen ausgestattet. In dem schmucken Ort stehen Jahrhunderte alte Holzhäuser Seit an Seit mit modernen Bauten aus Sichtbeton, deren Linien die Proportionen der altehrwürdigen Nachbarn respektvoll aufgreifen. An der Hauptstraße thront das gelbe Haus, wo moderne Kunst gezeigt wird, nur ein paar Schritte weiter, im Ortsteil Waldhaus, trifft der Ruhesuchende auf leibhaftige Hotellegenden.

Skifahren bis vor die Haustüre ist in Laax möglich.
Skifahren bis vor die Haustüre ist in Laax möglich. | Foto: Gaudenzdanuser.com

Hotellegenden in Flims

Im „Adula“, nach dem Grand Hotel das erste von Privatleuten erbaute Hotel in Flims-Waldhaus, werden bereits seit 125 Jahren Gäste empfangen. Von außen sieht man dem einstigen Kurhaus sein ehrwürdiges Alter nicht an, doch im Innern kann man viele historische Schätze entdecken – Gemälde unter anderem von Giovanni Giacometti, geschnitzte Truhen und eine einzigartige Holzdecke, auf der sich Mond und Sterne tummeln. „Zeit für das Echte“ lautet das Motto des Hauses, das großen Wert auf Traditionen legt und eine gelungene Verbindung aus Kunstgegenständen mit modernem Design und duftendem Arvenholz eingegangen ist. Im La Mira, dem hauseigenen Spa, knüpft man an jene Epoche an, als der Graubündner Ort noch ein Kurort mir gut betuchten und adeligen Gästen war, nur dass Schwitzstube, Kräutersauna und Rubin-Dampfbad heute auch normalen Menschen offenstehen. Den lieben langen Tag kann man sich dort treiben lassen, auf den Sprudelliegen des Sole-Freibads dem Winter-Wunderland ganz nahe sein oder sich beim Flimser Heubad in der Schwebewanne in süße Träume verabschieden. Spätestens am Abend sollte man jedoch wieder fit sein, für einen Besuch im Gourmet-Restaurant „Barga“, das eigentlich mal ein Tanzlokal war. Weil die damaligen Besitzer Heinz und Myrta Holz einen besonderen Ort schaffen wollten, bestanden sie auf altes Arvenholz. Das fanden sie in zwei alten Häusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, neben schönen, alten Möbeln, die sich bestimmt auch irgendwie verwenden ließen. Noch heute kann man der „Barga“ ansehen, dass Baumaterialien und Einrichtungsgegenstände sorgfältig zusammengesucht wurden.

Informationen

Für Wintersportbegeisterte: Die drei Orte haben 235 Pistenkilometer, überwiegend blaue und rote Strecken. Zudem gibt es große Areale für Tiefschneeabfahrten. 70 Prozent der Pisten liegen zwischen 2 000 und 3 000 Metern. Bei der Bergstation Crap Sogn Gion gibt es vier Snowparks für alle Schwierigkeitsgrade. Die 200 Meter lange Halfpipe gilt als die längste der Welt. Für Langläufer gibt es ein gutes Dutzend Loipen. Wanderer finden ein großzügiges Wegenetz vor. Etliche Strecken sind als Schneeschuhtouren ausgewiesen.

Skipasspreise: Der Sechs-Tages-Pass für Erwachsene kostet in der Hauptsaison 432 Schweizer Franken. Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren zahlen 288 Schweizer Franken, Kinder von sechs bis zwölf Jahren 144 Schweizer Franken. Seniorinnen ab 64 Jahren und Senioren ab 65 Jahren erhalten zehn Rabatt.

Unterkunft: In den drei Orten gibt es sowohl luxuriöse Hotels, als auch Pensionen und Ferienwohnungen. Wer Skifahrens möchte, sollte ein Pauschalpaket buchen – der Skipass für zwei Tage kostet allein schon 151 Schweizer Franken. Das Hotel Adula (Via Sorts Sut 3, 7018 Flims-Waldhaus, Telefon (00 41) 8 19 28 28 28) hat für die Wintersaison verschiedene Pauschalen aufgelegt. „Verliebt im Winter“ ist eine dreitägige Pauschale überschrieben. Sie umfasst zwei Übernachtungen mit Frühstück, ein romantisches Abendessen mit fünf Gängen, ein Käsefondue, eine 50-minütige Paarmassage und vieles mehr. Das Paket kann ab 460 Schweizer Franken im Doppelzimmer gebucht werden.
Die Pauschale „Ski und Wellness“ bietet zwei Übernachtungen mit Frühstück, ein fünfgängiges Abendmenu, einen Drei-Tages-Skipass sowie eine Massage. Kosten: ab 565 Schweizer Franken im Doppelzimmer.
www.adula.ch

Auskünfte: Gästeinformation, Via Nova 62, 7017 Flims, Telefon (00 41)
8 19 20 92 00. www.laax.com.