Lea im Garten
Gartenarbeit statt Kinobesuch: Die Freizeitmöglichkeiten im Ökodorf sind nicht sehr vielfältig. | Foto: Oestreicher

Ötigheimerin in Südafrika

Lea erliegt dem kargem Reiz der Steppe

Die Ötigheimerin Lea Oestreicher war im vergangenen November Praktikantin bei den BNN. Nach ihrem Abitur ist die junge Frau für ein Jahr als Freiwillige nach Südafrika gegangen, wo sie in einem Ökodorf arbeitet. Von ihren Erlebnissen fern der Heimat berichtet die Abiturientin in loser Folge in den Badischen Neuesten Nachrichten. Heute erzählt sie, wie sie auf Afrika kam.

Seit drei Monaten lebe ich in Südafrika. Ich habe vorher weder die Menschen gekannt, mit denen ich jetzt zusammen wohne, noch gewusst wie genau meine Arbeit aussieht, die ich hier ausüben muss. Das hielt mich aber nicht davon ab, hierher zu kommen. Und bisher bereue ich meine Entscheidung auf keinen Fall.
Nachdem meine Eltern mich in den Urlaub nach Namibia mitgenommen haben, gab es für mich keine schönere Vorstellung, als dort eine längere Zeit zu leben. Nicht nur „Flora und Fauna“ faszinierten mich, sondern auch, dass alles so unberührt war. In unserem Jeep konnten wir stundenlang über die Schotterstraßen fahren, ohne einem Menschen, Auto oder Haus zu begegnen.

Wo man hinsieht  Steppe, Büsche, Hügel und Sand

Wo man nur hinsieht Steppe, Büsche, Hügel und Sand. Das wollte ich ständig um mich herum haben. Und da ich sowieso nach dem Abitur noch nicht wusste, was ich studieren möchte, erkundigte ich mich gleich nach unserer Rückkehr vom Urlaub nach Möglichkeiten, ins südliche Afrika zu kommen.
Im Gegensatz zu Australien, Neuseeland oder Amerika ist es nämlich nicht so einfach, alleine durch das Land zu reisen. Ich kann nämlich weder Reifen wechseln, auf einer Gasflasche kochen oder mich gegen wilde Tiere wehren. Noch traue ich mir zu alleine durch ein so dünn besiedeltes Land zu fahren. Zum Vergleich: In Deutschland kommen auf einen Quadratkilometer 231 Menschen, in Südafrika sind es 42 und in Namibia nicht einmal drei.

Freiwilliges soziales Jahr im Ausland

Also musste eine andere Idee her und relativ schnell stieß ich auf „weltwärts“. Das ist ein sogenannter entwicklungspolitischer Freiwilligendienst. Grob zu beschreiben als ein Freiwilliges soziales Jahr im Ausland. Die Entsendeorganisation schickt ihre Freiwilligen immer im September los. Ich war zu dieser Zeit noch nicht 18 und konnte somit noch nicht direkt nach meinem Abitur starten. Da ich aber nicht ein Jahr lang warten wollte, bin ich unabhängig von „weltwärts“ ins Ausland gegangen.

Rassendiskriminierung bis heute zu spüren

Durch Zufall habe ich die Homepage des Deutsch-Südafrikanischen Jugendwerks (DSJW) entdeckt. Das DSJW ist eine Entsendeorganisation, die zwar mit „weltwärts“ zusammenarbeitet, aber schon Jahre vorher mit eigenen Programmen Freiwillige nach Südafrika und früher auch Namibia geschickt hat. Das DSJW wurde 1991 gegründet, um Rassendiskriminierung zu überwinden und die Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß voranzutreiben. Bevor ich nach Südafrika kam, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es hier noch rassistische Menschen gibt, doch die Apartheid ist noch nicht so lange vorbei und die Rassendiskriminierung ist noch deutlich zu spüren.

Auf in’s Ökodorf

Ich habe nicht lange überlegt und meine Bewerbung abgeschickt. Nach ein paar Wochen bekam ich eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Das handelte größtenteils davon, wie ich mir meine Einsatzstelle vorstelle, in welchem Bereich ich gerne arbeiten würde, alleine oder mit anderen Freiwilligen, ob ich ländlich oder urban leben möchte und vor allem wie lange und ab wann ich im Ausland sein will. Nach ein paar weiteren Tagen bekam ich eine Mail vom DSJW: „Tlholego Eco Village“ hätte mich gern für ein Jahr als Freiwillige bei sich („tlholego“ ist setswana und bedeutet „aus der Natur erschaffen“; „eco village“ bedeutet „Ökodorf“). Ich sagte zu, kümmerte mich um mein Visum und im April flog ich nach Johannesburg.

So gut wie keine Freizeitmöglichkeiten

Jetzt arbeite ich in meinem Ökodorf schon mehr als drei Monate. Ich bin total glücklich hier, obwohl es so gut wie keine Freizeitmöglichkeiten gibt (ich lerne gerade zu stricken) und den bitterkalten Nächten (hier ist gerade Winter und es gibt weder Hausdämmungen noch Heizungen oder Ähnliches). Was ich besonders gut an meiner Arbeit finde ist, dass es so abwechslungsreich ist. Ich arbeite entweder im riesigen Garten, in dem Dutzende von Kräutern, Gemüsepflanzen und Obstbäumen angepflanzt werden, betreibe Nachforschungen über außergewöhnliche Pflanzen oder nachhaltige Lebensweisen, nähe Produkte aus recyceltem Material, die wir verkaufen, oder passe auf die Kinder der Einheimischen auf, die hier arbeiten.

„weltwärts“
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat „weltwärts“ als entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Mit „weltwärts“ bekommen Jugendliche zwischen 18 und 28 Jahren die Chance sechs bis 24 Monate in einem Entwicklungsland zu arbeiten. Dabei handelt es sich um Entwicklungsprojekte bei Partnerorganisationen. Engagieren kann man sich in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur und Menschenrechte.
Um an „weltwärts“ teilzunehmen bewirbt man sich zunächst bei einer von 160 kooperierenden Organisationen. In einem Auswahlverfahren entscheidet diese, ob man für einen Freiwilligendienst im Ausland geeignet ist. In Seminaren, die übrigens auch während der Dienstdauer und darüber hinaus stattfinden, werden die Teilnehmer auf ihre Arbeit vorbereitet und lernen die anderen Freiwilligen kennen. Zuletzt wird eine passende Einsatzstelle für jeden einzelnen gesucht.
Den größten Teil der Kosten des Dienstes trägt das BMZ. Die restlichen 2 000 bis 3 000 Euro muss der Freiwillige in Form von Spenden (aus der Familie, Bekannten, Vereinen oder Firmen) selbst beitragen. Jährlich werden etwa 3 500 junge Menschen ins Ausland geschickt und seit 2013 können auch Jugendliche aus Entwicklungsländern einen Freiwilligendienst in Deutschland absolvieren. Neben „weltwärts“ gibt es noch viele andere Programme.