Die späten Kirschsorten könnten von der wechselhaften Witterung profitieren. Experten sagen eine gute Ernte voraus.
Die späten Kirschsorten könnten von der wechselhaften Witterung profitieren. Experten sagen eine gute Ernte voraus. | Foto: Patrick Seeger

Tipps von Karlsruher Experten

Rekordverdächtig große Kirschen erwartet

Von Ekart Kinkel
Viel Ertrag mit wenig Aufwand: Dieser Wunsch vieler Obstbauern kann beim Anbau  von Kirschen durch das Ufo-System erfüllt werden. Dazu braucht es keine unbekannten Flugobjekte, sondern lediglich aufrecht fruchtende Aufsetzer-Triebe (auf Englisch: Upright Fruiting Offshoots). Die Süßkirschen-Produktion mit solchen Trieben wurde maßgeblich an der Washington State University entwickelt und in den vergangenen Jahren auch am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg  untersucht. „Das System hat durchaus seine Vorteile“, betont Obstberaterin Ute Ellwein vom Landratsamt Karlsruhe, „das Pflücken geht einfacher von der Hand, und der Schnitt ist leichter zu vermitteln“. Sie informierte gemeinsam mit Hermann Meschenmoser, Leiter des Obsthofes am LTZ, über die aktuellen Trends beim Kirschanbau. Dabei gab es Tipps für Erwerbsbauern wie für Fachwarte, Obstbauvereine und Hobbygärtner.

Wetter bleibt ein wichtiger Faktor

Einen großen Einfluss auf die Kirschernte hat trotz aller technischer Kniffe und wissenschaftlicher Erkenntnisse aber immer noch das Wetter. „Für die frühen Sorten war der viele Regen in diesem Jahr schlichtweg eine Katastrophe“, so Ellwein. Allerdings könnten die späten Sorten von der wechselhaften Witterung profitieren: Die Obstbauberaterin prognostiziert in den nächsten zwei bis drei Wochen eine gute Ernte mit „rekordverdächtig großen Kirschen“. So viele Früchte mit über vier Zentimetern Durchmesser habe sie in ihrer langjährigen Laufbahn noch nie gesehen, so Ellwein, „und die größten Kirschen schmecken auch noch am besten“.

Nicht zu schneiden ist das Schlechteste

Damit die Kirschen auch gut geerntet werden können, hatten Ellwein und Meschenmoser noch nützliche Ratschläge für den richtigen Baumschnitt parat. „Nicht zu schneiden ist das Schlechteste“, so Ellwein, die zum regelmäßigen Zurückschneiden der Triebe rät: „Die Leute wollen schließlich kompakte Bäume haben, die gut bewirtschaftet werden können.“ Sobald für die Ernte eine Leiter benutzt werden müsse, komme es vor allem bei älteren Menschen regelmäßig zu Unfällen. Ellweins Appell: „Man sollte schon in jungen Jahren daran denken, wo man später hin muss.“ Für den heimischen Garten empfiehlt sie ertragreiche und pflegeleichte Sorten wie Narana, Vanda oder Grace Star.

Vegetation verzögert sich

Der beste Zeitpunkt für einen Baumschnitt ist nach Ansicht der Experten direkt nach der Ernte. Mit dem sogenannten Pinzieren kann aber bereits jetzt begonnen werden. Bei dieser Schnitttechnik werden von den neuen Trieben die Spitzen großzügig abgeschnitten. „An der Schnittstelle entstehen dann im nächsten Jahr mehrere neue Triebe, und der Baum kann künftig mehr Früchte tragen“, so Ellwein. Wenn sich oben am Stamm eines Kirschbaums gleich ein „ganzer Kranz“ von Trieben bildet, sollten diese Triebe aber rigoros entfernt werden, rät Meschenmoser: „Wenn es oben zu dicht wird, wächst unten nichts nach.“
Bis zur Kirschernte müssten sich Obstbauern und Kunden in diesem Jahr noch etwas gedulden, betonte Michael Glas von der LTZ-Abteilung für Pflanzengesundheit, „denn in diesem Jahr sind wir zehn Tage hinter der durchschnittlichen Vegetation zurück.“ Aber: „Wer die Wetterdaten der vergangenen Dekaden miteinander vergleicht, merkt schnell: Es gab schon schlimmere Jahre.“