"Bitte recht freundlich": Eberhard Schneider (Mitte) lächelt für ein Foto der Oberbürgermeisterin.  Rainer Wacker ist Schneiders Nachfolger bei der IG Metall Bruchsal
"Bitte recht freundlich": Eberhard Schneider (Mitte) lächelt für ein Foto der Oberbürgermeisterin. Rainer Wacker ist Schneiders Nachfolger bei der IG Metall Bruchsal | Foto: Heintzen

"Respekt, Kollege!"

Bruchsaler verabschieden Gewerkschafter Schneider

Noch darf sich Gewerkschafter Eberhard Schneider nicht aufs Altenteil zurückziehen: „Die 10 000 Mitglieder schaff’sch du noch!“, gab ihm der Bundesvorsitzender der IG-Metall, Jörg Hofmann, als Arbeitsauftrag mit. Schneider war bislang Erster Bevollmächtiger und Gewerkschaftssekretär der IG Metall für die Region Bruchsal. Im November verabschiedet er sich in die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Offiziell verabschiedet wurde er mit vielen lobenden Worten bereits jetzt, beim Sommerfest seiner Gewerkschaft. Bis November also muss Schneider noch 20 Mitglieder werben, derzeit gehören 9 980 Menschen der Gewerkschaft an.

Die 10.000 Mitglieder schaff’sch du noch

 

Dass sich sogar der Bundesvorsitzende Jörg Hofmann nach Bruchsal aufmachte, zeigt die Bedeutung Schneiders innerhalb der Gewerkschaft und für die Region. 45 Jahre Engagement für die Kollegen – „hierzu kann man laut und deutlich sagen: ,Gut gemacht Kollege, Respekt, Kollege!’’’, rief ihm Hofmann zu. Über 46 Jahre war Schneider in der IG Metall, über 32 Jahre in Bruchsal, die vergangenen elf Jahre als Erster Bevollmächtiger. Als Jugendvertreter hatte der Werkzeugmacher seinerzeit in Ludwigsburg angefangen, sein Weg führte ihn unter anderem nach Frankfurt. „Du warst stets geprägt von aktivem, selbstbewusstem Metallergeist“, so Hofmann. Der stellte freilich auch Schneiders vielfältiges Engagement in der Friedensbewegung und seinen Kampf gegen Rechts heraus. „Unsere Aufgabe ist es, Haltung zu zeigen“, so gab er den Kollegen mit auf den Weg.

Fels in der Brandung

Einen „Fels in der Brandung“ nannte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick den scheidenden Gewerkschafter. „Sie waren krisenfest und hartnäckig, konnten genauso gut aber auch kompromissbereit und ruhig sein“, lobte die OB. Sie erinnerte an die schmerzliche Geschichte von NSN in Bruchsal und an die Kämpfe, die Schneider ausgefochten hat. Klar positioniert habe Schneider damals ein breites Bündnis auf die Beine gestellt. Dass die IG Metall nun ihr Büro ausgerechnet im Techno-Park bezogen habe, beweise, dass immer wieder neue Chancen entstünden.
Im Kampf gegen Nazis warnte die OB: „Eine Hab-Acht-Stellung ist in diesen Tagen mehr als angezeigt.“
Sichtlich gerührt zeigte sich Eberhard Schneider von dem vielen Lob: Er erinnerte sich an Meilensteine seiner Gewerkschafter-Jahre. Etwa den Kampf für die Erholpausen oder die Menschenkette 1982 von Stuttgart nach Ulm gegen die Stationierung von Pershing-Raketen. Schneider erinnerte sich an schlaflose Nächte und harte Kämpfe: „Ich habe gelernt, mit den unterschiedlichsten politischen Gruppen zusammenzuarbeiten.“ Sein Dank galt seinem Team und seiner Familie. „Ich hoffe nicht, dass mich der Geist der Nutzlosigkeit erreicht.“ Er plant eine Kubareise und will sich außerdem weiterhin für das „Bündnis für Menschlichkeit“ einsetzen, so sicherte er zu.
Sein Nachfolger, Rainer Wacker, der Zweite Bevollmächtigte Bruno Nehring und viele andere Weggefährten sowie sein Geschäftsstellen-Team verabschiedeten den engagierten Metaller herzlich.