Rhein Hochwasser
DAS GESCHÄFT GEHT DEN BACH RUNTER: Die Gastronomen Markus Fischer und Katja Weichold am überfluteten Rheinstrand bei Rheinsheim sind genervt. | Foto: M. Heintzen

Land unter am Rhein

„Mir steht das Wasser bis zum Hals“

Der Strand ist weg, die Gäste sind es auch. Doch Markus Fischer ist Kummer gewohnt. Der 49 Jahre alte Gastronom ist seit neun Jahren Besitzer der Tropic-Beach-Strandbar am Rhein bei Philippsburg-Rheinsheim. Fischer erinnert sich beispielsweise mit Grauen an das Hochwasser 2013, als er aus seinem Betrieb Wassermengen geschöpft und Schlammmassen geschaufelt hat.

Die Miene so finster wie der Himmel

Auch in diesen Tagen ist die Miene des gebürtigen Karlsruhers oft so finster wie der Himmel über Südwestdeutschland. „Man kann sich nicht vorstellen, welche Einbußen ich habe“, sagt er.
Starkregen über Wochen hinweg hat den naheliegenden Rhein immens anschwellen lassen, einen Steg am Lokal weggerissen und die Renovierungsarbeiten am Parkplatz fast zur Farce werden lassen. Doch mehr noch: Das nasse und kalte Wetter haben potenzielle Kunden abgeschreckt, die etwas mehr als 200 Sitzplätze sind über Tage leer geblieben. „Ich bin an meinen Grenzen“, stöhnt Fischer.

Ich lebe am Existenzminimum. Mir steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals.

Grenzen, das bedeutet für Markus Fischer nach diesem langen Regenfrühling auch: finanzielle Grenzen. „Ich lebe am Existenzminimum. Mir steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals“, sagt der Gastronom und blickt in die trüben Fluten. Gerade haben Gäste eine in seinem Betrieb geplante Hochzeitsfeier abgesagt, andere Reservierungen wurden zumindest verschoben.

FOTOS: Rheinhochwasser heute bei Karlsruhe. Feuerwehrkräfte und Mitarbeiter des Wasser- und Schiffahrtsamtes haben die Lage im Griff. Nach dem Tageshöchststand von 8,17 Meter (Pegel Maxau) steht die Tendenz seit dem Nachmittag auf „fallend“.


Etwas mehr als einen Kilometer von der Strandbar-Terrasse entfernt sind Leidensgenossen von Fischer zu beobachten. Seit Tagen sitzen auf dem Strom Binnenschiffer fest, die sich zudem auf weitere Geduldsproben einstellen müssen. Petra Herzog, die Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamts in Mannheim, macht den Spediteuren auf dem Wasser jedenfalls wenig Hoffnung. Der Rhein werde „heute stark und morgen weiter“, steigen, sagte sie gestern am Nachmittag. Die kritische Marke am Pegel in Maxau von 7,50 Metern ist überschritten, 8,50 Meter und mehr könnte sie im Verlauf des heutigen Samstags durchaus erreichen.

Aktuelle Daten vom Pegel Maxau gibt es hier auf der Internetseite der baden-württembergischen Hochwasserzentrale.

Warum bei der Binnenschifffahrt zwischen Iffezheim und Philippsburg bei diesen Marken Stillstand herrschen muss, hat laut Amtsleiterin Herzog mehrere Gründe. So ströme in solchen Situationen sehr viel Treibgut aus dem Altrhein in die Verkehrsader zwischen Basel und Rotterdam, die starke Strömung könne für die Kähne in Kurven wie der bei Rheinhausen gefährlich werden, und die starke Wasserverdrängung gefährde möglicherweise die Deiche entlang des Stroms.

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STRANDBAD STATT STRANDBAR: Das Ufer ist weg, die Gäste der Tropic-Beach-Bar in Rheinsheim leider auch. Foto: Heintzen

Fähre sitzt bei Hochwasser auf dem Trockenen

Ernst Hessenauer kennt diese Argumente und muss sie als Opfer der Fluten akzeptieren. Bereits zum zweiten Mal hintereinander ist der Kapitän der Rheinfähre Neptun, auf der gemeinhin Ausflügler zwischen Oberhausen-Rheinhausen und Speyer pendeln, an diesem Wochenende arbeitslos. Von wegen „Fährmann hol‘ über“ – Hessenauer sitzt wegen des Hochwassers auf dem Trockenen. „Das Wetter hat in diesem Jahr noch nie so richtig mitgespielt“, sagt er und berichtet wie Gastronom Fischer von einem „großen Verdienstausfall“.

VIEL WASSER, WENIG VERKEHR: Am Rhein bei Rheinsheim sorgt das Hochwasser für Stillstand bei Schifffahrt und in Ausflugslokalen.
VIEL WASSER, KAUM VERKEHR: Am Rhein bei Rheinsheim sorgt das Hochwasser für Stillstand. Foto: Heintzen | Foto: M. Heintzen