Der Altbau des Windeck-Gymnasiums: Hier herrscht Handlungsbedarf.
Der Altbau des Windeck-Gymnasiums: Hier herrscht Handlungsbedarf. | Foto: Bernhard Margull

Bühl: Gymnasium im Blickpunkt

Sanierung oder Neubau – das ist die Frage

Soll der vor viereinhalb Jahrzehnten errichtete Altbau des Bühler Windeck-Gymnasiums saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden? Um sich über die unterschiedlichsten Facetten beider Optionen zu informieren und so eine Entscheidungsgrundlage für die drängende Frage zu schaffen, haben Vertreter von Stadtverwaltung, Gemeinderat und Schule zwei Schulen in Rheinstetten und Karlsruhe besichtigt. Diese hatten vor ähnlichen Herausforderungen gestanden, wie sie sich in Bühl zeigen, und haben darauf unterschiedliche Antworten gefunden. Die beiden Schulen waren in Absprache mit dem Bühler Schulleiter Bruno Bangert und seiner Stellvertreterin Andrea Körner ausgewählt worden.

Intensive Diskussion

Das Walahfrid-Strabo-Gymnasium im Rheinstettener Ortsteil Mörsch, zu Beginn der 1970er Jahre erbaut und nach einem Abt des Klosters Reichenau benannt, wird derzeit umfassend saniert und erweitert (das Schulzentrum beherbergt auch eine Realschule und bietet Platz für rund 1 000 Schüler). Intensiv war über die Frage Neubau oder Sanierung diskutiert worden; das reichte hin bis zu einem Bürgerentscheid, dessen Quorum aber verfehlt wurde. Manche Gründe für die Notwendigkeit des Handelns waren identisch mit jenen in Bühl, wie Schulleiter Helmut Endlich berichtete: Die Fenster waren nicht mehr dicht, das Dach ebenso; dazu kamen aber spezifische Probleme wie eine Asbest-Belastung, und später stellte sich heraus, dass ein zur Dämmung verwendeter Kleber hoch giftig war.

d
In modern ausgestatteten Containern wird in Mörsch unterrichtet. Foto: Lienhard

Auslagerung in Container

Nach der Entscheidung zugunsten der Sanierung war eine weitere Frage zu beantworten: Wo sollen die Schüler während der Bauzeit unterrichtet werden? Die Asbestbelastung ließ keine andere Wahl als eine komplette Auslagerung. So wurde eine Containerschule errichtet, die hochmodern ausgestattet, aber auch nicht eben billig ist: 200 000 Euro kostet sie die Stadt pro Monat an Miete. Bei einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren kommen so über fünf Millionen Euro zusammen (die im Budget von 25 Millionen Euro noch nicht enthalten sind). Endlich nannte die Auslagerung in Container eine gute Variante. Die entscheidende Frage sei: „Kann ich gleichzeitig renovieren und unterrichten?“ Daneben machte der Schulleiter auf verschiedene Details der Bauvorschriften aufmerksam, dass beispielsweise Glaselemente neben Türen zu Klassenzimmer dem Amokschutz nicht entsprechen.

Anbau schafft Räume

Bei der zweiten Station am Max-Planck-Gymnasium im Karlsruher Stadtteil Rüppurr standen ein neu geschaffener Anbau sowie Sanierungsfragen im Mittelpunkt. Die Karlsruher Architektinnen Ayla-Suzan Yöndel und Ursula Zimmerlin stellten den Anbau vor, mit dem die 1953 eröffnete Schule (die heute ebenfalls rund 1 000 Schüler zählt) erweitert wurde. Damals habe das Gebäude als eines der modernsten in Deutschland gezählt, in den 80er Jahren sei es aber unter anderem durch neue Fenster etwas verhunzt worden, urteilte Yöndel. Der Neubau sollte Platz für insgesamt acht Räume (Klassenzimmer, Fach- und Arbeitsräume) schaffen

d
Ein Anbau in Rüppurr bietet Platz für acht Räume. Foto: Lienhard

Energetische Sanierung

Die Architektinnen platzierten zu diesem Zweck einen aufgeständerten Riegel vor den H-Bau, der mit Verwaltung, Lehrerbereich sowie Aula und Fachräumen funktionaler Mittelpunkt der Schule ist. Dabei ließen sie den Altbau unverändert und schufen durch den Riegel erstmals auch eine überdachte Pausenhoffläche. Daneben wurde bei der Besichtigung auch die energetische Sanierung des alten H-Baus erläutert. Bei Be- und Entlüftung wird hier ein Pilotprojekt verfolgt, bei dem automatisch be- und entlüftet wird: So kippen beispielsweise Fenster automatisch, wenn bestimmte Messwerte überschritten sind. Verzichtet wurde auf einen Wärmedämmverbund, um die Fassade nicht zu verschandeln, wie die Architektinnen ausführten.

Wettbewerb in Bühl

Nach den Arbeiten an der Mensa für die Aloys-Schreiber-Schule und die Carl-Netter-Realschule, die zum Schuljahr 2018/19 den Betrieb aufnehmen soll, könnte das Windeck-Gymnasium wieder zur Schul-Baustelle werden. Wie Oberbürgermeister Hubert Schnurr gegenüber dem ABB sagte, sei ein Einladungswettbewerb vorstellbar, bei dem Architekten ihre Vorstellungen zu zwei Optionen erläutern: Sanierung oder Abbruch und Neubau. Schnurr kündigte an, für den kommenden Haushaltsplan bereits eine Wettbewerbsrate einstellen zu wollen: „Ein solcher Wettbewerb könnte neue Ideen bringen und der gesamten Schule guttun.“ Nach dem Wettbewerb müsste dann die Grundsatzentscheidung über Abbruch oder Sanierung getroffen werden. Seiner persönlichen Meinung nach sei nicht zuletzt aus energetischen Gründen ein Neubau langfristig gesehen die bessere Lösung. Dabei gäbe es die Möglichkeit, den Altbau abzureißen und an seiner Stelle einen Neubau zu errichten; ebenso denkbar wäre es auch, einen Neubau in den bisherigen Schulhof zu platzieren und danach den Altbau abzureißen.

Zuschüsse nur bei Neubau

Es müssten aber grundsätzlich die genauen Kosten ermittelt werden. Für Abbruch und Neubau wird mit grob zehn Millionen Euro gerechnet, die Sanierung kann ohne vorherige Untersuchung und Berechnung nicht seriös kalkuliert werden. Zuschüsse aus der Schulbauförderung des Landes wären zwar denkbar – aber nur, wenn neu gebaut wird, bei einer Sanierung nicht, wie Fachbereichsleiter Klaus Dürk sagte. Er wies aber auch darauf hin, dass der Städtetag hier auf eine Änderung dringe. Bei einer Sanierung könnte man die alten Klassenzimmergrößen beibehalten, beim Neubau dagegen müsste man sich an das Regelbauprogramm halten, was kleinere Zimmer bedeuten würde, informierte Fachbereichsleiter Wolfgang Eller. Geklärt werden muss auch die Frage, wo der Unterricht während der Bauzeit stattfinden kann. Ganz so teuer wie in Mörsch würde eine Containerlösung wohl nicht werden, da der Altbau des Bühler Gymnasiums nur Klassenräume, aber keine Fachräume beherbergt. In diesen könnte der Unterricht weitergehen.