Der Gemeinderat besuchte den Bühler Schlachthof. Das Foto entstand im November 2014. Verwaltungsmitarbeiter und Landwirte begleiteten das Kommunalparlament.
Der Gemeinderat besuchte den Bühler Schlachthof. Das Foto entstand im November 2014. Verwaltungsmitarbeiter und Landwirte begleiteten das Kommunalparlament. | Foto: Ulrich Coenen

Schlachthof Bühl

Die Erweiterung steht noch in den Sternen

Andreas Bohnert bleibt gelassen. Der Geschäftsführer des Bühler Schlachthofs beobachtet die Entwicklung in Offenburg allerdings sehr genau. Der dortige Schlachthof steht vor dem Aus. Er wird im Laufe des Jahres 2019 geschlossen. Einen genauen Termin konnte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage dieser Zeitung nicht nennen. Der denkmalgeschützte Altbau aus dem Jahr 1906 steht am Rand des Sanierungsgebiets „Mühlbach“, das als Wohngebiet ausgewiesen ist.

Gebäude gehört der Stadt

In Bühl kann man sich bereits seit drei Jahren gut vorstellen, das Schlachtvieh aus Offenburg ab 2019 zu übernehmen. Eigentümerin der Immobilie in der Industriestraße, in der sich der Schlachthof befindet, ist die Stadt Bühl. Betrieben wird diese Einrichtung von der Schlachthof Bühl GmbH als Pächterin. Gesellschafter sind neben der Stadt die Gemeinde Ottersweier, zwei Fleischhändler, ein Pharma-Unternehmen, elf Landwirte und sechs Metzger.

Positives Tierschutzgutachten

Die Landesbeauftragte für Tierschutz, Cornelie Jäger, hat im vergangenen Jahr ein vom Land finanziertes Fachgutachten in Auftrag gegeben, das die Leistungsfähigkeit des Bühler Schlachthofs prüfen soll. Offenburg hat nämlich eine deutlich höhere Kapazität als Bühl. Im Bühler Schlachthof werden pro Jahr rund 2 780 Rinder, 320 Kälber, 14 000 Schweine und 65 Schafe geschlachtet. Die Tiere werden unter anderem von Hofläden und Privatpersonen angeliefert. In Offenburg lassen pro Jahr rund 70 000 Schweine und 4 000 Rinder ihr Leben. Neben Landwirten und Metzgern bedient der dortige Schlachthof auch Edeka Südwest als Großkunden. Dieses Gutachten sieht für Bühl grundsätzlich gute Chancen, fordert aber bauliche Veränderungen.

Widerstand gegen Bühler Lösung

Die Idee für die Kooperation zwischen dem Ortenaukreis und Bühl wurde unter anderem vom früheren Offenburger Landrat Klaus Brodbeck ins Spiel gebracht. Allerdings gibt es im Ortenaukreis auch heftigen Widerstand gegen dieses Modell. Gerd Baumer, ehemaliger grüner Fraktionsvorsitzender im Offenburger Kreistag, berichtete Anfang November im Unterausschuss für den ländlichen Raum, dass die Planungen für einen neuen Ortenau-Schlachhof laufen. Dieser könnte im Gewerbegebiet Hoch 3 in Offenburg auf dem südlichen Grundstück neben dem Gastronomieservice entstehen. Die mögliche Investorengesellschaft mit dem Geschäftsführer der jetzigen Betreibergesellschaft Schlachthof Offenburg GmbH, Michael Bauernschmid, ist auf der Suche nach weiteren Zuschüssen oder Mitinvestoren.

Andreas Bohnert wartet ab

Bohnert will die weitere Entwicklung in Offenburg abwarten. „Der Neubau eines Großschlachthofs kostet zehn Millionen Euro“, meinte er gegenüber dem ABB. „Die Entscheidung im Ortenaukreis muss in diesem Winter fallen, sonst werden die mit dem Neubau bis zur Schließung der bisherigen Einrichtung nicht fertig. Erfahrungsgemäß dauern das Verfahren und der Bau eines Schlachthofs relativ lange. Das ist nicht in einem Jahr machbar.“

Auf die Arbeit in Bühl haben die Offenburger Gedankenspiele keine Auswirkungen. „Wir bedienen unsere Kunden und sind finanziell in ruhigen Gewässern“, sagte Bohnert. „Allerdings würde die Übernahme des Schlachtviehs aus Offenburg für uns langfristig eine bessere Auslastung und Sicherung des Betriebs bedeuten.“

Für Edeka zu klein

Für Bohnert ist klar, dass Edeka als Offenburger Großkunde nicht nach Bühl wechseln würde. „Dafür sind wir zu klein“, räumte er ein. „Wir interessieren uns für die mittelständischen Kunden aus dem Ortenaukreis. Unsere Schlachtkapazität reicht, wird müssten aber wahrscheinlich die Kühlkapazität ausbauen.“

Standort nicht gefährdet

Bohnert sieht die Standort Bühl nicht gefährdet. „Ein industrieller Großschlachthof ist aber nicht unser Ziel“, erklärte er. „So viel Vieh gibt es in Mittelbaden überhaupt nicht.“ Um einen Großschlachthof auszulasten, müssen die Tiere lange und quälende Transporte über die Autobahn in Kauf nehmen. „Das macht aus unserer Sicht keinen Sinn“, betonte Bohnert.

Aktuell gibt es neben den Schlachthöfen in Bühl und Offenburg lediglich in Freiburg und Mannheim weitere Schlachthöfe. Hinzu kommt ein Schlachthof in Bretten, der aber kleiner ist als der Bühler.