Multimediale Berichterstattung: Auf dem Fernseher läuft „Das Erste“, der linke Laptop ist für das BNN-Redaktionssystem, der rechte für Twitter.
Multimediale Berichterstattung: Auf dem Fernseher läuft „Das Erste“, der linke Laptop ist für das BNN-Redaktionssystem, der rechte für Twitter. | Foto: Julius Sandmann

Protokoll der US-Wahlnacht

Schlaflos dank Clinton und Trump

Der Sieg von Donald Trump über Hillary Clinton: Die US-Präsidentschaftswahl war im deutschen und internationalen Fernsehen am Wahltag das große Thema. Protokoll einer schlaflosen und rund acht Stunden langen (Wahl-)Nacht.

Dienstag, 22.51 Uhr

Im Ersten geht es los. „Das Zittern geht in die letzte Runde“, sagt Moderator Jörg Schönenborn. „Ein paar Stunden müssen wir noch durchhalten.“ Das stimmt. Mit von der Partie ist auch die heisere Sandra Maischberger, bei der unter anderem Schauspieler Hannes Jaenicke eingeladen ist. Er lebt in den USA und hat dort schon gewählt. Auch die Trump-Unterstützerin Nadja Atwal ist dabei. Sie glaubt: „Das System wird schon dafür sorgen, dass er nicht gewinnt.“ Die Verschwörungstheorien sind längst in Deutschland angekommen.

Mittwoch, 00.10 Uhr

Die Bundesstaaten Indiana und Kentucky machen den Anfang – seit Mitternacht sind dort viele Wahllokale geschlossen. Der US-amerikanische Sender CNN vermeldet die ersten vorläufigen Ergebnisse: In Kentucky liegt Trump mit fast 80 Prozent der Stimmen vor Clinton. Allerdings sind dort erst ein Prozent der Stimmen ausgezählt. Ein Charakteristikum sowohl im US-amerikanischen wie auch im deutschen Fernsehen in dieser Nacht: Es wird viel spekuliert.

00.43 Uhr

Moderator Schönenborn vermeldet eine interessante Stimmabgabe: Ex-Präsident George W. Bush hat weder Trump noch Clinton gewählt. Dann läuft die erste Wiederholung im Ersten: die Lebensgeschichte von Trump. Es wird nicht die letzte sein.

01.00 Uhr

Die ersten verlässlichen Ergebnisse sind da: Clinton gewinnt in Vermont und holt drei Wahlmänner, Trump bekommt acht für Kentucky. Auch in Florida, New Hampshire (einer der wichtigen Swing States), South Carolina und Virginia ist Schluss. Nach dieser Runde steht es 19 zu drei Wahlmänner für Trump.

01.15 Uhr

Im ZDF wird Moderator Jan Böhmermann zugeschaltet, der Zuhause eine Wahlparty veranstaltet.

01.40 Uhr

Auch beim Schalten durch die anderen Sender wird die Bedeutung dieser Wahl deutlich: RTL, Sat.1, 3Sat, n-tv, N24 – überall äußern sich Experten zu Trump und Clinton.

02.00 Uhr

Erneut schließt eine ganze Reihe von Wahllokalen. CNN zeigt viele Grafiken mit Clinton als Siegerin in den einzelnen Staaten – es sind einige aus Neuengland dabei, traditionelle Hochburgen der Demokraten. Zwischenstand: 68 zu 48 Wahlmänner für Clinton. Auch in Deutschland wird die Wahl heiß diskutiert, vor allem beim Kurznachrichtendienst Twitter.

02.16 Uhr

Florida zeigt, wie spannend die Wahl ist: 48,5 Prozent für Clinton und Trump. Unentschieden. Noch.

02.52 Uhr

Seit etwa vier Stunden Wahlberichterstattung – das kann mitunter langweilig werden. Im Ersten strickt ein Studiogast, während Maischberger mit ihren Gästen darüber diskutiert, ob in den USA unter Präsident Trump das Chaos ausbrechen würde.

03.00 Uhr

Clinton gewinnt den Staat New York – in der gleichnamigen Stadt halten sie und Trump sich gerade auf. In vielen Bundesstaaten läuft die Auszählung aber noch – nach Prognosen von CNN steht es 97 zu 84 Wahlmänner für Clinton.

03.19 Uhr

Die Führung hat nach Angaben von CNN gewechselt – und das deutlich: Trump führt mit 128 zu 97 Wahlleuten.

03.55 Uhr

Eins zeigt sich jetzt schon: Die Wahl ist viel spannender als erwartet. Bei CNN hat der Zuschauer eher das Gefühl, ein umkämpftes Sportfinale zu sehen als eine politische Entscheidung. Die New York Times sieht die Chance, dass Trump Präsident wird, bei 59 Prozent.

04.00 Uhr

In Iowa, Nevada und Utah sind die Wahllokale geschlossen. Hier ist es allerdings zu früh für eine Prognose. Jedenfalls ist die Wahl auch ein sehr guter Erdkundeunterricht. Es gibt viel zu lernen über die zahlreichen Landkreise in den USA und deren Bedeutung – etwa Fairfax, Macomb oder Arapahoe County.

04.27 Uhr

Trump gewinnt Ohio – ohne diesen Staat hat noch kein Republikaner eine Wahl gewonnen. Er kommt damit auf 167 Wahlmänner und braucht nur noch 103, um zu gewinnen.

05.00 Uhr

Clinton gewinnt 55 Wahlleute in Kalifornien. Die ehemalige First Lady führt laut CNN mit 190 zu 171.

05.13 Uhr

Aus Nervosität über einen möglichen US-Präsidenten Trump bricht die Börse in Tokio ein.

05.35 Uhr

Trump gewinnt den äußerst wichtigen Swing State Florida. Er führt mit 216 zu 197 Wahlmännern vor seiner Gegnerin Clinton.

06.00 Uhr

Abwechslung nach sieben Stunden: Im Ersten läuft eine Ausgabe der Tagesschau. Danach erklärt Moderator Schönenborn, es sei wahrscheinlich, dass Trump der 45. Präsident der USA werden wird. Zudem erreichen die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat, den beiden Parlamentskammern in den Vereinigten Staaten.

06:54 Uhr

Die ersten Freunde schreiben bei WhatsApp. Tenor: „Ich verstehe diese Welt nicht mehr…“ und „Ich kann das nicht glauben.“

07.00 Uhr

Die Sonne ist schon fast aufgegangen. Es gibt eine Tendenz, wer gewonnen hat, aber noch keine Klarheit.

10.07 Uhr

Nach wenigen Stunden Schlaf die Gewissheit: Donald Trump wird der nächste US-Präsident.