Künstler bei Schlosslichtspiele
Vorfreude: Andras Sass (links) und Tamas Vaspöri von "Maxin10sity" sind für die Schlosslichtspiele nach Karlsruhe gereist | Foto: jodo

Projektionen bis 25. September

Schlosslichtspiele – Publikumsliebling legt nach

Was ist das für ein Gefühl, wenn man mit einer Show eine ganze Region begeistert hat? Tamás Vaspöri und Andras Sass lächeln. „Wir haben davon gehört, dass unser Beitrag im vergangenen Jahr ganz gut angekommen ist“, sagen die beiden Männer von der ungarischen Agentur „Maxin10sity“. „300 Fragments“ hieß ihr Werk für die Schlosslichtspiele 2015 – das beim Stadtgeburtstag der Publikumsliebling war.

Zweite Arbeit für Schlosslichtspiele

Das für die allabendlichen Projektionen künstlerisch verantwortliche ZKM reagierte: „300 Fragments“ wird in diesem Sommer erneut gezeigt. Und „Maxin10sity“ steuert zusätzlich eine neue Arbeit bei. „Legacy“ ist sie überschrieben und gleich zum Beginn der zweiten Auflage der Lichtspiele zu sehen.

Spannend für uns

Zur Premiere am Sonntag, 7. August, sind Vaspöri, der Geschäftsführer der Agentur, sowie Sass als Kreativdirektor nach Karlsruhe gereist. „Natürlich ist es für uns spannend zu sehen, wie unsere Arbeit beim Publikum ankommt – zumal die Zuschauer beide Beiträge sehen und vergleichen können“, sagen die Männer. Noch bis Dienstag sind sie in der Stadt. Und sie werden jeden Abend genau hinhören, was das Publikum sagt.

Künstler verstehen Deutsch

 

Beide haben nämlich Deutsch gelernt, „meine Mutter ist Deutschlehrerin“, erzählt Sass, der doch schnell ins Englische wechselt. „Wir verstehen, aber es fällt uns schwer, Deutsch zu sprechen, wir haben viel wieder verlernt“, erklärt Vaspöri. Im vergangenen Jahr erreichte ihn ein Anruf des ZKM. „Wir wussten, dass es Karlsruhe gibt“, erinnert sich der Manager der Agentur. Dass die Stadt ein Schloss besitzt, wusste niemand im Team. Die Ungarn sagten zu.

Eine schöne Stadt

Sie steuerten eine Projektion für die Schlosslichtspiele bei – ohne dafür das Gebäude mit seiner Fassade vor Ort in Augenschein genommen zu haben. „Wir arbeiteten mit einem Modell. Und wir recherchierten viel im Internet“, erläutert Sass. Erst bei der Premiere erlebten sie vor Ort die Lokalität. Das war in diesem Jahr anders. Zweimal besuchten sie in den vergangenen Monaten Karlsruhe. „Eine schöne Stadt – wir haben sogar schon Lieblingsrestaurants“, erzählen die Künstler, die seit Freitag in der Stadt sind.

Olympioniken Daumen gedrückt

Wieder haben sie sich einiges angeschaut, das ZKM besucht. Nur für die Kamuna war kaum Zeit, „Ungarn hat Goldmedaillen bei Olympia gewonnen, wir sahen fern“. Nun stehen aber die Lichtshows im Mittelpunkt. Beide ihrer Arbeiten beziehen die Architektur des Schlosses mit ein. „Das ist zentral“, heißt es.

Neues Konzept

Dennoch ist das Konzept von „Legacy“ anders als von „300 Fragments“. Im Beitrag von 2015 standen das Schloss sowie die Karlsruher Geschichte im Mittelpunkt. In diesem Jahr holt „Maxin10sity“ Kunstwerke, die sonst hinter der Fassade im Badischen Landesmuseum zu sehen sind, nach außen. Ägyptische Kunst dringt an dem Flügel der Fassade nach außen, in dem sie auch innen präsentiert wird. Von der Antike bis zur Gegenwart – immer neue Objekte sind zu sehen, die Fassade verändert sich passend zur Epoche, auch die Musik ist entsprechend abgestimmt.

Schlosslichtspiele Karlsruhe
Die Schlossfassade wird wieder zur Riesenleinwand – am Sonntag starten die Schlosslichtspiele | Foto: jodo

„Wir waren im Museum und haben zehn, zwölf Objekte intensiv begutachtet und Hunderte Fotos gemacht“, erläutert Sass. Die Idee: Kunstwerke treten in den Vordergrund und das Publikum sieht die Objekte, ohne das Museum zu betreten. Das ZKM spricht begeistert von einer neuen Kunstform. Sass lächelt: „Ja, schon“, sagt der Mann, der vor zweieinhalb Jahren zusammen mit Vaspöri sowie Laszlo Czigany „Maxin10sity“ gründete. Rund 20 Mitarbeiter beschäftigt die in Budapest beheimatete Agentur inzwischen, hinzu kommen Freiberufler. Allein an „Legacy“ arbeiteten 17 Kreative drei Monate lang.

International gefragt

Nicht alle können jetzt nach Karlsruhe reisen, die Ungarn haben noch viele weitere Aufträge. Im September sind sie bei einem großen Festival in Bukarest dabei, bei dem sie 2014 ihre erste große Show präsentierten. Diese wurde auf dem Parlamentsgebäude gezeigt, mit 104 Projektoren – jeder so stark wie die in Karlsruhe eingesetzten, nur dass es bei den Schlosslichtspielen 24 Apparate sind. „Maxin10sity“ bespielte die Fassade des Bolschoi Theaters in Moskau und das Brandenburger Tor. Im Oktober folgt erneut ein Engagement in Berlin, dann steht der Fernsehturm im Mittelpunkt. Hier findet sich mehr zu den Arbeiten der Agentur.

Sind aller guten Dinge drei?

Ob aller guten Dinge drei sind, sie sich vorstellen können, auch für die Schlosslichtspiele 2017 eine Arbeit beizusteuern? Die Männer lächeln. „Das muss das ZKM entscheiden. Wir wären glücklich, dies tun zu dürfen – eine Idee hätten wir.“ Welche? Sie lachen. „Das ist geheim.“