Zerstörung: Wie dieser Jägersitz wurden noch diverse weitere im Forst bei Waldprechtsweier abgesägt oder umgeworfen. Tierschützer drangen in den Jagdbereich ein und verhinderten die vorgesehene Drückjagd im Bergwald.
Zerstörung: Wie dieser Jägersitz wurden noch diverse weitere im Forst bei Waldprechtsweier abgesägt oder umgeworfen. Tierschützer drangen in den Jagdbereich ein und verhinderten die vorgesehene Drückjagd im Bergwald. | Foto: Foto: pr

Drückjagd rigoros verhindert

Schockierte Jäger nach massiver Aktivisten-Aktion

Die Jäger in der Region sind ratlos, fassungslos und wütend: Mit äußerst massiven Mitteln wurde am vergangenen Samstag eine Drückjagd im Malscher Forst von Tierschützern verhindert. In der Nacht vor der Jagd sei das Wild mit Böllerschüssen aufgescheucht worden, bei der Drückjagd hätten sich die Aktivisten vermummt der Jagdgesellschaft entgegen gestellt, zahlreiche Hochsitze wurden abgesägt oder sogar zersägt. Die Kriminalpolizei ermittelt in der Sache.

Böllerschüsse und Trillerpfeifen

Der Malscher Jagdpächter Thomas Kastner war direkt betroffen von der Aktion im Bergwald bei Waldprechtsweier. „Das war unglaublich. Die Aktivisten kamen direkt ins Jagdgebiet. Mit Trillerpfeifen wurde ins Ohr geblasen.“ Die Jäger hatten die Dezimierung der Wildschweine im Visier, deren Population immer weiter wächst und die Schäden auch auf Wiesen und Äckern verursachen. Die Jagdgegner drangen direkt ins Jagdgebiet ein. „Die Gewehre wurden sofort gesichert“, die Waidmänner reagierten besonnen, so Kastner. Die Aktivisten hätten mit Leinen versucht, die Jagdhunde wegzubringen. Direkte Provokationen Nase an Nase habe es gegeben, mit Anfeindungen wie „Tragen sie Pelz?“. So etwas habe man noch nie erlebt oder gehört. „Das ging zweieinhalb Stunden.“ Auch Vergrämungsmittel hätten die Tierschützer im Wald ausgebracht, wodurch die Tiere nun aber nicht mehr in ihre gewohnten Schutzbereiche zurückkehren könnten.

Massiv Straftaten begangen

„Da sind massiv Straftaten begangen worden“, betont Thomas Hahn aus Ettlingen, Hegeringleiter für die Bereiche Ettlingen, Rheinstetten und Malsch. Dass eine so drastische Aktion stattfinden könnte, hätte er nie gedacht. Schon in der Nacht vor der Jagd sei im Wald mit Böllerschüssen das Wild vertrieben worden. Insgesamt rund 20 Jägersitze seien umgeworfen, abgesägt und auch am Boden zersägt worden. „Sie waren mit Kopfleuchten und Sägen unterwegs“, so Hahn. Er könne sich kaum vorstellen, dass es sich um Aktivisten aus dem direkten Umfeld handelt. Über eine Gruppe aus dem Frankfurter Raum wurde spekuliert. Das Weitere müsse die Polizei ermitteln. Die massive Aktion zieht Kreise. In Malsch gab es bereits mehrere Anfragen von Jägern, die sich über die Vorfälle mit Blick auf ihre kommenden, aufwendig organisierten Drückjagden informieren wollten. Kreisjägermeister Thomas Maier hat die Order herausgegeben, alle Hochsitze genau zu kontrollieren, bevor diese bestiegen werden. Wie berichtet, wurden im Bereich Rheinstetten in jüngster Zeit auch Leiter-Sprossen angesägt. Laut Hegeringleiter Thomas Hahn wissen die Jagdgegner ganz genau, wie weit sie rechtlich gehen können. Größere Strafen habe man dann ja leider nicht zu erwarten. Ein Sturz vom Hochsitz könne tödlich enden.

Wohl eine abgesprochene Aktion

Die Kriminalpolizei untersucht die Vorfälle im Malscher Forst. Es war wohl eine abgesprochene, gezielte Aktion, erklärt Ullrich Arzt von der Kripo Karlsruhe auf BNN-Anfrage zu den ersten Ermittlungen. Beamte waren in dieser Woche im Forst unterwegs, um sich ein Bild zu machen. Man habe unterm Jahr immer mal wieder Fälle beschädigter Hochsitze. „Aber das sind Einzelfälle, oft auch durch Vandalismus Jugendlicher.“ Man ermittle im Bereich organisierter Tierschützer.