Fünf neue Windkraftanlagen in unmittelbarer Nähe der bestehenden Anlage sind nahe Langenbrand geplant. Das ruft sowohl Befürworter als auch Gegner auf den Plan.
Fünf neue Windkraftanlagen in unmittelbarer Nähe der bestehenden Anlage sind nahe Langenbrand geplant. Das ruft sowohl Befürworter als auch Gegner auf den Plan. | Foto: Richter

Bedenken sollen geprüft werden

Schömberg vertagt Abstimmung zur Windkraft

Von Heinz Richter

Unerwartet hat Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn den Teilflächennutzungsplan „Windenergie“ im Gebiet Langenbrand in der Gemeinderatsitzung nicht zur Abstimmung gebracht. Die Abwägung der Anregungen und Bedenken soll zunächst durch einen Rechtsanwalt überprüft werden. Wie der Pforzheimer Kurier berichtete, möchte die Firma BayWa fünf Windkraftanlagen unweit der seit 1999 bestehenden Windkraftanlage erstellen, davon drei auf Neuenbürger Markung im Gemeindegebiet Waldrennach. Anfang nächsten Jahres soll der Bauantrag eingereicht werden.

Mehrheit will Windkraft in Schömberg

Der vom Land veröffentlichte Windatlas weist die „Langenbrander Höhe“ und ebenfalls die Schömberger Markung „Charlottenhöhe/Hengstberg“ als Potenzialflächen für die Windkraft aus. Bei der parallel zur Bürgermeisterwahl im Februar vergangenen Jahres veranstalteten Bürgeranhörung hat sich eine Mehrheit für die Windkraft in Schömberg ausgesprochen. Zuvor hatte die Bürgerinitiative „Pro Windkraft Schömberg“ ein Bürgerbegehren mit den notwendigen Unterschriften gestellt.

Schallmessung unter dem Grenzwert

Im früheren Flächennutzungsplan der Gemeinde Schömberg aus dem Jahr 2003 gibt es bereits eine Fläche für die Errichtung von Windkraftanlagen auf dem Hengstberg. Allerdings ist eine Höhenbeschränkung auf 100 Meter Gesamthöhe festgelegt. Zwischenzeitlich haben die Anlagen Höhen von über 200 Meter. Die schalltechnische Untersuchung hat auch im Bereich des Wohngebietes in Langenbrand, Waldrennacher Straße, selbst beim Mindestabstand von 750 Metern nachts ergeben, dass der maßgebliche Grenzwert für reine Wohngebiete unterschritten wird. Berücksichtigt werden musste bei der Ausweisung der Flächen für Windkraft auch, dass Schömberg das Prädikat als heilklimatischer Kurort der Premium-Class besitzt. Allerdings sind die Abstände dieser Einrichtungen zu den Windkraftflächen deutlich höher als 2 000 Meter.

Dabei wurde auch die Fläche des ehemaligen Wellenbads in Schömberg, für den eine touristische Nutzung, eventuell mit einem Hotel, angestrebt wird, berücksichtigt. Der Abstand beträgt 1 970 Meter. Über 1 000 Meter sind es jeweils zu den Hotels und dem Campingplatz in Langenbrand. Der 143 Meter hohe Sendeturm Langenbrand strahlt überwiegend nach Norden, Osten und Süden aus. Der Sender liegt nur 150 Meter entfernt vom Windkraftgebiet. Mehrere Funkstrecken tangieren das Gebiet.

Neuenbürg kritisiert mangelnden Informationsfluss

Die Gemeinde Schömberg ließ die Abwägungen der Anregungen und Bedenken während der öffentlichen Auslage von einem Fachbüro bewerten. Das fand keine Hinderungsgründe für eine Genehmigung. Vor einem Beschluss soll das nun rechtlich überprüft werden. Zwar stellte das Nabu-Gutachten Rotmilane fest, konnte aber keine Fortpflanzungsstätte nachweisen. Die Einwendungen der Stadt Neuenbürg, sie sei nicht über die Planungen der Gemeinde Schömberg ausreichend informiert worden, wurden zurückgewiesen. Von Einzelpersonen gab es zahlreiche Zustimmungen („Angesichts des akut drohenden Klimawandels halte ich ein rasches Gelingen der Energiewende insbesondere zum Wohle unserer Kinder für zwingend erforderlich“), aber auch Ablehnungen („Das Landschaftsbild wird ganz erheblich gestört“).
Die Hotels in Langenbrand befürchten, dass die Gäste ausbleiben werden. Erhebliche Bedenken meldet auch der Besitzer des Höhen-Campings Langenbrand an: „Es wird kein Tourist nach Langenbrand kommen, um diese Windräder anzuschauen und schon gar kein Dauercamper mehr.“