Keine Überlebenschance hatte das Reh, das eine Spaziergängerin hinter dem Naturfreundehaus Hörden entdeckte. Jagdpächter Toni Hurrle blieb nur noch, das Tier von seinem Leiden zu erlösen. Ein Hund hatte der Geiß in den Kopf gebissen.
Keine Überlebenschance hatte das Reh, das eine Spaziergängerin hinter dem Naturfreundehaus Hörden entdeckte. Jagdpächter Toni Hurrle blieb nur noch, das Tier von seinem Leiden zu erlösen. Ein Hund hatte der Geiß in den Kopf gebissen. | Foto: pr

Fünf Fälle in Gaggenau-Hörden

Schon wieder ein Reh gerissen

Zum wiederholten Mal ist in Hörden ein Reh gerissen worden. Am Montagmorgen meldete eine Waldspaziergängerin ein schwer verletztes Reh, das offenbar ein Hund gerissen hatte. Revierpächter Toni Hurrle bot sich vor Ort „ein Bild des Grauens“, schildert er gegenüber den BNN. Auf einem Holzpolter liegend, mit den Vorderläufen zwischen den Stämmen eingekeilt, befand sich ein noch lebendes, weibliches Reh, dessen Kopf schwere Bissverletzungen aufwies, berichtet Hurrle. Offenbar flüchtete die führende Geiß vor einem ihr nachstellenden Hund und verfing sich dabei mit den Vorderläufen im Polter. In seiner hilflosen Lage gefangen, wurde sie dann attackiert und schwer verletzt. „Mir blieb keine andere Wahl, als das Tier zu töten“, bedauert Hurrle. Das Reh habe keine Überlebenschance mehr gehabt. Dies sei umso tragischer, als die Geiß Kitze führte, deren Überlebenschancen ohne Muttertier sehr fraglich seien.

Offenbar derselbe Hund

Wie Toni Hurrle bestätigt, sind allein in diesem Jahr acht Rehe durch Hunde zu Tode gekommen: drei zwischen Michelbach und Sulzbach und fünf in Hörden. Auffallend: Diese fünf gerissenen Rehe wurden in den vergangenen zwei Monaten hinter dem Naturfreundehaus Hörden gefunden. Das lässt vermuten, dass es sich bei allen Fällen um denselben Hund handelte, so Hurrle, der bereits Kontakt zu dem Halter gesucht habe, allerdings ohne Erfolg. „Er hat die Schuld von sich gewiesen“, sagt Hurrle.

Kreisjägermeister Frank Schröder sind in diesem Jahr noch keine gerissenen Rehe in seinem Zuständigkeitsbereich Rastatt, Baden-Baden und Bühl bekannt. Ausschließen könne man solche Fälle jedoch nicht. Erst vor gut einer Woche hatte ein 40 Kilogramm schwerer Rottweiler in Karlsruhe ein Reh gehetzt, am Hals gepackt und über einen Radweg geschleift. Nach Angaben des dortigen Jagdpächters kamen solche Fälle im Bereich der Esso-Straße bei der Raffinerie vermehrt vor. Kreisjägermeister Schröder betont: „Das Problem ist nicht der Hund. Er folgt nur seinen Instinkten. Das Problem ist die Verantwortungslosigkeit der Halter.“ Schröder betont: „Wer seinen Hund ohne Aufsicht und die Möglichkeit direkter Einflussnahme laufen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Der Anblick schmerze auch die Jäger

Kritikern, die durch solche Vorfälle eine Art „Tötungskonkurrenz“ zu den Jägern „wittern“, entgegnet er: „Die toten Rehe wirken sich nicht auf unseren Jagderfolg aus.“ Es gehe hier einzig um das Wohl der Tiere, die durch die Hunde erheblich gequält würden. „Hunde können ja nicht so gezielt töten“, berichtet auch Hurrle. Sie reißen wahllos etwa den Bauch auf oder beißen, wie beim aktuellen Fall in den Schädel des Rehs. Dieser Anblick schmerze auch jeden Jäger.

Viel bedeutsamer als das Töten sei für die Waidmänner übrigens die Hege, also etwa die Pflege der Wiesen, erinnert er. Ohne die Regulierung der Jäger gebe es einen viel stärkeren Verbiss an den Bäumen und Wildschäden. Er appelliert an die Halter, ihre Hunde stärker zu beaufsichtigen.

Hund kann entzogen werden

Es gibt zwar keine Leinenpflicht in Deutschland, dennoch dürfen Hunde nicht frei herumlaufen und müssen im Einwirkbereich des Hundeführers (Rufweite) gehalten werden. Wer seinen Hund nicht ausreichend sichert, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die das Landratsamt nach dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz mit bis zu 5 000 Euro ahndet. Der Hund kann auch entzogen werden, die Polizei kann ferner dem Jagdpächter genehmigen, Hunde, die erkennbar Wildtieren nachstellen, zu töten.

 

Kommentar zum Thema:

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die meisten Hundebesitzer im Murgtal führen ihre Vierbeiner verantwortungsvoll; entweder an der Leine oder zumindest in ihrem unmittelbaren Einwirkungsbereich. Doch es gibt sie eben auch, die Schwarzen Schafe, die ihre Vierbeiner weitab markierter Wege frei herumlaufen lassen. Immer wieder beobachtet der Hördener Jagdpächter Toni Hurrle, dass die Hunde durch die Wälder streunen, ohne Herrchen oder Frauchen auf Anhieb überhaupt zuordnen zu können. Erst im Mai appellierte die Stadtverwaltung an die Halter, ihre Hunde entsprechend zu sichern, um Wildtiere nicht zu gefährden.

Eine derartige Häufung von gerissenen Rehen wie derzeit in Hörden, ist weder Jagdpächter Hurrle noch Kreisjägermeister Frank Schröder bekannt. Acht Mal machten offenbar Haushunde Jagd auf Rehe, drei Mal zwischen Michelbach und Sulzbach, und ganze fünf Mal in Hörden. Auch wenn die Waidmänner keine Beweise haben, so deutet einiges darauf hin, dass hinter den Fällen in Hörden ein und derselbe Übeltäter steckt, immerhin ereigneten sie sich allesamt unweit des Naturfreundehauses. Der entsprechende Hundehalter wies die Schuld von sich mit der lakonischen Aussage: „Mein Hund hat das nicht getan.“

Mag die Stadt noch so oft an die Vernunft der Halter appellieren – im Fall Hörden darf sie es nicht bei einer Befragung oder Ermahnung belassen. Hier muss das Ordnungsamt tätig werden und den Besitzer „an die Leine“ nehmen. Nur wenn die Stadt bissig gegen solche Taten vorgeht, können sie künftig vermieden werden. Denn der „beste Freund des Menschen“ ist der falsche Adressat. Der folgt nur seinem Instinkt. Der Mensch, der seiner Verantwortung nicht bewusst wird, ist der wahre Übeltäter.