Eine begehbare Großvoliere soll im nächsten Jahr ein Anziehungspunkt im Wildpark werden.
Eine begehbare Großvoliere soll im nächsten Jahr ein Anziehungspunkt im Wildpark werden. | Foto: Stuchlik3d

Großvoliere für Waldrapp

Schräger Vogel peppt Pforzheims Wildpark auf

Der „Leuchtturm der Goldstadt“ bekommt ein neues Signalfeuer. Das Lob fiel überschwänglich aus, als Wildparkchef Carsten Schwarz dem Bauausschuss die Pläne für eine begehbare Großvoliere vorstellte. Für eine knappe Million Euro will man am Südzipfel des Wildschweingeheges einen Traum für den Waldrapp verwirklichen, einen neun Meter hohen Riesenkäfig aus geschwärztem Edelstahl, in dem die fast schon ausgestorbenen Vögel endlich artgerecht und in Koloniestärke gehalten werden können. Auf Zoo-Gehege spezialisierte Architekten aus Schwerin planen eine spannende Netzkonstruktion, frei tragend auf schräg stehenden Säulen.

Vogel mit hoher Stirn: Ältere Stadträte sind entzückt

Über 400 Quadratmeter groß ist die Voliere geplant, mit zwei Schleusen, die die Besucher bis zu den Tieren vorlassen und einer künstlichen Felswand, an der die rund 66 Zentimeter großen und bis zu 1,4 Kilo schweren Vögel auch nisten und brüten sollen. Im Schatten des Waldrapp-Felsens will man die Uhu-Population des Wildparks unterbringen, unter dem selben Stahlnetz und ebenfalls mit deutlich mehr Raum als bislang.

 

Hübsch hässlich ist der Waldrapp, der schon bald zum neuen Star des Pforzheimer Wildparks werden soll.
Hübsch hässlich ist der Waldrapp, der schon bald zum neuen Star des Pforzheimer Wildparks werden soll. | Foto: Oehrle

„Alle fünf Jahre“, so Schwarz, wolle der Förderverein des Wildparks ein neues Großprojekt verwirklichen, um die Attraktivität der Freizeiteinrichtung hoch zu halten. „Wir wurden unter die zehn schönsten Zoos des Landes gewählt“, berichtet Schwarz und erzählt auch von seinen Befürchtungen, den Erwartungen, die eine solche Auszeichnung weckt, nicht gerecht werden zu können.

Begehbare Großvoliere für 900 000 Euro

Für die neue Heimat der nicht sonderlich attraktiven Rapp-Vögel hat der Förderverein – vor zehn Jahren von der erst kürzlich verstorbenen Stadträtin Christine Stavenhagen gegründet – bereits knapp 600 000 Euro an Spenden gesammelt. An der Stadt bleiben demnach rund 300 000 Euro hängen. „Der Waldrapp ist nicht so sexy wie der Fischotter, deshalb war es sehr schwer, an die Spenden zu kommen“, so Schwarz. Zumindest bei einigen Stadträten kommt der Waldrapp aber sehr gut an, nicht zuletzt, weil Schwarz erklärt, dass die männlichen Tieren im Alter zur Kahlköpfigkeit neigen. Schon im nächsten Sommer soll die Großvoliere fertig sein. „Wir werden in Zookreisen für Aufsehen sorgen“, ist sich Schwarz sicher und auch in Pforzheim ist die Begeisterung bereits abzusehen. „Sie haben uns Appetit gemacht, das ist wunderbar“, schwärmt Andreas Herkommer (CDU). Und Jens Kück (SPD) sieht gar Bezüge zur Traditionsindustrie, schließlich gehöre der Waldrapp zur Familie der Ibisse und die seien ja schon im alten Ägypten auf Schmuckstücken dargestellt worden. Bei aller Begeisterung bestand der Bauausschuss jedoch darauf, den städtischen Finanzierungsanteil unabhängig von den tatsächlichen Kosten auf 300 000 Euro zu „deckeln“.