Die letzten Wurstringe hängen bei Gerhard Schröder im Regal.
Die letzten Wurstringe hängen bei Gerhard Schröder im Regal. | Foto: Kraft

Letzter Rastatter Metzger

Schröder macht den Laden dicht

Von Ralf Joachim Kraft

Auch wenn der Satz von der zu Ende gehenden Ära abgegriffen erscheinen mag, auf kaum ein anderes Geschäft trifft er mehr zu als auf die Metzgerei Schröder im Zay. Der 1955 in Rastatt gegründete Familienbetrieb, der seit 1959 im Gladiolenweg Fleisch und Wurstwaren aus eigener Produktion verkauft, schließt am 13. August für immer seine Pforten. Damit endet zugleich die Geschichte der „waschechten“ Rastatter Metzgereien.
Offiziell in Ruhestand gehen wird Metzgermeister Gerhard Schröder am 30. September. Der Standort bleibt nicht erhalten, denn einen Nachfolger für den Traditionsbetrieb wird es nicht geben. „Die Suche nach einem solchen wäre auch aussichtslos gewesen. Wir befinden uns in einem reinen Wohngebiet. Mich hat man hier gekannt, aber für einen Nachfolger wäre es schwierig geworden. Deshalb habe ich von vornherein gesagt: Ich hänge noch fünf Jahre dran, aber nach mir ist dann definitiv Schluss“, berichtet Schröder – und fügt hinzu: „Abgesehen davon befinden sich der Laden und die Produktionsräume in unserem Wohnhaus – und das hätte ich, nicht nur des großen Gartens wegen, nur ungern verlassen.“
Zwar hat der 65-Jährige drei erwachsene Kinder, „aber die haben sich beruflich anderweitig orientiert“. Sohn Alexander arbeite als studierter Ernährungswissenschaftler in der Industrie, Tochter Melanie, dereinst Bankkauffrau, sei inzwischen Mutti von vier Kindern und Tochter Nathalie sei für einen bekannten Last Minute-Reiseveranstalter tätig. Alle der aktuell sechs Verkäuferinnen hätten neue Stellen in Aussicht, „eine hat uns bereits verlassen“. Die beiden Metzgergesellen seien noch auf der Suche, berichtet Schröder, der fast ein halbes Jahrhundert lang „mit viel Freude und Engagement“ sein Handwerk ausgeübt hat.

Kunden bedauern das Aus

„Das war nicht nur ein Fulltime-Job von täglich 6 bis 19 Uhr. Das war mein Lebensinhalt. Man muss da reinwachsen und immer fit sein. Bei Kleinbetrieben darf nie etwas dazwischenkommen, das wäre schnell das finanzielle Aus“, erzählt Schröder, der „noch keinen Tag krank gemacht“ hat. Den Beruf erlernte er nach dem Besuch der Hansjakobschule, der Max-Jäger-Schule und der Handelslehranstalt in dreijähriger Lehre von 1967 bis 1970 bei seinem Vater Felix, der 1955 in der Sternenstraße sein erstes Geschäft eröffnete, ehe der Familienbetrieb vier Jahre später in den Gladiolenweg umzog. 1980 übernahm Gerhard Schröder die Metzgerei von seinem Vater. Er selbst begreift sich als Metzgermeister „vom alten Schlag“. Wobei der experimentierfreudige Fleischer nicht unerwähnt lässt, dass „von der Wurst über die Frikadellen bis hin zu den Markklößchen“ alles zu 100 Prozent aus der eigenen Produktion stamme. „Ich bin sicher einer der wenigen, der nach eigenen Rezepten noch alles selber macht“, berichtet Schröder, der sein Fleisch immer frisch vom Bühler Schlachthof bezog. Die Spezialität des Hauses waren Wienerle und Fleischwurst.
Die Kunden nähmen die Geschäftsaufgabe mit großem Bedauern zur Kenntnis. „Die Vereine und Kirchen, die ich beliefere, gönnen mir zwar den Ruhestand, finden es aber sehr schade. Einige meinten: Wir kriegen sicher Entzugserscheinungen“, berichtet Schröder von treuer Stammkundschaft, darunter noch Kunden von 1956, die es gar nicht fassen können. Langweilig wird es Schröder auch im Ruhestand nicht werden. „Ich habe ja meine Frau Karola, die mich im Büro unterstützt hat, meine Kinder, meine sechs Enkel, dazu einen Garten, einen Acker, ein Fahrrad und etliche Reisegutscheine, die erst mal abgearbeitet werden wollen.“